Die Florin AG stellt seit bald 90 Jahren Speiseöle, Fette und Margarinen her. Das Familienunternehmen aus Muttenz bei Basel beherrscht dabei den gesamten Produktionsprozess: von der Auswahl und Pressung der Saaten über die Raffination der Rohöle, deren Abfüllung und Weiterverarbeitung. Wer schon so lange wirtschaftet, weiss um den Wert der Nachhaltigkeit. Seit 2001 ist die Florin AG deshalb auch Teilnehmerin bei der EnAW.
Das Schweizer Unternehmen Florin AG aus Muttenz bei Basel gehört zu den bedeutendsten Verarbeitungsbetrieben inländischer Ölsaaten.
Was haben Sonnenblumen, Raps und Erdnüsse gemeinsam? Sie geben Öl. Speiseöl für Salate, Suppen und Pasten, für Mayonnaise oder für das Frittieren von knusprigen Pommesfrites zum Beispiel. In der Schweiz landen die notwendigen Rohstoffe für die Herstellung und Verarbeitung von Speiseölen und Fetten nicht selten bei der Florin AG in Muttenz bei Basel. Als zentrales Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Verbraucher zählt das Unternehmen mit 135 Mitarbeitenden zu den grössten Abnehmern inländischer Ölsaaten. Darüber hinaus ist die Florin AG auch Partnerin für internationale Produktmarken und verarbeitet Kokos- und Palmöl aus dem Ausland. Nach der Ernte und Auslese werden die Rohstoffe in grossen Lastwagen und Güterzügen bei der Florin AG angeliefert, bevor sie in Speiseöle und Fette verwandelt werden. Das Familienunternehmen produziert jährlich 75 000 Tonnen Speiseöl, Speisefett und Margarinen. Mit ihren Produkten beliefert die Florin AG seit neun Jahrzehnten die Gastronomie- und Bäckereibranche, den Detailhandel sowie die Pharma- und Nahrungsmittelindustrie.
Öl ist nicht gleich Öl. Knusprig, cremig, sahnig kann es schmecken, die Geschmacksempfindung von Lebensmitteln also entscheidend beeinflussen. «Damit sich die gewünschten Eigenschaften entfalten können, kommt es auf die richtige Rezeptur an», erklärt der Betriebsleiter Alain Sierro bei einer Rundumbesichtigung der Produktionsgebäude. In der Ölmühle, als erste Verarbeitungsstufe, wird das Öl unter Druck und Hitze aus Ölsaaten wie zum Beispiel Rapssamen oder Sonnenblumenkernen ausgepresst. Das Rohöl wird in grossen Silos zwischengelagert, um anschliessend in der Raffinerie veredelt zu werden. Raffinationsschritte sind zum Beispiel das Entsäuern, Entwachsen, Fraktionieren, Härten und Desodorisieren der Öle und Fette, um die gewünschten sensorischen und physikalischen Eigenschaften des Fertigprodukts zu erreichen. Die Herstellungsprozesse der Florin AG sind hierbei hoch automatisiert, die Öle und Fette durchlaufen kilometerlange Rohrleitungen und diverse Tanklager, bevor sie entweder in LKW’s zu den Industriekunden gelangen oder in den Abfüllbetrieben bzw. in der Margarinefabrik abgefüllt und abgepackt werden. Hier werden die Fette und Öle gemischt, kristallisiert und in diverse Gebinde wie zum Beispiel als ein Kilogramm Margarinestangen oder in 20 Kilogramm Kartons als Frittierfett abgefüllt. Das maschinelle Orchester läuft auf Hochtouren: Sämtliche Prozessschritte erfordern Energie in Form von Strom und Wärme von jährlich 50 Gigawattstunden.
Nachhaltigkeit ist eines der strategischen Ziele der Florin AG. Dazu gehören etwa die Reduktion von Wasserverbrauch und Abfall, das Recycling und als internationaler Akteur insbesondere die Beschaffung von rückverfolgbaren Rohwaren aus dem Ausland, wie aus dem Umweltbild der Florin AG hervorgeht. Das Management gibt Ziele vor, die auf jeder Stufe des Unternehmens bis zu den Mitarbeitenden kommuniziert und quantifiziert werden – vom Wasserverbrauch bis zur Abfalltrennung. Dank einer konsequenten Zielüberwachung werden Massnahmen definiert, die schliesslich zu Kosteneinsparungen führen. Ein Prinzip, für das auch die EnAW steht. Seit 2001 widmet sich die Florin AG der stufenweisen Reduktion von CO2-Emissionen und Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Dafür wurde in Zusammenarbeit mit der EnAW eine verbindliche Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Mit der Umsetzung der darin definierten Effizienzmassnahmen spart die Florin AG nicht nur fleissig Energie, sondern auch Schweizer Franken. Und nicht nur das: Die Zielvereinbarung berechtigt das Unternehmen ausserdem, von der Rückerstattung der CO2-Abgabe zu profitieren. Rund 100 000 Franken spart die Florin AG insgesamt jährlich an Energiekosten ein.
Wir stehen im Rohfettlager, einer grossen, warmen Lagerhalle vor einem Dutzend Tanks. Hier werden die Öle und Fette erhitzt und wieder abgekühlt. Die Lagerung der Fette muss temperiert erfolgen, sonst werden die Fette dick und wären nicht mehr pumpfähig. «Vor ein paar Jahren standen diese Tanks draussen und mussten witterungsbedingt beheizt werden, damit das darin gelagerte Fett nicht zu einer festen Masse wird», erklärt Sierro. Auf Raten von EnAW-Berater Pascal Fotsch entschloss sich die Florin AG, die Rohöltanks nach innen zu verlagern, um Heizkosten zu sparen. Ein Vorteil: Dank dem Bau des neuen Innentanklagers sowie Isolationsmassnahmen zur Wärmedämmung diverser Rohrleitungen und Armaturen spart die Florin AG jährlich 33 000 Franken. Eine weitere, grosse Massnahme zur Steigerung der Energieeffizienz ist der Umstellung von Heizöl auf Erdgas als Brennstoff für die Dampfproduktion geschuldet. Dafür musste die Florin AG im Jahr 2014 eine zwei Kilometer lange Gasleitung ziehen lassen. Ein Unterfangen, das sich in der Energiebilanz ebenfalls sehen lässt: Seit dem Umsatteln von Heizöl auf Erdgas sinkt der CO2-Ausstoss der Produktionsstätte kontinuierlich. Rund 3270 Tonnen CO2 kann die Florin AG dadurch jährlich einsparen.
EnAW-Berater Fotsch unterstützt den Betrieb aber nicht nur beim Aufspüren von Massnahmen zur Energieeffizienzsteigerung. Darüber hinaus bietet die Teilnahme am Energie-Modell der EnAW auch Möglichkeiten zum wertvollen Erfahrungsaustausch. So ist die Florin AG Mitglied der Energie-Modell-Gruppe FIAL (Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittelindustrien), die von Fotsch moderiert wird. Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder-Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, um über Schwierigkeiten, konkrete Lösungen, Massnahmen und Erfahrungen in Sachen Energieeffizienz zu sprechen.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Florin AG aus Muttenz bei Basel ist das bedeutendste Unternehmen, das inländische Ölsaaten verarbeitet.
Das Unternehmen stellt seit bald 90 Jahren Speiseöle, Fette und Margarinen her.
Die lebensmittelverarbeitende Industrie ist durch energieintensive Produktionsverfahren bekannt. In Zusammenarbeit mit der EnAW setzt die Florin AG seit 2001 Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung des CO2-Ausstosses um. Sie spart damit nicht nur Energie, sondern auch Schweizer Franken.
Ist auch in Sachen Energieoptimierung pünktlich: Die SBB stellt mit Innovationswillen, grossen Ambitionen und Pioniergeist die Weichen für eine energieeffiziente Zukunft.
Effiziente Reparaturstätte: In Zürich-Altstetten werden sowohl Züge als auch das Energie-Management auf Vordermann gebracht.
Ganze 3228 Kilometer betriebene Strecken, 793 Bahnhöfe und Haltestellen und 10 708 Züge pro Tag. Seit 1902 verbindet die SBB die ganze Schweiz und chauffiert täglich rund 1.25 Millionen Reisende zuverlässig von A nach B – ein energieintensives Geschäft. Doch die öffentlich-rechtliche Eisenbahngesellschaft steigt gerade deshalb nicht nur auf den Nachhaltigkeitszug auf, sondern zieht ihn als Energie-Vorbild massgeblich mit.
Ob als Pendler oder Freizeit-Bähnler – die berühmte Uhr am Zürcher Hauptbahnhof verbindet wohl jeder mit Schweizer Pünktlichkeit und der SBB. Was die Wenigsten wissen? Die SBB ist auch in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz pünktlich. So trägt sie gemeinsam mit anderen bundesnahen Unternehmen im Rahmen der Initiative Energie-Vorbild (VBE) die Energiestrategie 2050 mit: Durch Innovation und ambitionierte Beiträge sollen die Energieeffizienz gesteigert und erneuerbare Energien ausgebaut werden. Hinzu kommen unternehmensspezifische Massnahmen, die jeder Akteur individuell festlegt. Die SBB hat dafür 2012 ein eigenes Energiesparprogramm gestartet, mit dem bis 2025 jährlich 600 Gigawattstunden Energie eingespart werden sollen. Ein ambitioniertes Ziel, entsprechen die geplanten Einsparungen rund 20 Prozent des Energieverbrauches der SBB oder dem Stromverbrauch von rund 150 000 Haushalten. Doch die SBB hält auch diesen Fahrplan ein: 2018 hat sie bereits die Hälfte ihres Ziels erreicht. Dies dank grossem Engagement und erfolgreicher Zusammenarbeit der Mitarbeitenden. Ohne Zugpferde, die die energetischen Anstrengungen über alle Divisionen hinweg zusammenhalten, geht es allerdings nicht. Als Fachspezialist für Energieeffizienz und Teilprogrammleiter «neue erneuerbare Energien» ist Marcel Reinhard eines von ihnen. Innerhalb des gesamten Konzerns tätig, koordiniert das Team Energieeffizienz alle übergreifenden Tätigkeiten im Rahmen des Energiesparprogramms. «Dieses reicht von Rollmaterial, Infrastrukturanlagen und Gebäuden über nachhaltige Beschaffung bis hin zur Verankerung des Nachhaltigkeitsgedankens bei den Mitarbeitenden», so Reinhard.
Obwohl 74 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der SBB auf den Bahnstrom zurückzuführen seien, dürfe man den Strom- und Wärmebedarf für Gebäude und Anlagen nicht unterschätzen, weiss Reinhard. Aber auch den kantonalen Energiegesetzen, wie dem Grossverbraucherartikel, gilt es Rechnung zu tragen. Hier kommt die EnAW ins Spiel, welche die SBB seit 2007 zuverlässig begleitet. Mit Erfolg: Aus der Zusammenarbeit mit der EnAW resultieren jährliche Einsparungen von rund 60 Gigawattstunden Energie. Das entspricht ungefähr dem Energieverbrauch aller Haushalte der Stadt Biel. Im Rahmen von 75 Zielvereinbarungen werden an Bahnhöfen, Bürostandorten und Werkstätten in der ganzen Schweiz kontinuierlich energetische Optimierungen vorgenommen. Für die Koordination der rund 4150 Energieeffizienzmassnahmen ist Reinhard divisionsübergreifend zuständig. 4150? Ja. Und es werden immer mehr. So zum Beispiel auf dem Areal rund um den Zürcher Hauptbahnhof. Hier kommt nämlich nicht nur das breite Streckennetz der SBB zusammen, sondern auch die verschiedenen Divisionen. Aufgrund der vielen Verbraucher hängt das ganze Areal an einem eigenen Stromversorgungsnetz, einem sogenannten Mittelspannungsring, welcher die Standorte der verschiedenen Divisionen energietechnisch verbindet. Und das ist nicht das Einzige, was der Zürcher Hauptbahnhof verbindet.
Ein neuer Bahnhof, ein neuer Tunnel und zwei neue Brücken: Die Zürcher Durchmesserlinie ist ein Generationenprojekt und eines der grössten Bauwerke im Bahnsystem Schweiz. Die Durchmesserlinie verbindet Altstetten, den Zürcher Hauptbahnhof und Oerlikon. «Mit ihr brach auch in Sachen Energieeffizienz eine neue Ära an», erinnert sich Thomas Sommer. Der EnAW-Berater der SBB kennt sämtliche Energiefresser und Einsparpotenziale am Zürcher Hauptbahnhof. Gerade die klassischen Haustechnikanlagen wie die Beleuchtung, Lüftung und Kälte seien aufgrund der Vielzahl an Ladenlokalen besonders energieintensiv. «Die Durchmesserlinie löste am Hauptbahnhof Zürich eine Reihe von Massnahmen rund um die Beleuchtung und Kälteversorgung aus», so Sommer. Zuvor musste sich jeder Gewerberaum individuell um seine Kühlung kümmern. «Jede Kältemaschine produzierte auch Abwärme, die wiederum im Laden landete und nicht genutzt werden konnte», erzählt Sommer. Heute wird die Kälte zentral und effizient generiert und verteilt – anstatt Strom sorgt das Limmatwasser als erneuerbare Energiequelle für optimale Konditionen. Das rechnet sich: Sowohl bei der Beleuchtung als auch der Kälteversorgung spare die SBB bereits je über 500 Megawattstunden Energie. Und was merken die Kunden? «Das Ziel ist es, dass durch das Energiesparen keine Komforteinbussen entstehen», so Reinhard.
Was die Passagiere aber sehr wohl zur Kenntnis nehmen, sind verschmutzte Wagons oder defekte Toiletten. Im Reparaturcenter Zürich-Altstetten beheben rund 200 Mitarbeitende Schäden an Einzelwagen und Lokomotiven. Von der Entfernung von Graffitis über die Entkalkung an WC-Systemen bis hin zu modularen Revisionen – und das in teilweise über 100 Jahre alten Gebäuden. Michel Ryser kümmert sich als Fachspezialist für Energie und Umwelt bei der Division Personenverkehr um das Energie- und Anlagenmanagement und weiss: In Altstetten werden nicht nur die Züge auf Vordermann gebracht. So wurde die grosse Werkhalle vor drei Jahren saniert und die Gebäudehülle auf den gesetzlichen Standard gebracht. «Die Herausforderung ist dabei, den denkmalgeschützten Gebäuden und Anforderungen Rechnung zu tragen», so Ryser. Aber auch eine energieeffiziente Arbeitsweise wird grossgeschrieben. Der Schlüssel zum Erfolg? Pilotieren. Denn gerade bei einem Unternehmen mit so vielen Standorten, Fachgebieten und Ansichtsweisen wirken Erfolgszahlen und Erfahrungsberichte überzeugend. «So zum Beispiel beim Projekt Grubenbeleuchtung», erzählt Ryser. «Die Züge in den Serviceanlagen stehen auf Unterhaltsgleisen, damit von unten an den Fahrzeugen gearbeitet werden kann. Bis vor Kurzem waren diese Gleise häufig permanent beleuchtet. Da aber nicht ständig unter den Zügen gearbeitet wird, suchten wir nach einer einfachen Lösung, den Stromverbrauch zu reduzieren.» In Genf und Luzern setzte man deshalb Zeitschaltuhren ein, um den Stromverbrauch zu optimieren. Ein Pilotprojekt, das aufzeigt, wie mit kleinem Aufwand spürbare Ergebnisse erzielt werden können. «Die Ergebnisse dienten als Legitimation zur aktuellen schweizweiten Umsetzung solcher Massnahmen», so Ryser.
Apropos Legitimation: Egal zu welcher Jahreszeit – die Temperatur in Zügen ist ein heikles Thema. Ähnlich wie beim Pilotieren setzt die SBB deshalb auch in diesem Thema auf positive Resonanz. So testete die SBB im Januar 2018, wie eine Temperaturabsenkung um zwei Grad in den Zügen der Zürcher S-Bahn bei den Reisenden ankommt. Aufgrund der positiven Rückmeldungen werden bald über 100 Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn umprogrammiert. Das lohnt sich, rechnet die SBB doch mit jährlichen Einsparungen von 1.6 Gigawattstunden Strom. Doch nicht nur die Temperaturregelung birgt grosses Sparpotenzial. Auch die Fahrweise spielt eine wichtige Rolle, denn gerade ungeplante Stopps kosten enorm viel Energie. Nach dem Credo «wer bremst, verliert», klügelte die SBB deshalb das System der adaptiven Lenkung aus. Die sogenannte grüne Welle im Bahnverkehr optimiert per Dispositionstool den Fluss des ganzen Bahnverkehrs. «Besetzt ein Zug einen Streckenabschnitt, wird das dem nachkommenden Lokführer frühzeitig mitgeteilt, sodass er rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren und dem Konflikt aus dem Weg gehen kann», erklärt Reinhard. Das Ziel der adaptiven Lenkung sei also, unnötige Stopps zu vermeiden, damit die Pünktlichkeit zu erhöhen und Energie zu sparen. Eigentlich sei es wie beim Autofahren: «Über eine grüne Welle freut man sich immer», so Reinhard.
Damit die SBB auch in Sachen Energieeffizienz und Produktion von neuen erneuerbaren Energien pünktlich ans Ziel kommt, sollen mit dem neu lancierten Teilprogramm «neue erneuerbare Energien» bis 2030 jährlich 30 Gigawattstunden Solarstrom produziert werden. Die Fahrt vom Zürcher Hauptbahnhof nach Altstetten zeigt gleich zweifach: Auch hier ist die SBB gut auf Kurs. Denn auf den Serviceanlagen Herdern und Altstetten sind bereits Photovoltaikanlagen installiert. «Nachhaltiger Umgang mit wachsender Mobilität» lautet das firmeninterne Credo. Die wachsenden Passagierzahlen, der stetige Preisdruck sowie die Aufrechterhaltung der Servicequalität münden in einer zunehmenden Komplexität. Auch im Zusammenhang mit der Elektromobilität stehe das bundesnahe Unternehmen vor neuen Herausforderungen: «Durch das Elektroauto schrumpft unser Umweltvorteil gegenüber der Strasse etwas», so Ryser. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, bleibt die SBB deshalb mit viel Engagement daran und stellt so die Weichen für eine nachhaltigere Zukunft.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern: Gemeinsam mit anderen bundesnahen Unternehmen trägt die SBB im Rahmen der Initiative Energie-Vorbild (VBE) die Energiestrategie 2050 mit.
2012 hat die SBB dafür ein eigenes, umfassendes Energiesparprogramm auf die Beine gestellt.
Auch die Zusammenarbeit mit der EnAW trägt Früchte: 60 Gigawattstunden Energie spart die SBB dadurch jährlich ein.
Weg von fossilen Energieträgern und hin zu erneuerbaren Energien. Für die beiden Schweizer Biopioniere Biotta AG und Rathgeb Bio ist das (bio-)logisch. Dank der gemeinsamen Holzschnitzelheizung, die kürzlich in Betrieb genommen wurde, sparen die beiden Unternehmen in Tägerwilen jährlich 2500 Tonnen CO2 ein. Eine Kooperation, die auch bei der EnAW für Begeisterung sorgt.
Die gemeinsame Holzschnitzelheizung in Tägerwilen ist in Sachen Nachhaltigkeit schweizweit ein Leuchtturmprojekt. Die Initiatoren dahinter: Thomas Meier (Zweiter von links) und Markus Gschwandtner (Dritter von links).
Tägerwilen im Kanton Thurgau, direkt beim Hauptsitz der Biotta AG und nur wenige Gehminuten von den Gewächshäusern der BioFresh AG entfernt. Es riecht holzig-harzig, fast schon würzig. Nicht gerade Düfte, die man mit der Biosaftproduktion oder dem Gemüseanbau assoziiert. Zumindest nicht im ersten Moment. Denn in Tägerwilen hat das eine sehr wohl etwas mit dem anderen zu tun. Gemeint ist die im Spätherbst in Betrieb genommene, gemeinsame Holzschnitzelheizung, die den beiden Biobetrieben die benötigte Energie für das Tagesgeschäft liefert. Was es dafür braucht? Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, dieselbe Vision in Sachen Energiezukunft und das Einstehen für nachhaltige Projekte.
Man nehme zwei Pioniere aus der Schweizer Biolandschaft – einen Biosaftproduzenten und einen Biogemüsebaubetrieb – und erhalte eine innovative und weitsichtige Kooperation. Die Liebe zur Natur, die konsequente Ausrichtung auf die biologische Landwirtschaft, die nachhaltige Betriebsphilosophie, der Anspruch auf höchste Kundenzufriedenheit und die Teilnahme am Energie-Management der EnAW: Biotta und Rathgeb Bio haben einiges gemeinsam. So auch das unermüdliche Streben nach möglichst innovativen und nachhaltigen Lösungen. Deshalb haben die beiden Schweizer Biopioniere unabhängig voneinander mit Unterstützung der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund zur Reduktion der CO2-Emissionen und der Steigerung der Energieeffizienz abgeschlossen. Das Ziel? Weg von fossilen Energieträgern, hin zu nachhaltigen Energiequellen. Wie das geht? Gemeinsam. Und mit Geduld.
Vor fünf Jahren haben sich Thomas Meier, Leiter Finanzen und Support von Rathgeb, und Markus Gschwandtner, Leiter Finanzen und Administration von Biotta, zum ersten Mal an einen Tisch gesetzt. «Unsere Gewächshäuser brauchen Energie, damit die Nutzpflanzen warm, trocken und gesund Hochleistungen erbringen, auch wenn der weitaus grösste Teil der Energie direkt von der Sonne kommt», weiss Meier. Zwar habe sich die Energieeffizienz in den Gewächshäusern in Tägerwilen dank grosser Investitionen bereits deutlich verbessert, «trotzdem ist es unser Ziel, noch nachhaltiger zu werden und die CO2-Bilanz weiter zu verbessern», so Meier. Auch Biotta setzt im Bereich Energieeffizienz auf hohe Standards. «Nachhaltigkeit liegt in der DNA von Biotta. Ob der hohen CO2-Belastung wollten wir deshalb weg vom Heizöl als Energieträger», sagt Gschwandtner. Eine baldige Sanierung der Heizanlage stand beim führenden Biosaftproduzenten also ohnehin an – ideales Timing, denn auch das Nachbarsunternehmen Rathgeb suchte für die Beheizung ihrer Gewächshäuser nach einer möglichst wirtschaftlichen Methode aus erneuerbaren Energieträgern.
So viel ist klar: Für beide Unternehmen wäre eine Lösung mit erneuerbaren Energien im Alleingang wirtschaftlich nicht möglich gewesen. Bei einem Gemeinschaftsprojekt dieser Dimension dürfe man aber die administrativen Aufwände nicht unterschätzen, weiss Gschwandtner. Wer braucht wie viel Energie, wie schaut der Zusammenarbeitsvertrag aus, wie wird das Projekt gemeinsam finanziert, wie funktioniert die Abrechnung? Fragen, auf die Gschwandtner und Meier während der letzten fünf Jahre Antworten suchten. Und fanden. «Das Ganze unter einen Hut zu bringen, war eine grosse Herausforderung», erklärt Gschwandtner. Schliesslich seien Biotta und Rathgeb doch zwei verschiedene, unabhängige Unternehmen. Auch der EnAW-Berater von Rathgeb, Martin Steiger, weiss: «Eine erfolgreiche Kooperation in dieser Konstellation ist speziell. Rathgeb braucht mehr Energie in Form von Warmwasser, Biotta dafür aber Dampf.» Dass die Unternehmen hier einen Kompromiss gefunden haben, so der EnAW-Berater, sei lobenswert.
Nicht minder lobenswert sind die Resultate. Dank des übergeordneten, komplexen Steuerungssystems wird auch die Wettervorhersage miteinbezogen und die optimale Energieversorgung garantiert. Drei Prozent des jährlichen Holzzuwachs im Kanton Thurgau – das sind rund 5300 Kubikmeter regionales Schlagholz: So viel Holzschnitzel werden pro Jahr direkt vor den Türen von Biotta in Tägerwilen angeliefert und in der neuen Holzschnitzelheizung verbrannt. Die daraus resultierende Wärme wird über die Fernwärmeleitung in den Speicher von Rathgeb geschleust, der Dampf gelangt in die Produktionskette von Biotta. Das Ergebnis? Eine Nennleistung von 2.4 Megawatt. Wird die Energierückgewinnung mittels Wärmepumpe und der Rauchgaskondensation addiert, vergrössert sich die Leistung auf 3.0 Megawatt.
Allerdings liegen die Energiekosten mit dieser Gemeinschaftslösung für beide Unternehmen etwa 20 bis 30 Prozent höher als mit der herkömmlichen Energiezufuhr. Um einem Teil dieser fehlenden Wirtschaftlichkeit entgegenzuwirken, erhielt das Projekt Fördergelder von der Stiftung KliK und dem Kanton Thurgau. «Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes ist ein wichtiger Pfeiler. Aber wir sind bereit, den Mehrpreis zugunsten der Nachhaltigkeit zu zahlen», sagt Meier und hofft, dass es ihnen die Kunden, Konsumenten und Enkelkinder einmal danken werden. Ob sich die Investition im Millionenbereich finanziell gelohnt hat, werde sich erst in der Zukunft zeigen und hängt stark von den Preisentwicklungen der verschiedenen Energieträger ab. Aus der Nachhaltigkeitsoptik lohne sich die Anlage aber allemal: 2500 Tonnen CO2 sparen Biotta und Rathgeb mit der neuen Holzschnitzelheizung jährlich insgesamt ein. Und dem ist nicht genug: Dank der Einsparungen sind alle Produktionsprozesse und das Heizen der Gebäude von Biotta zu 100 Prozent CO2-neutral, die Gewächshäuser von Rathgeb zu 75 Prozent. Und die restlichen 25 Prozent? «Wir werden gemeinsam mit der EnAW die Gewächshäuser genauer unter die Lupe nehmen und versuchen, die restlichen 25 Prozent auch noch fossilfrei erzeugen zu können», antwortet Meier. Denn: Das mit der Nachhaltigkeit ist ein fortwährender Prozess.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Innovative und nachhaltige Lösungen sind sowohl beim Biosaftproduzenten Biotta AG als auch beim benachbarten Gemüsebauern Rathgeb Bio in der Betriebsphilosophie verankert. Das Ziel: Weg von fossilen Energieträgern.
In Zusammenarbeit mit der EnAW haben die beiden Bio-Pioniere unabhängig voneinander eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und sich dazu verpflichtet, die Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken.
Gemeinsam haben sie Grosses geschafft: Dank der gemeinsamen Holzschnitzelheizung, einem schweizweit einzigartigen Projekt, sparen die beiden Unternehmen jährlich insgesamt 2500 Tonnen CO2 ein.
Schweizer Salat im Winter? Kein Problem, dank dem innovativen Denken der Gebrüder Meier Gemüsekulturen AG aus dem Kanton Zürich. Das Familienunternehmen überlässt in Sachen Gemüseanbau, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein nichts dem Zufall und findet auch für die krumme Gurke eine Verwendung. Beim Energie-Management zählt die Firma seit 2017 auf die Expertise der EnAW.
Ob frischer Nüsslisalat, knackiges Snack-Gemüse oder asiatischer Pak Choi – die Produktepalette der Gebrüder Meier Gemüsekulturen AG lässt die Herzen von Gemüse- und Salatliebhabern höherschlagen. Über 40 verschiedene Frischprodukte produziert und verpackt der Zürcher Gemüsebauer an drei Standorten in Hinwil, Buchs und Dällikon. Und das ausschliesslich für den Schweizer Markt. Grossverteiler aus dem Detailhandel, Gastronomiezulieferanten, Marktfahrer oder die Besucher des Hofladens in Dällikon – der schweizweite Kundenstamm weiss das breit gefächerte Angebot an Frischware zu schätzen. Was dennoch oft liegen bleibt? Die krumme Gurke. Denn: Gemüse und Salate, die im Laden gekauft werden, müssen makellos sein. Diesen Konsumentenanspruch kennt keiner besser als der diplomierte Gemüsegärtner Fritz Meier, der seit gut 22 Jahren für den Anbau der Produkte zuständig ist. Ob das Konsumverhalten denn die grösste Herausforderung im Gemüseanbau sei? «Nur bedingt», weiss Meier und verweist auf die Problematik der Preiskonkurrenz mit Produkten aus dem Ausland. Gesetzliche Rahmenbedingungen, die gegebene Topografie oder zunehmende Wetterextreme verschärfen diese zusätzlich. Der Lösungsansatz: «Als gesamte Branche nachhaltiger werden», meint der Branchenspezialist für Früchte und Gemüse aus dem Zürcher Furttal.
Gesagt, getan: ökologische Ausgleichsflächen, Nützlinge, Regen- und Abwassernutzung, eine Fotovoltaikanlage und die Weiterverwendung von Rüstabfällen mittels Biogasanlage – in Sachen Nachhaltigkeit überlässt die Gebrüder Meier Gemüsekulturen AG nichts dem Zufall. Das Credo: So viele Kreisläufe wie möglich schliessen und so einen Beitrag für Natur und Umwelt leisten. Auch die krumme Gurke landet dank der Biogasanlage nicht auf dem Müll, sondern dient der Strom- und Düngerproduktion. Diese nachhaltige und umweltbewusste Arbeitsweise entspreche seit jeher der Betriebsphilosophie des Familienunternehmens. «Wir machen das aus Überzeugung, um unseren Kindern eine ebenso schöne Natur zu hinterlassen, wie wir sie erleben», erläutert Meier. Gleichzeitig sei aber auch ein wenig Eigennutz dabei: «Wir bieten ein umweltfreundliches Produkt zu einem guten Preis – da erhoffen wir uns auf dem Markt langfristig schon einen Vorteil.»
Gleich mehrere Vorteile bietet beispielsweise die erste Hydroponik-Anlage der Schweiz, die die Gebrüder Meier im Jahr 2016 in Betrieb nahmen. Bei der Hydroponik-Salatanlage in Buchs wächst der Salat nämlich nicht mehr im Boden, sondern wird im Wasser aufgezogen. Das spart Wasser, vermindert den Verlust von Nährstoffen und steigert die Produktion. Um es in Zahlen auszudrücken: 8000 Stück Salat liefert die Anlage täglich. «Dank der hohen Anzahl Pflanzen pro Quadratmeter und der ganzjährigen Produktion hat der einzelne Salat eine ziemlich gute Energiebilanz», erklärt Meier. Gute Energiebilanz bei einer ganzjährigen Salatproduktion im Gewächshaus? Ja – nicht zuletzt auch dank der schweizweit einmaligen LED-Beleuchtung. «Die LED-Leuchten brauchen etwa 50 Prozent weniger Strom als herkömmliche Lampen», so Meier. Das wirke sich neben der hohen Ausnutzung des Gewächshauses positiv auf die Energiebilanz des einzelnen Salates aus.
Woher dieser Innovationswille komme? «Wenn wir irgendwo auf der Welt etwas sehen, das es in der Schweiz so noch nicht gibt, ist unser Interesse geweckt», erzählt Meier. «Gewisse Mitarbeiter fürchten sich geradezu, wenn ich von einer Reise mit abermals neuen Ideen nach Hause komme.» Doch gerade ebendiese Innovationskraft zeichne den Familienbetrieb aus. Das weiss auch EnAW-Berater Martin Steiger, der die Gebrüder Meier AG seit 2017 begleitet. «Fritz Meier ist der typische Macher», sagt Steiger in Bezug aufs Energie-Management. «Ist das Unternehmen von einer Sache überzeugt, dann wird diese auch angepackt.»
Die Reduktion der Gewächshaustemperatur, das Absenken des Druckwerts beim Hofkompressor, der Ersatz von alten Gewächshäusern oder die Entfeuchtungsanlage mit kontrollierter Lüftung. Seit Beginn der Zusammenarbeit mit der EnAW wurde im Betrieb in Dällikon so einiges an Massnahmen umgesetzt. Und das mit Erfolg: So zeuge der niedrige spezifische Wärmebedarf von weniger als 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Gewächshausfläche von einem sparsamen Umgang mit Energie, rechnet EnAW-Berater Steiger vor. Dank der Zielvereinbarung, die das Familienunternehmen mit Unterstützung der EnAW mit dem Bund abgeschlossen hat, profitiert es zudem von der Rückerstattung der CO2-Abgabe. Auch die regelmässig stattfindenden Treffen mit den weiteren teilnehmenden Gewächshäusern aus der Energie-Modell-Gruppe und den daraus resultierenden Know-how-Transfers weiss die Firma zu schätzen: «So lernen wir immer wieder Neues dazu», sagt Meier und vermerkt, dass sich die Zusammenarbeit erst im Setzling-Alter befinde und für die Zukunft sicher noch weiter ausgebaut wird.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Salate, Gurken, Radieschen – die Gebrüder Meier Gemüsekulturen AG produziert über 40 Frischprodukte, ausschliesslich für den Schweizer Markt.
Die Betriebsphilosophie: mit einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Produktion so viele Kreisläufe als möglich schliessen.
Um in Sachen Nachhaltigkeit nichts dem Zufall zu überlassen, hat das Familienunternehmen mit Unterstützung der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen.
Die seit dem 19. Jahrhundert praktizierte Zementproduktion generiert grosse CO2-Emissionen. Es gibt aber viele Möglichkeiten, diesen Ausstoss stark zu reduzieren. Wie das geht, zeigt die Vigier Ciments AG in Péry im Berner Jura: In Zusammenarbeit mit der EnAW entwickelt sie eine ganze Reihe von Massnahmen, um die CO2-Bilanz ständig und beträchtlich zu verbessern.
Am Standort Péry-Reuchenette (BE) wurden die CO₂-Emissionen seit 1990 um 34 Prozent reduziert. Bis 2021 sollen es 40 Prozent werden.
Die Vigier Ciments AG feiert bald ihr 150- jähriges Bestehen. 1871 in Luterbach (SO) von Robert Vigier gegründet, produzierte sie als erstes Unternehmen in der Schweiz Portlandzement, bei welchem Kalziumsilikate und Kalk gemischt und gemeinsam erhitzt werden. Eine Revolution in der Baubranche. 1891 wurde dafür in Péry ein neuer Produktionsstandort eröffnet, der hinsichtlich Geologie, Energie und Transport ideal gelegen ist. Heute beschäftigt das Unternehmen an 37 Standorten unterschiedlicher Ausrichtung und Grösse in der Schweiz 1100 Personen. Das ist für EnAW-Berater Erich Lüdi, der das Unternehmen bei der Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen begleitet, eine spannende Herausforderung. Seit 2001 gehört die Vigier Ciments AG zum französischen Konzern Vicat. Das sei gewissermassen ein Schritt «zurück zu den Wurzeln». Denn Louis Vicat erfand 1817 den Industriezement und trat 1840 als Initiator für den Portlandzement auf.
Für die Zementherstellung in Péry wird Kalkstein zu Rohmehl vermahlen, das anschliessend mit 20 Prozent Mergel versetzt wird, bevor alles bei 1450 Grad Celsius im Ofen gebrannt wird. Dazu muss die Temperatur der Flamme im Ofen 2000 Grad Celsius betragen. So entsteht der Zementklinker, der dann zu Zement vermahlen wird. Je feiner das Pulver, desto höher ist die Druckfestigkeit des Zements. Beim Brennen des Kalksteins und des Brennstoffs wird eine Menge CO2 freigesetzt: Die Zementfabrik in Péry verursacht ein Prozent der CO2-Emissionen der Schweiz. Auf den Schweizer Zementsektor insgesamt entfallen sogar fünf bis sechs Prozent. Dieser Wert geht aber immer weiter zurück – und das nicht von selbst. Olivier Barbery, seit Juni 2015 Direktor des Standorts Péry, zeigt eine beeindruckende Liste der Massnahmen, die direkt im Unternehmen, aber auch in dessen Umfeld umgesetzt wurden: Nutzung lokaler Ressourcen bei Rohstoffen oder Energie, achtsame Durchführung von Transporten oder die Einhaltung von Baunormen.
«In einem Familienkonzern bestehen Möglichkeiten, auch ganz besondere Initiativen umzusetzen», freut sich Olivier Barbery. Ein Beispiel dafür ist der 2018 gelieferte, ausschliesslich elektrisch betriebene Dumper – eine Weltpremiere. Ein Dumper ist ein riesiger Lastwagen, der 65 Tonnen Gesteinsmaterial transportieren kann. Dieser E-Gigant entstammt einer Partnerschaft zwischen dem Hersteller, dem Importeur, einem Ingenieurbüro, einer Bieler Hochschule und der Vigier Ciments AG, die das Projekt zu zwei Dritteln finanziert hat. Der Dumper befördert das Aushubmaterial aus der Kiesgrube zu einer Brechanlage. Von da aus wird der Kies über ein 2.3 Kilometer langes Förderband in die Fabrik transportiert. «Mit diesem 2001 eingeweihten Förderband konnten wir die LKW-Transporte bereits reduzieren. Mit unserem neuen E-Dumper können wir weitere 55 000 Liter Diesel pro Jahr einsparen. Die Transporte sind leise, verursachen keine CO2– oder Feinstaubemissionen und beim Bergabfahren werden die Batterien per Rekuperation aufgeladen», erklärt Barbery. Eine Investition, die sich auszahlt. Dank dem E-Dumper kann das Unternehmen seine CO2-Emissionen nämlich weiter senken: Seit 1990 sind sie um 34 Prozent zurückgegangen, angepeilt wird ein Ziel von 40 Prozent bis 2021.
Zwei Drittel der CO2-Emissionen der Fabrik sind auf die Umwandlung von Kalkstein in Kalk zurückzuführen. Der Rest ergibt sich aus der Verbrennung zur Wärmeproduktion. Seit 1976 versucht Vigier, die fossilen Brennstoffe durch eine breite Palette an alternativen Brennstoffen zu ersetzen: Altholz, Schlamm, Tabakstaub, tierische Fette und Tiermehl oder auch alte Lösungsmittel und Altöl. «Unsere Wärme wird heutzutage zu 87 Prozent aus alternativen Brennstoffen gewonnen. Vigier gehört europaweit zu den Top drei auf diesem Gebiet und überschreitet die 65-Prozent-Marke, die 2018 von sämtlichen Schweizer Zementwerken erreicht wurde, deutlich», meint Barbery.
«Da bei der Produktion einer Tonne Klinker 0.72 Tonnen CO2 freigesetzt werden, reduziert sich der CO2-Fussabdruck, je weniger Klinker sich im Zement befindet», weiss Barbery. Reiner Klinker, bekannt unter dem Namen CEM I, sollte nur für anspruchsvolle Anwendungen eingesetzt werden. 1995 hat Vigier eine erste Generation an Zementen auf den Markt gebracht, bei denen Klinker und hochwertiger Rohkalkstein, der aus dem Steinbruch des Unternehmens stammt, vermischt werden. Momentan enthalten diese Sorten zwischen 17 und 27 Prozent nicht erhitzte Materialien. Dieser Anteil kann noch gesteigert werden: Die Zemente der Klasse CEM II können bis zu 70 Prozent Stahlwerkschlacke enthalten. Und sie haben sich bewährt. Trotzdem: «Leider schreiben viele architektonische Normen noch immer einen grossen Anteil am klassischen CEM I vor, obwohl das umweltfreundlichere CEM II dafür absolut geeignet wäre», so Barbery. Laut ihm müssen diese Normen unbedingt überarbeitet werden. Denn: Klimaschutz sei tatsächlich eine kollektive Herausforderung.
Um genau dieser Herausforderung gerecht zu werden, prüft das Unternehmen weitere Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoss kollektiv zu vermindern. Der Vicat-Konzern beteiligt sich an Pilotprojekten in Frankreich, um CO2 zu binden, um es zu lagern oder in Methan umzuwandeln. Ausserdem soll die Porosität des Betons von 30 auf 60 Prozent erhöht werden, um die Reabsorption des CO2 zu beschleunigen. Aber auch Vigier selbst ist in Sachen Nachhaltigkeit gut auf Kurs: «Wir betreuen unser eigenes Wasserkraftwerk, sind zu 50 Prozent an sieben weiteren Schweizer Kraftwerken beteiligt, setzen in unserer Produktionskette Elektromotoren der letzten Generation ein, nutzen LED-Beleuchtungen, produzieren mit unserem langen Förderband Energie, und und und», so Barbery. «All diese Wege zur Verringerung der CO2-Emissionen beeinflussen die Höhe des CO2-Fussabdrucks der Zementproduktion, die für unsere Gesellschaft unabdingbar ist.»
Fun, Action und Wellness vom Feinsten – die Thermalquellen Brigerbad AG ist eine Wohlfühloase sondergleichen. Die 2600 Quadratmeter Thermalwasser, die längste alpine Rutschbahn und die Saunalandschaft bleiben auf der Stromrechnung aber nicht unbemerkt. Seit dem Jahr 2016 schraubt das Walliser Bad in Zusammenarbeit mit der EnAW deshalb am Energie-Management – engagiert und mit Erfolg.
Spart dank dem energetischen Fine-Tuning Energie und Kosten: Das Thermalbad in Brigerbad garantiert einen energieeffizienten Badespass.
Schon die alten Römer wussten den Sagen nach das Thermalwasser der Brigerbad-Quelle zu schätzen. Zurecht, denn das Thermalbad mit einmaliger Lage inmitten der Berge und mit Ausblick auf die Walliser Alpen ist eine Wohlfühloase schlechthin. Ob pure Erholungsmomente im modernsten Wellnessbereich oder ein nasser Adrenalinkick auf der längsten Rutschbahn der Alpen – dank der insgesamt 2600 Quadratmeter grossen Wasserfläche kommen alle auf ihre Kosten. Die glücklichen Gesichter der sich im Wasser tummelnden Badegäste bestätigen: Die Thermalquellen Brigerbad AG hat die Rezeptur für das einmalige Badeerlebnis perfektioniert – auch in Sachen Energieeffizienz.
Das kommt nicht von ungefähr, denn im Jahr 2014 wurde das Bad komplett saniert und der Businessplan überdacht. «Wir mussten die Thermalquellen auf die heutige Zeit anpassen», weiss der Direktor der Thermalquellen Brigerbad AG, Olivier Foro, der das Thermalbad seit gut vier Jahren leitet. «Wir sattelten von einem reinen Sommerbetrieb auf einen Ganzjahresbetrieb um und erweiterten unser Angebot.» Gesagt, getan – mit einer Investition von satten 30 Millionen Franken wurde das Bad saniert und auf den modernsten Stand gebracht. Ein 50-Meter-Olympiaschwimmbecken, das berühmte Flussbad, ein Kinderplanschbecken und die neue Wellnessoase mit Saunalandschaft. «Bei uns findet jeder etwas – vom Enkelkind bis zu den Grosseltern. Wir bieten sowohl im Sommer als auch im Winter ein Rund-um-Wohlfühlprodukt», so der gebürtige Unterwalliser.
Der Betrieb einer Badelandschaft und Wellnessoase sei aber ein Energiefresser der Sonderklasse. «Wir bewegen uns beim Energieverbrauch auf dem Niveau einer Bergbahn», so Foro. Das schlägt sich, trotz umfangreicher Sanierung, in der Stromrechnung nieder. Die Lösung? Eine freiwillige Zielvereinbarung mit dem Bund, die Foro mit Unterstützung der EnAW abgeschlossen hat. Das Elektrizitätsunternehmen und der Stromversorger des Oberwallis, die EnBAG, habe den Grossverbraucher auf das Angebot der EnAW aufmerksam gemacht. «Sie haben uns die Lösung sozusagen auf dem Silbertablett serviert», erinnert sich Foro. «Wir mussten nur noch Ja sagen.» Die EnAW lege ein Know-how und einen Pragmatismus an den Tag, von dem das Thermalbad in Brigerbad nur profitieren könne, so der Direktor. Ein sauberes Energie-Management bedingt aber auch eine anständige Portion Motivation, Willenskraft und geeignete Mitarbeitende.
Einer davon ist der Leiter der Technik, Antonio Di Costa, der seine Energie-Hausaufgaben mehr als nur erledigt. Mit Unterstützung des EnAW-Beraters Bernhard Jürgens kümmert er sich um das energetische Fine-Tuning im Betrieb. Die grösste Einsparung resultierte aus der Installation eines Bypasses in den Kreislauf der Wärmepumpe. «So verlieren wir weniger Wärme und sparen dadurch sehr viel Energie», erklärt Di Costa. Konkret spart das Brigerbad allein durch die Umsetzung dieser Massnahme jährlich rund 470 000 Kilowattstunden Strom ein, was der Stromversorgung von knapp 95 Einfamilienhäusern entspricht. Doch nicht nur die Energiemenge wird vermindert, auch der Verbrauch von Thermalwasser konnte durch die optimierende Massnahme fast halbiert werden. Die nicht unbeträchtliche Investition habe sich bereits nach drei bis vier Monaten amortisiert. Doch dem ist nicht genug: Auch der Heizölverbrauch konnte mittels Optimierungsmassnahmen um 29 Prozent reduziert werden. Zudem wurden sämtliche Beleuchtungen auf LED-Leuchten umgestellt. «Aufgrund der Hitze und der Feuchtigkeit im Hallenbad mussten wir die Beleuchtung schon bald nach der Sanierung austauschen», so Foro. Das hat sich gelohnt: In die neuen Leuchten habe man zwar etwas mehr Geld investiert, das vereinfache aber auch den Unterhalt und verhindere, dass ein Techniker alle paar Monate eine Lampe auswechseln muss.
«Dass wir in Sachen Energieeffizienz im Kanton Wallis zu den Vorreitern gehören, erfüllt mich schon mit Stolz», erzählt der Direktor im Gespräch. Dass sich die Aufwände auch noch finanziell lohnen, sei das Tüpfelchen auf dem «i». «Wer die Hausaufgaben gut macht, kriegt auch eine Belohnung», schmunzelt er und spricht die Rückerstattung der CO2-Abgabe und des Netzzuschlages an. Das sporne an, die Energieoptimierung auch weiterhin voranzutreiben. «Ich kann allen anderen Betrieben im Wallis nur empfehlen, auf den Zug aufzuspringen», so Foro, der die Zusammenarbeit mit der EnAW auf keinen Fall missen möchte. Was für das Brigerbad in Zukunft noch auf dem Plan stehe? «Die Abdeckung der Aussenbecken», erklärt er. Denn den Wärmeverlust über Nacht könne man sich eigentlich nicht leisten. Klingt aber einfacher, als es ist. Die vielen Kurven und individuellen Formen der Aussenbäder machen diese Effizienzmassnahme nämlich zu einer Herausforderung. «Das ist eine grosse Investition, die die Energiebilanz aber nochmals deutlich aufwerten könnte», konkretisiert er. In Zusammenarbeit mit der EnAW soll aber auch diese Herausforderung in Zukunft gemeistert werden.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Thermalquellen Brigerbad AG bietet ein Badeerlebnis der besonderen Art und gehört im Kanton Wallis zu den Vorreitern in Sachen Energieeffizienz.
In Zusammenarbeit mit der EnAW hat der Badebetrieb eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und nimmt so seine Verantwortung der Umwelt gegenüber wahr.
Dank dem energetischen Fine-Tuning spart das KMU nicht nur Energie, sondern auch Schweizer Franken.
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