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Gastgewerbe/Hotellerie

Ein Hotel und sein
konsequenter Weg zur Dekarbonisierung

04.05.2026

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Das um 1930 im Herzen von Villars-sur-Ollon (VD) erbaute Hotel Alpe Fleurie ist ein Familienbetrieb, der mit der dritten Generation und seinem aktuellen Geschäftsführer Stéphane Michellod entschlossen in das Zeitalter von Energieeffizienz und Dekarbonisierung eingetreten ist. Dies mit einem ganzen Strauss von ambitionierten Massnahmen.

Es gibt verschiedene Gründe, den Weg zu Energieeffizienz und Dekarbonisierung einzuschlagen. An erster Stelle stehen seit einem Vierteljahrhundert die gesetzlichen Vorgaben, die durch Anreize wie die Rückerstattung der CO2-Abgabe abgefedert werden. Der finanzielle Anreiz entsteht aber auch, wenn die Energiekosten durch einfache, vernünftige und günstige Massnahmen schnell oder durch grössere Investitionen innert angemessener Frist gesenkt werden. Und es gibt einen weiteren Grund, der sich früher oder später häufig durchsetzt: die Befriedigung, Ausrüstungen und Praktiken Jahr für Jahr geduldig wie eine mechanische Meisterleistung neu zu ordnen, anzupassen, zu ersetzen, zu optimieren und aufeinander abzustimmen, und damit das eigene Unternehmen an die Anforderungen punkto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit auszurichten, die unsere Zeit prägen, mit Umweltkrisen, zu denen sich noch geopolitische Faktoren gesellen, die ein Umdenken in Bezug auf die Energieressourcen erzwingen.

Die jüngere Geschichte des Hotels Alpe Fleurie zeigt einen solchen Weg auf. Dieser begann 2013, als sich eine Gruppe lokaler Hotels unter der Federführung der Association Romande des Hôteliers zusammentat, um gemeinsam, begleitet von der EnAW, eine Zielvereinbarung mit dem Bund zu unterzeichnen. Für das Hotel Alpe Fleurie leiteten sich daraus verschiedene Effizienzmassnahmen ab, die im Rahmen von Audits aufgeführt wurden. «Und ich habe dabei meine grüne Seele entdeckt», sagt Stéphane Michellod, Geschäftsführer des Hotels, und lächelt. Diese «geweckte» Sensibilität ist keine Überraschung: Sie entstammt wohl derselben Quelle, der Liebe zum Detail und zur Perfektion, die den Zimmern und Suiten des Hotels ihre Ästhetik verliehen hat – ein einfacher Blick auf die Website des Hotels verrät es.

Ambitionierte Massnahmen

Stéphane Michellod, dem EnAW-Berater Julien Messer administrativ und technisch zur Seite steht – Messer bringt im Übrigen das gesamte Energiewissen von Groupe E mit –, kann stolz auf eine ganze Reihe ambitionierter Massnahmen verweisen, die bereits umgesetzt wurden. 2016 wurde mit einem neuen Heizkessel von Heizöl auf Erdgas umgestellt. Im Jahr 2018 wurde das Dach erneuert, dessen Isolation verbessert und eine Photovoltaikanlage installiert. «Eine möglichst grosse Anlage», so Stéphane Michellod. Die jährliche Produktion von rund 20 000 Kilowattstunden decke derzeit 20 Prozent des Bedarfs des Hotels. Eine Erweiterung der Modulfläche sei im Rahmen der angekündigten Renovation der grossen, direkt nach Süden ausgerichteten Terrasse geplant. Indem Alpe Fleurie mit einem Batteriespeicher aufgerüstet werde, könne das Hotel auch zeitweise autonom sein. Die Verbesserungen an der Gebäudehülle wurden mit der Renovation der Ostfassade im Jahr 2020 und der Nordfassade im Jahr 2023 fortgeführt, während gleichzeitig die Fenster mit Dreifachverglasung ausgestattet wurden.

Und da letztlich jedes Detail zählt, wurden die ältesten, weniger energieeffizienten Fernseher systematisch ausgetauscht und die Minibars aus den Zimmern entfernt. «Minibars werden im Pflichtenheft für die Klassifizierung eines Hotels erwähnt», erklärt Stéphane Michellod, «aber sie sind ein kleiner Luxus, der viel mehr Energiekosten verursacht, als er einbringt. Für unsere Gäste, die ihre Medikamente kühl lagern müssen, stellen wir ganz einfach Platz in unseren Kühlschränken zur Verfügung.»

2025 als Schlüsseljahr für Dekarbonisierung

Da die 2013 kollektiv unterzeichnete Vereinbarung mit einer Laufzeit von zehn Jahren abgelaufen ist, hat sich Alpe Fleurie 2025 mit einer neuen Vereinbarung wiederum verpflichtet. Allerdings ist das Hotel nun im Alleingang unterwegs, mit der Energie von Stéphane Michellod, motiviert durch alle bereits erzielten Fortschritte.

Julien Messer fügt an: «Ebenfalls 2025 wurde die Küche komplett renoviert – das war die Gelegenheit, die Gasherde durch Induktionskochfelder zu ersetzen, was eine deutliche Dekarbonisierung des Standorts bewirkte, mit einer Reduzierung der CO2-Emissionen um rund 10 Prozent. Zwar ist diese Massnahme bei den derzeit hohen Stromtarifen nicht unbedingt rentabel, aber sie wird durch den Strom, der durch die Solarmodule erzeugt wird, deutlich interessanter. Ausserdem bringt diese Technologie einen besseren Komfort für den Betrieb.»

Hinsichtlich Kühlung wurde die neue zentrale Kälteerzeugung für Kühlräume und Kühltheken um eine Wärmerückgewinnung beim einzigen Hochleistungskompressor ergänzt, der somit zur Warmwassererzeugung im Gebäude beiträgt. Auch die Lüftung wird demnächst überdacht unter Berücksichtigung einer Wärmerückgewinnung, bei der auch die Abwärme der Wäschetrockner genutzt wird. In Bezug auf die Lüftung weist Stéphane Michellod auf ein weiteres Detail hin, das aus energetischer Sicht mehr als nur eine Kleinigkeit ist: «Unsere Badezimmer verfügen alle über ein Fenster und benötigen keine mechanische Lüftung; Feuchtigkeit ist dabei kein Problem.» Und für die Wärme, die noch im Heizkessel mit Gas erzeugt wird, sind die Tage gezählt. Für die Heizung stehen mehrere Lösungen zur Auswahl: Wärmepumpe, Pellets oder Fernwärme.

Emissionen um einen Viertel reduziert

Die CO2-Emissionen des Hotels wurden zwischen 2014 und 2024 um einen Viertel gesenkt. Die 2025 unterzeichnete Vereinbarung legte einen neuen Reduktionspfad fest, der auf eine weitere Reduktion von 12 Prozent in den nächsten zehn Jahren abzielt, während weitere Massnahmen, die über den Rahmen der Vereinbarung hinausgehen, in dieser Periode eine Reduktion von 10 Prozent bewirken sollen. Der neue Pfad stellte gleich einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung dar, was vor allem auf die Umstellung auf Induktion zurückzuführen war. Das dürfte Stéphane Michellod, falls nötig, für die kommenden Jahre neue Energie verleihen.

EnAW-Berater Julien Messer (links) im Gespräch mit Stéphane Michellod. (Bild: Jean-Luc Renk)

EnAW-Berater Julien Messer (links) und Stéphane Michellod. (Bild: Jean-Luc Renk)

Das Hotel Alpe Fleurie hat einen Strauss von Massnahmen getroffen, um energieeffizienter zu werden. (Bild: Jean-Luc Renk)