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Skandinavischer Weitblick: EnAW-Beraterin Linda Evjen

Schwere Maschinen, dampfende Massen und ein hoher Energieverbrauch: Linda Evjen hilft Beton-, Kies- und Asphaltwerken, energetisch fitter zu werden. Mit einer Innovation aus Schweden will sie den Klimazielen jetzt näherkommen.

«ES STINKT, ES IST DRECKIG, LAUT UND STAUBIG. DAS MACHT MIR SPASS.»

Was viele nicht gerade mit Traumkonditionen, sondern höchstens mit der nachbarlichen Baustelle assoziieren, ist für Linda Evjen eine höchst willkommene Abwechslung zum Büroalltag. 64 Belagswerke betreut die studierte Bauingenieurin im Rahmen der EnAW Energie-Modell-Gruppe «SMI-D Schweizerische Mischgutindustrie» in der Deutschschweiz. «Ich hatte zuvor noch nie ein Belagswerk gesehen», erinnert sich Evjen schmunzelnd an ihre ersten Termine zur Erstellung von Zielvereinbarungen für die neue Periode im Jahr 2013. Interessiert, fasziniert und voller Tatendrang zog sie zu dieser Zeit mit ihrem Vorgesetzten durch die Beton-, Kies- und Belagswerke der Schweiz.

Heute kennt sie die Prozesse, Herausforderungen und Chancen der Asphaltproduktion. Trotzdem lernt sie nie aus: «Es geht bei meinem Job besonders darum, die Alltagsproblematik der Unternehmen zu verstehen und Experten – von der Produktion bis zur Chefetage – als Vermittlerin, Energiespezialistin oder bei Fragen zur Gesetzeslage zur Seite zu stehen», so Evjen. Neue Erfahrungen und Erkenntnisse auf andere Projekte zu übertragen sei dabei das Wichtigste. Denn der Produktionsprozess ist überall der Gleiche: Ein grosser Anteil im Asphalt sind Steine, die im Steinbruch gewonnen werden. Sie werden in Kieswerken zerkleinert und mit Sand und Zuschlagsstoffen zu einer Gesteinskörnung vermischt. In einer Drehtrommel erhitzt ein meist mit Erdgas oder Heizöl betriebener Hochleistungsbrenner die Mischung, um Feuchtigkeit zu entfernen und den Inhalt zu erhitzen. Das heisse, trockene Material wird anschliessend mit dem natürlichen Ölprodukt Bitumen vermischt, das bei der Asphaltproduktion als Bindemittel dient und gelangt dann als Heissasphalt zu den Baustellen. Dort wird es als schwarze, heisse, dampfende Masse für den Strassenbau verwendet.

Kann so etwas überhaupt ökologisch sein? Ja! Asphalt kann und wird in der Produktion wiederverwertet. Geschlossene Kreisläufe sind hier ein absolutes Muss. Die Strassenbelege werden nach einigen Jahren erneuert. Der «alte» Asphalt gelangt dabei in den Produktionskreislauf zurück. Dieser Recyclingasphalt wird gebrochen und der Produktion von neuem Asphalt beigemischt. Das macht den Asphalt erstens günstiger und zweitens kann die Zufuhr von neuem Bitumen reduziert werden. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Energiebilanz aus. Seit 2013 ist der Anteil von Recyclingasphalt von 20 Prozent auf 40 Prozent gestiegen. In der Asphaltbranche läuft in Sachen Ressourceneffizienz und Recycling also schon einiges richtig. Trotzdem – und vor allem auch in Anbetracht des Klimaziels Netto-Null – ist man ständig auf der Suche nach neuen, innovativen Lösungsansätzen, um den CO2-Ausstoss bei der Produktion zu senken.

ZAUBERWORT HOLZSTAUB

Bei einer Recherche nach neuen Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren, stiess Linda Evjen 2017 auf ein Video vom schwedischen Bauunternehmen Skanska. Darin wird erklärt, wie es die visionären Schweden schafften, in einer Asphaltmischanlage komplett von fossilen Brennstoffen wegzukommen. Und zwar durch die Verbrennung von Holzstaub, der aus Holzpellets hergestellt wird. Holzpellets sind bei der Verbrennung klimaneutral und wahre Energiebündel: Zwei Kilogramm Pellets enthalten so viel Energie wie ein Liter Heizöl und ermöglichen in Form von Holzstaub eine bessere, schnellere Regelbarkeit der Feuerleistung bis 100 Megawatt (stufenlos). «Holzstaub» heisst also das Zauberwort, das sich seitdem in Linda Evjens Kopf drehte.

«Was in schwedischen Asphaltwerken funktioniert, kann doch für die Schweiz nicht verkehrt sein», dachte sich Evjen und nahm das Video kurzerhand zur nächsten Monitoringrunde ihrer Gruppe mit. Dort stiess es auf offene Ohren. Aber die Referenzen in der Schweiz fehlten noch. Ist so etwas hierzulande überhaupt möglich? Um diese Fragen zu beantworten, reichte Evjen den Antrag zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie bei der Hochschule Luzern ein, die für die Vergabe der Themen für die Abschlussarbeiten auf der Suche nach spannenden Problemstellungen war. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit erarbeiteten vier Studienabgängerinnen mit Linda Evjens Unterstützung ein Jahr lang Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Technik, Ökologie oder Behördenauflagen rund um den Holzstaubbrenner. «Diese Studie ist heute eine Grundlage zum Vorwärtsmachen», so Evjen. Und es tut sich etwas: Dieses Jahr soll die erste Projektskizze zur Umstellung auf einen Holzstaubbrenner eines Asphaltproduzenten ihrer Gruppe beim Bundesamt für Umwelt – BAFU eingereicht und auf ihren Bescheinigungsanspruch der zusätzlich gesenkten CO2-Emissionen geprüft werden. Denn die Anschaffung eines Holzstaubbrenners ist keine Kleinigkeit: 1.5 Millionen Schweizer Franken müssen Asphaltproduzenten für die klimafreundliche Alternative in die Hand nehmen.

Hierbei genügt allein der Nachhaltigkeitsgedanke nicht. «Solche Investitionen müssen für die Unternehmen immer auch finanziell sinnvoll sein», weiss Evjen. «Als EnAW-Beraterin bin ich das Bindeglied zwischen den Behörden und der Wirtschaft. Es ist meine Aufgabe, Lösungen zu finden, die für beide Seiten vernünftig sind.» Die Preisunterschiede zwischen den Brennstoffen – Pellets waren in den letzten 15 Jahren meist ein bis zwei Rappen pro Kilowattstunde günstiger als Heizöl und Gas – spielen ihr bei der Überzeugungsarbeit schon einmal in die Karten. Wenn die Rückmeldung des BAFU auf die Projektskizze positiv ausfällt, blickt sie der Zukunft des Holzstaubbrenners optimistisch entgegen.

Linda Evjen: Seit 2013 arbeitet die Norwegerin beim Energietreuhänder Enerprice. Ein Jahr später wurde sie zur EnAW-Beraterin akkreditiert. Sie hält einen Master in integrierter Gebäudetechnologie und betreut für die EnAW Unternehmen aus der Mischgutindustrie.

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