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Die Strategie der kleinen Schritte

Wie man lernt, an grossen Zielen nicht zu verzweifeln.

Wer sich etwas Grosses vornimmt – Eigernordwand erklimmen, Japanisch lernen, CO2-neutral werden –, wird das Gefühl kennen, dass man an dem ambitionierten Ziel verzweifelt.  Nehmen wir das Beispiel des Bergsteigers, der sich in einer Wand verstiegen hat. Die Höhe seiner Entscheidung hat mit der Weite seiner Erfahrung nicht Schritt gehalten. Und nun kann er, in der Wand, weder vor noch zurück, doch auch nicht aufhören. Es gibt aber noch zwei andere Arten des Verzweifelns: Wenn wir uns erst gar nicht trauen anzufangen, weil sich die Aufgabe wie ein grosses Ungetüm vor uns erhebt, bedrohlich und unbezwingbar. Oder wir verzweifeln in der Durstrecke, wenn der Anfangs-Elan verschwunden ist, das Ziel aber noch fern.  

Es ist viel geforscht worden zu der Frage, warum uns die Motivation bei grossen Aufgaben verloren geht und was man dagegen tun kann. Eine der wegweisendsten Erkenntnisse stammt von einem Mann namens Karl Weick. In einem 1984 veröffentlichten Aufsatz entwickelte der Arbeitspsychologe seine These der «Kleinen Siege».  

So lernt man, an grossen Zielen nicht zu verzweifeln


Sein Grundargument lautete, dass grosse, ambitionierte Ziele zwar eine emotionale Anziehungskraft haben, aber auch lähmend wirken können, weil die Herausforderung (ob es sich nun um das Stoppen der globalen Erwärmung oder um die Steigerung der Verkaufsleistung um 15 Prozent handelt) so überwältigend erscheinen kann, dass wir erstarren, wenn wir sie angehen. Weick schlug vor, dass es konstruktiver sein kann, das «grosse Problem» in «mundgerechte Stücke» zu zerlegen, in bescheidenere und umsetzbare «blosse Probleme», um das Überforderungsgefühl durch ein Machbarkeitsgefühl zu ersetzen. 

Man sollte also das Ziel in kleinere Etappen einteilen und diese nicht mit einem gewaltigen Schritt, sondern mit vielen kleinen Schritten angehen. Jeder Schritt ist ein kleiner Erfolg, und während sich die kleinen Erfolge häufen, machen wir fast unbemerkbar Fortschritte in Richtung des grossen, ambitionierten Ziels. «Sobald ein kleiner Sieg errungen wurde, werden Kräfte freigesetzt, die einen weiteren kleinen Sieg begünstigen», schrieb Weick. 

Viel ist derzeit in Unternehmen von Visionen, Purpose, North Star die Rede. Bei der Strategie der kleinen Schritte geht es paradoxerweise ums Gegenteil, nämlich darum, möglichst wenig oder gar keine Energie darauf zu verwenden, an das strahlende Ziel zu denken. Es ist wie beim Bergsteigen: Anstatt sich auf den Gipfel zu fokussieren und dabei zu verspannen, sollte man den Blick nach unten senken und einen Fuss vor den anderen setzen. Irgendwann blickt man zurück und ist erstaunt, wie weit man gekommen ist.  

Mikael Krogerus, Roman Tschäppeler

Über die Autoren

Mikael Krogerus (links) ist Journalist und Roman Tschäppeler (rechts) Kreativproduzent. Die beiden sind Autoren des Bestsellers «Zusammenarbeiten – wie man gemeinsam Grosses erreicht» (Kein&Aber). Sie sind zudem Kolumnisten in «Das Magazin» und erklären dort wöchentlich die Fallgruben des modernen Arbeitslebens.

Die Schweiz befindet sich auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel. Die KMU haben dabei schon beachtliche Fortschritte erzielt, auch dank dem Tandem aus Zielvereinbarung und «Roadmap zur Dekarbonisierung», das die Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) anbietet. 

Benedikt Vogel

Energie, Emissionen und Geld sparen: Die Zielvereinbarung vereint seit zwei Jahrzehnten genau diese Vorteile. Dabei können Unternehmen, die für einen Zehn-Jahres-Zeitraum verbindliche Ziele zur Senkung ihres Energieverbrauchs vereinbaren, von der CO2-Abgabe auf fossile Energieträger befreit werden. Ihre Nachhaltigkeitsmassnahmen lohnen sich also doppelt: durch Rückerstattung der Abgabe und durch tiefere Energiekosten. Strom-Grossverbraucher können zusätzlich von einer teilweisen oder vollständigen Rückerstattung des Netzzuschlags profitieren. Energieintensive Unternehmen sparen so schnell fünf- bis sechsstellige Franken-Beträge. Diese Vorteile waren bisher auf Betriebe aus energieintensiven Branchen, zum Beispiel Metall, Chemie und Lebensmittel, beschränkt. Mit dem neuen CO2-Gesetz, das ab 2025 in Kraft treten soll, werden alle Unternehmen davon profitieren können. Zielvereinbarungen nützen zudem jenen Grossverbrauchern, denen kantonale Energiegesetze Effizienzmassnahmen auferlegen. 

Kleinen und mittleren Unternehmen, die sich für eine Zielvereinbarung entscheiden, bietet die EnAW ein bewährtes Effizienzpaket an, das ohne firmeneigene Energieexperten umgesetzt werden kann. Für Grossunternehmen hat die EnAW eine flexible Beratungslösung mit massgeschneiderten Massnahmen parat. Das grundsätzliche Vorgehen ist für alle Unternehmen gleich: Auf die Analyse des Energieverbrauchs folgt die Festlegung von Einsparzielen, welche durch Bund und Kantone auditiert werden, gefolgt von einer fachlich begleiteten Umsetzungsphase, welche jedes Jahr gemonitort wird.  

Roadmap wird Pflicht

Um Treibhausgas-Emissionen bis 2050 möglichst ganz zu vermeiden, dient ein zweites, langfristig angelegtes Instrument. Die EnAW bietet Unternehmen dafür das Dienstleistungspaket «Roadmap zur Dekarbonisierung» an. Dieses umfasst Massnahmen zur vollständigen Vermeidung von CO2-Emissionen. Ausgangspunkt sind jeweils Effizienzmassnahmen innerhalb des Betriebs, gefolgt von Prozessanpassungen, zum Beispiel die Senkung der Prozesstemperatur. Letztere schaffen die Voraussetzung für die Wahl passender erneuerbarer Energieträger. Noch zu oft wird der Fehler gemacht, an energieintensiven Prozessen ungeprüft festzuhalten und für die Wärmeerzeugung auf wertvolle erneuerbare Hochtemperatur-Energieträger wie Holz zu wechseln. Sinnvoller ist es, die Prozesstemperatur wo immer möglich zu senken und den Wärmebedarf anschliessend mit Wärmerückgewinnung und Abwärme oder Wärmepumpen zu decken. 

Die EnAW-Roadmap oder – wenn man tiefer ins Detail gehen will: die Ressourcenberatung der EnAW – zieht die Treibhausgas-Emissionen aus den vorgelagerten Stufen mit in die Betrachtung ein, berücksichtigt also zum Beispiel auch die Energie, die zur Herstellung zugekaufter Stähle oder Kunststoffteile benötigt wurde (Scope 2/3). Bestandteil einer Roadmap kann auch die Kompensation von Treibhausgas-Emissionen über den Kauf von Zertifikaten sein – diese sollten indes nur als letztes Mittel gewählt werden, da sie teuer sind. Immer muss auch ein Auge auf die Qualität der Zertifikate geworfen werden. Das Klima- und Innovationsgesetz sieht vor, dass die Unternehmen spätestens im Jahr 2050 klimaneutral sein müssen. Dafür müssen sie Fahrpläne erarbeiten, in denen sie aufzeigen, wie sie dieses Ziel erreichen möchten. Damit wird eine Roadmap Pflicht. 

Mit Zielvereinbarung und Roadmap dekarbonisieren

Die EnAW bietet mit Zielvereinbarung und Roadmap ein ökonomisch und ökologisch sinnvolles Tandem aus praxisnahen Beratungsdienstleistungen und webbasierten Tools. Tatsächlich wird nachhaltiges Wirtschaften für KMU mehr und mehr zu einer Existenzfrage. Als Zuliefer-Firmen sind sie zunehmend an die Dekarbonisierungsvorgaben ihrer Kunden gebunden. Auch das energiepolitische Umfeld spricht für eine konsequente Senkung des Energieverbrauchs: Weitsichtige KMU sind am besten gewappnet gegen potenzielle Energie-Mangellagen und hohe Energiepreise.  

Zudem sollte man den psychologischen Effekt nicht ausser Acht lassen. Sobald der – vielleicht mühselige – erste Schritt getan ist, ist der zweite gar nicht mehr so aufwändig. Dann kann eine Art intrinsischer Wettbewerb entstehen: Man ist bestrebt, sich selbst zu übertreffen, und ergreift daher zusätzliche Massnahmen, um Energie zu sparen. Das macht nicht nur Spass, sondern senkt auch die CO2-Emissionen und kommt letzten Endes dem Klima zugute. 

Auch wenn im CO2-Gesetz für die Zeit nach 2024 noch nicht alle Eckpunkte klar sind: Die Beraterinnen und Berater der EnAW halten sich und Sie stets auf dem neuesten Stand. Sie sind die richtigen Ansprechpersonen für jene Unternehmen, die mit der neuen Gesetzesvorlage noch zu wenig vertraut sind.  

Die Spühl GmbH definiert Nachhaltigkeit als einen ihrer sechs Unternehmenswerte. Geschäftsführer Thomas Boltshauser erklärt, warum, und Frank R. Ruepp, Geschäftsführer der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW), sagt, wieso sich Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Pfeiler für Firmen entwickelt hat.

Herr Boltshauser, Spühl produziert Maschinen, die wiederum Federkerne herstellen. Wie energieintensiv ist dieser Produktionsprozess?

Der Prozess der Herstellung der Maschinen ist vergleichbar mit anderen Maschinenherstellern. Ein wesentlicher Teil bei uns – energiebezogen – geht in die Zerspanung von Metall-Erzeugnissen, wie Drehen, Fräsen, Schleifen. Die Herstellung von Federkernen, produziert auf unseren Maschinen, ist aufgrund der Wärmebehandlung energieintensiv, da jede Feder auf 300 Grad erhitzt und vor der weiteren Verarbeitung abgekühlt wird. Die Wärmebehandlung ist aus Qualitätsgründen notwendig, sorgt sie doch dafür, dass die Federn resp. die Federkerne ihre Form über Jahrzehnte beibehalten. Wussten Sie, dass der Stahl im Federkern zu einem hohen Prozentsatz aus recyceltem Stahl besteht und der langlebigste Teil in der Matratze ist?

Interessant. Wie viel Energie braucht denn die Produktion eines Federkerns?

Für die Herstellung eines Federkerns beispielsweise, der 20 Kilogramm schwer ist, werden mit einer Maschine von Spühl rund 0.8 Kilowattstunden Energie benötigt. Damit könnte ein durchschnittliches Elektroauto rund fünf Kilometer weit fahren. Aber um nochmals auf unsere Maschinen zurückzukommen: Eigentlich sind das energiemässig betrachtet – die Hauptaufgabe besteht ja im eigentlichen Federwinden – kleine Heizzentralen, da jede Feder innert Bruchteilen von Sekunden erwärmt und wieder abgekühlt werden muss, damit die Folgeprozesse bei tieferen Temperaturen durchgeführt werden können. Die entstehende Abwärme wird bei den Kunden nur zum Teil weiter aktiv genutzt, da dies technisch aufwändig und kostenintensiv ist.

Ihr Unternehmen wurde 1877 gegründet. Was hat sich in den über 140 Jahren energietechnisch verändert?

Vieles. Unsere heutigen Maschinen haben beispielsweise viel mehr Elektronik als diejenigen von früher. Zudem sind sie vernetzt und können aus der Ferne gewartet werden. Früher wurde vieles noch mechanisch gelöst.

Herr Ruepp, Sie kommen ja ebenfalls aus der Industrie. Können Sie dies bestätigen?

Auf jeden Fall. In allen industriellen Sektoren wird kontinuierlich automatisiert und Elektronik eingesetzt, um die Effizienz und Präzision von Maschinen und Prozessen zu verbessern. Es geht dabei auch um Qualitätskontrolle und -sicherung.

Herr Boltshauser, Spühl schreibt, das Unternehmen verpflichte sich insbesondere zur Nachhaltigkeit. Inwiefern?

Wir haben sechs Unternehmenswerte. Einer davon ist Nachhaltigkeit. Wir versuchen, gesamtheitlich über alle Prozesse und Dienstleistungen nachhaltig zu sein, wie etwa beim Abfall. Zudem konstruieren und produzieren wir unsere Maschinen unter der Prämisse der Langlebigkeit. Wir bieten auch zehn Jahre nach dem Kauf noch Support an. Unsere Kundin bzw. unser Kunde soll also rundum ein nachhaltiges Produkt bekommen. Zudem führen wir weltweit Upgrades im Feld und Überholungen bei Spühl an.

Welche Massnahmen hat die Spühl GmbH denn konkret schon unternommen und welche sind geplant?

Wir haben beispielsweise alle Umwälzpumpen der Heizzentrale ersetzt und uns ans Fernwärmenetz angeschlossen. Wir haben bei der Beleuchtung nicht nur auf LED umgestellt, sondern auch eine Tageslichtsteuerung eingeführt. Zudem nutzen wir die Abwärme der Kompressoren, um unsere Teilewaschanlage zu bedienen. Auch der konventionelle Kompressor wurde durch ein Wärmerückgewinnungsmodell ersetzt, damit wir die Abwärme für die Raumwärme nutzen können. Und: Im Herbst 2024 lassen wir eine PV-Anlage mit einer Leistung von rund 1300 kWp installieren und produzieren ab nächstem Jahr auf unseren Dächern Strom. Davon wird rund 50 % für den Eigenbedarf verwendet werden. Wir überlegen uns auch über die nächsten Jahre, Ladestationen für Elektroautos zu installieren.

Achten Sie auch bei Ihren Mitarbeitenden auf nachhaltiges Verhalten?

Ja, wir sponsern beispielsweise einen Teil des Ostwind-Abos. Zudem machen wir beim Bike-to-work-Projekt mit. Die Sensibilisierung spielt bei uns übrigens eine wichtige Rolle: So machen wir unsere Mitarbeitenden darauf aufmerksam, dass sie nach getaner Arbeit den Computer runterfahren sollen. Wir haben auch ein Team für GUE (Gesundheit, Umwelt, Energie) gebildet, welches aus Mitgliedern aus allen Geschäftsbereichen besteht. Dieses Team setzt verschiedene Projekte um, auch gemeinnützige Einsätze im Gemeindegebiet.

Sie machen also sehr viel. Herr Ruepp, ist das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit für ein Unternehmen unerlässlich geworden?

Absolut. Es gibt eine Vielzahl von Gründen dafür. Es geht hier nicht nur um die Schonung von Ressourcen und die Kosteneffizienz, sondern auch um Stakeholder-Management. Alle Personen, Gruppen oder Organisationen, welche ein Interesse an der Firma haben oder von ihr betroffen sind, müssen hier betrachtet werden. Kunden, Lieferanten, Partner, Mitarbeitende, etc. erwarten heute, dass ein Unternehmen sich bezüglich Nachhaltigkeit engagiert. Es geht hier nicht nur um Reputation, sondern auch, zumindest für First Mover, um Wettbewerbsvorteile.

Heisst das, dass ein Unternehmen, das schon viel unternommen hat, im Vorteil gegenüber jenen Unternehmen ist, die noch wenig gemacht haben?

Aus Sicht der Stakeholder ist das sicherlich so. Auf der anderen Seite haben aber diese Unternehmen im Rahmen der Zielerreichung Netto-Null-2050 weniger nicht ausgeschöpfte Potenziale. Also weniger neue wirtschaftliche Massnahmen, die sie noch umsetzen können, um das Ziel zu erreichen. Dies in Bezug auf eine Treibhausgaseffizienzsteigerung.

Herr Boltshauser, der Gründer der Spühl GmbH, Heinrich Spühl, hat zu Lebzeiten diverse Maschinen erfunden und war auf dem Gebiet der Federmaschinen ein Pionier. Wie behalten Sie diesen Pioniergeist im Unternehmen bei?

Unsere Maschinen-Plattformen, welche unterschiedliche Arten von Federkernen herstellen, haben sich innert zehn Jahren verdoppelt: dank unseren innovativen Mitarbeitenden und unseren Kunden, die uns das Vertrauen schenken. Wir haben digitale Dienstleistungen (Smart Services) in unser Portfolio aufgenommen, welche erlauben, Spühl-Maschinen und das verarbeitete Rohmaterial noch effizienter zu nutzen, zu überwachen und den Ersatzteil-Verschleiss und somit auch die Kosten zu reduzieren. Wir nutzen auch Technologien wie den 3D-Druck, um Teile, welche einer hohen Dynamik ausgesetzt sind oder eine komplexe Form aufweisen, in kleinen Losgrössen zu produzieren.

Ihr Unternehmen macht seit über zehn Jahren bei der EnAW mit. Welche Inputs haben Ihnen am meisten geholfen?

Wir haben ja am KMU-Modell teilgenommen und dadurch einen umfangreichen Massnahmenplan erarbeitet. EnAW-Berater Hans Hatt hat uns dabei wertvolle Unterstützung geleistet. Dadurch haben wir unsere Ziele schneller erreicht als erwartet.

Herr Ruepp, ein Musterbeispiel aus EnAW-Sicht?

Das Spühl-Team hat einen super Job gemacht, ja. Wir von der EnAW sind froh, dass wir hier unseren Beitrag zu diesem Erfolg leisten konnten und dass die Unternehmung Spühl mit unserer Unterstützung zufrieden ist.

Die Spühl GmbH produziert Maschinen, die wiederum solche Federkerne herstellen.

Die Spühl GmbH gibt es seit rund 150 Jahren.

Thomas Boltshauser (links) und Frank R. Ruepp.

Vertreter der Korea Energy Agency, des Sustainable Development Management Institute und des Korea Institute of Building Energy Technology waren am 17. Juli aus Südkorea nach Zürich gereist, um sich das Erfolgsmodell der EnAW erklären zu lassen. Die fünfköpfige Delegation aus Asien zeigten dabei grosses Interesse an der EnAW-Präsentation.

Jae-Dong Choi und Do-Hyun Kwon von der Korea Energy Agency (KEA), Sangmin Lee und Namjin Jeon vom Sustainable Development Management sowie JungHoon Cho vom Korea Institute of Building Energy Technology waren sichtlich angetan von den EnAW-Produkten. Sie stellten während der Präsentation wiederholt Fragen. Danach stellten sie ihrerseits die KEA vor, die dem südkoreanischen Ministerium für Handel, Industrie und Energie unterstellt ist und über 750 Mitarbeitende beschäftigt. Zudem erläuterten sie die südkoreanischen Bestimmungen zu Energieeffizienz und Emissionen. Schliesslich kamen sie auf die verschiedenen Aktivitäten der KEA zu sprechen, die unter anderem internationale Kooperationen umfassen.

Das Treffen zwischen der asiatischen Delegation und der EnAW war auf Initiative der KEA erfolgt.

Bis 2030 will die Cendres+Métaux-Gruppe auf Stufe Scope 1 und Scope 2 kaum CO2 mehr ausstossen. Dazu hat das Unternehmen mit Unterstützung der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) an seinem Standort in Biel eine Roadmap zur Dekarbonisierung erstellt. Diese beinhaltet diverse Massnahmen, von denen schon einige in die Wege geleitet worden sind.

EnAW-Berater Felix Eichenlaub, Raïna Rasper, Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Cendres+Métaux, und Raffaele Caruso, Head of Facility Management von Cendres+Métaux, sind mittlerweile ein eingespieltes Team.

Raïna Rasper, Felix Eichenlaub und Raffaele Caruso wollen die CO2-Emissionen auf Stufe Scope 1 und 2 bis 2030 möglichst auf Null senken.

Sie sehen aus wie gewöhnliche Schrauben, sind in Wahrheit aber Implantate. Und auch den kleinen Metallstücken sieht man nicht an, dass sie dereinst in Uhren zum Einsatz kommen werden. Die Cendres+Métaux-Gruppe in Biel ist spezialisiert auf die Auftragsfertigung von mikromechanischen Komponenten aus Titan- und Edelmetalllegierungen. Aus Letzteren werden hauptsächlich Schwungmassen für Uhren hergestellt und aus Titan implantierbare Kleinteile für die Medizinaltechnik.

Cendres+Métaux will in Biel auf Stufe Scope 1 und Scope 2 nur noch wenige Tonnen CO2  ausstossen. Dieses Ziel will die Gruppe bis 2030 erreichen. Helfen soll dabei unter anderem die Roadmap zur Dekarbonisierung, die verschiedene Massnahmen enthält, um das Unternehmen seinem Ziel näherzubringen. «Die grösste Herausforderung bei der Gesamtplanung einer Dekarbonisierungsstrategie liegt tatsächlich bei den vielen Abhängigkeiten, die bereits bei der Planung berücksichtigt werden müssen», so Raffaele Caruso, Head of Facility Management. «Dazu gehören geplante bauliche Massnahmen, End-of-Life-Zyklen von Lüftungs- oder Klimaanlagen, Kapazitätsplanungen, aber auch die unternehmerische Strategie insgesamt.»

Alles in allem sei die Erstellung der Roadmap zwar herausfordernd, aber sehr lohnend gewesen, so Caruso. «Herausfordernd, weil wir uns vertieft mit der ganzen Gebäudetechnik und dem Zusammenspiel verschiedener Anlagen auseinandersetzen mussten und neue Stakeholder – wie z.B. unsere Nachhaltigkeitsverantwortliche – ins Spiel kamen», sagt er. «Lohnend, weil wir dadurch sehr viel Wissen dazugewonnen und eine bessere Vorstellung für die Umsetzung unseres Klimazieles bekommen haben. Die Roadmap hat uns geholfen, den potenziellen Impact von Massnahmen zu messen und deren Umsetzung bis 2030 gezielt zu planen.»

Gaskessel sollen ersetzt werden

Cendres+Métaux hat konkrete Dekarbonisierungsmassnahmen nicht nur geplant, sondern auch bereits in die Wege geleitet. Schon heute nutze das Unternehmen in seinen Produktionsprozessen nur wenig Erdgas, wie Caruso ausführt. «Im letzten Jahr wurden gerade mal zwei Prozent des Erdgasverbrauchs für Produktionsprozesse verwendet. Der Rest wird für die Bereitstellung von Wärme verwendet», so Caruso. «Unsere Produktion ist also hauptsächlich von Strom abhängig. Hier liegt die Herausforderung darin, die Produktionsprozesse möglichst energieeffizient zu gestalten.»

Zurzeit umfasst der Gebäudepark von Cendres+Métaux noch zwei Gaskessel, die fossil heizen. Diese sollen allerdings voraussichtlich im Jahr 2027 durch eine neue zentrale Wärme- und Kälteproduktion ersetzt werden. Dadurch erhofft sich das Unternehmen Einsparungen von rund 21 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. «Derzeit kühlen wir einen Teil der Produktionsmaschinen über separate Kühlsysteme, die wiederum Wärme an den Raum abgeben. Dieser Raum muss anschliessend durch die Lüftungsanlage wieder gekühlt werden, was ineffizient ist», erklärt Caruso. «Wir befinden uns in der Phase der Erneuerung unseres Maschinenparks. Im Rahmen dieser Erneuerung planen wir ein neues Maschinenkühlnetzwerk. Die Maschinen werden mit Grundwasser effizient gekühlt, und die Abwärme des Maschinenparks wird zur Beheizung genutzt.» Diese Massnahme sei auch wichtig, um die Gesundheit der Mitarbeitenden während längeren Hitzeperioden im Sommer zu schützen, in denen die Temperaturen in der Produktion schnell über 30 Grad Celsius klettern können.

Grosses Einsparpotenzial durch Steueroptimierung einer Wärmepumpe

Um seine Wärme- und Kälteproduktion zu zentralisieren, will das Unternehmen drei 600-kW-Wärmepumpen installieren. Diese sind dann für die gesamte Kälte- und Wärmeproduktion auf dem Areal verantwortlich. «Mittelfristig bietet eine neue zentrale Wärme- und Kälteproduktion mit einer Umstellung auf das natürliche Kältemittel Ammoniak das grösste Potenzial zur Dekarbonisierung», so Caruso. Eine weitere Massnahme bis 2030 für die direkten Emissionen bietet die Elektrifizierung der eigenen Fahrzeugflotte.

Bereits umgesetzt ist die Steueroptimierung einer Wärmepumpe. Bei einer Aussentemperatur zwischen null und fünf Grad Celsius kann die Wärmepumpe den Wärmebedarf nun ohne den Bezug von Erdgas decken. Unter null Grad Celsius kommt die Gasheizung noch immer zum Einsatz. Raffaele Caruso bezeichnet die Optimierung als grössten Hebel in der Reduktion der CO2-Intensität im vergangenen Jahr. «Die Steueroptimierung hat das Potenzial, jährlich 42.2 Tonnen CO2-Äquivalente einzusparen», sagt Caruso.

Mitarbeitende ziehen mit

Zusätzlich hat Cendres+Métaux im letzten Jahr eine Photovoltaikanlage auf Teilen seiner Produktionsdächer installieren lassen. Diese produzierte in den sieben Monaten nach Inbetriebnahme 141 MWh Strom. Sie war im Bereich Steigerung der Energieeffizienz die bisher kostspieligste Massnahme. Überhaupt ist der Stromverbrauch bei Cendres+Métaux immens. Da dieser von Wasserkraftwerken in der Schweiz geliefert wird, fällt er bei den CO2-Emissionen im Scope 2 zwar nicht ins Gewicht. Betrachtet man jedoch die klimarelevanten Emissionen auf Stufe Scope 3, sind diese durchaus wichtig, da der Bau der Wasserkraftwerke hohe Emissionen verursacht hat. Auch der Methanausstoss ist bei Stehendgewässern wie Stauseen auf Stufe Scope 3 relevant. Auf diese Emissionen hat Cendres+Métaux selbstredend keinen Einfluss.

Das Bieler Unternehmen unternimmt also viel, um energieeffizienter und emissionsärmer zu werden. Wichtig ist es auch, die Mitarbeitenden an Bord zu haben. «Viele sind stolz darauf bei einem umweltbewussten Unternehmen zu arbeiten», so Caruso. Bisherige Reduktionsmassnahmen wurden positiv aufgenommen. «Die meisten wissen um die Bedeutung von Klimaschutz und Energieeffizienz und sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen.»

Vorwort

ERFOLGSSTORY:
Zielvereinbarungs-System

Die Grundidee hat sich seit Jahren bewährt: Unternehmen, die verbindliche Ziele vereinbaren, um ihren Energieverbrauch zu reduzieren, können die CO2-Lenkungsabgabe zurückfordern. Ihre Nachhaltigkeitsmassnahmen lohnen sich also doppelt: durch die Rückerstattung der Abgabe und durch tiefere Energiekosten, welche durch die Realisierung der Massnahmen entstehen.

Das Zielvereinbarungs-System ist eine Win-Win-Erfolgsgeschichte. Es schafft den Spagat, dass die welthöchste CO2-Abgabe nicht zum Wettbewerbs­nachteil wird, aber gleichzeitig profitiert die Umwelt, weil Unternehmen mit einer Zielvereinbarung mehr CO2 einsparen als vereinbart. Weil die Investitionen in den Umweltschutz sich schliesslich auch für die Unternehmen auszahlen, setzt das Zielvereinbarungs-System die richtigen Anreize zur CO2-Absenkung.

Der ökologische Erfolgsausweis des Zielvereinbarungs-Systems ist beeindruckend: In der ersten Periode konnten allein durch die EnAW-Unternehmen 1.3 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden (Absenkpfad von 34 Prozentpunkten). In der zweiten Periode bis heute waren es nochmals 818 537 Tonnen CO2 (Absenkpfad von 18 Prozentpunkten). Die vom Bund vorgegebenen Ziele wurden in beiden Perioden übertroffen.

Eine CO2-Tonne wird über diese Anreizwirkungen für die betroffenen Unternehmen zudem viel effizienter eingespart, als wenn die Politik über allgemeine Subventionen im Giesskannen­prinzip den CO2-Ausstoss reduzieren will. Bei Förder­programmen können Mitnahme­effekte auftreten, falls sie nicht auf die Gegebenheiten im Einzelfall Rücksicht nehmen. Beim Zielvereinbarungs-System hingegen wird vor Ort entschieden, welche Massnahmen für eine Unternehmung am besten sind, um eine CO2-Tonne möglichst kostensparend reduzieren zu können.

Ohne ein Zielvereinbarungs-System wären energieintensivere Unternehmen in der Schweiz nicht mehr international konkurrenzfähig. Wenn Produktions­stätten durch das Wegfallen der CO2-Lenkungsabgabebefreiung schliessen oder ins Ausland verschoben werden müssten, dient das vielleicht dem CO2-Ziel der Schweiz, aber (bei gleichbleibendem Konsum) sicherlich nicht dem Klima. Denn die Güter würden anderswo produziert werden – unter wahrscheinlich weniger günstigen Bedingungen für die Umwelt. Auch haben viele energieintensive Unternehmen eine wichtige Recycling-Funktion in der Schweiz. Der Transport des Recycling-Materials ins Ausland und der Rücktransport der Fertigprodukte in die Schweiz ergäben ökologisch wie ökonomisch wenig Sinn. Grundsätzlich sind energieeffiziente, kurze und geschlossene Kreisläufe anzustreben.

Das neue CO2-Gesetz (gültig ab 01.01.2025) gibt nun ein ambitiöseres Ziel vor: die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 möglichst ganz zu vermeiden. Mit den beiden ergänzenden EnAW-Angeboten für die Unternehmen, «Roadmap zur Dekarbonisierung» und «Ressourceneffizienz», stellen wir uns von der EnAW gerne auch dieser Herausforderung. Das Zielvereinbarungs-System bleibt für die Unternehmen als Einstieg, um ihre Energieeffizienz zu steigern und ihre CO2-Emissionen zu reduzieren, aber unabdingbar.

Rudolf Minsch

Präsident

Frank R. Ruepp

Geschäftsführer

Die wichtigsten Zahlen in Kürze

ANZAHL TEILNEHMER PER ENDE JAHR20222023
Energie-Modell34953567
KMU-Modell11201112
Transportprogramm5474
Monitoring Dritte1111
Total46804764
  
Roadmap zur Dekarbonisierung2337
Ressourceneffizienz36

CO2 (Tonnen)Strom (MWh)Gesamtenergie
(MWh)
Geld (CHF*)
KUMULIERTE MASSNAHMENWIRKUNG SEIT 2013, PER 2023
Energie-Modell773 1801 920 5594 666 405908 000 000
KMU-Modell45 357151 155337 38767 000 000
Total818 5372 071 7145 003 792975 000 000
EINSPARUNG DURCH IM JAHR 2023 REALISIERTE MASSNAHMEN
Energie-Modell25 384172 753341 28565 000 000
KMU-Modell1 17712 34216 2833 000 000
Total26 561185 095357 56868 000 000
ENERGIEVERBRAUCH UND CO2-EMISSIONEN 2023
Energie-Modell3 444 38913 282 89032 511 246 
KMU-Modell159 9301 165 8362 032 348 
Total3 604 31914 448 72634 543 594 

* Es wird von durchschnittlichen Energiekosten von 20 Rappen pro Kilowattstunde ausgegangen (ohne Ökostrom). Aufgrund der steigenden Preise sind die Ersparnisse noch höher.