Ein Zürcher Start-up und ein Mineralwasserhersteller aus den Bündner Bergen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sie wollen die Welt mit Pioniergeist und Innovationskraft ein bisschen besser machen.
Daniel Egger (l.) und Patrick Wittweiler sind eingespielte Kooperationspartner.
Sie sind in aller Munde. Ob bei der EnAW-Fachtagung, im amerikanischen Fernsehen, in den Schweizer Medien oder bei Galileo – die ganze Welt schaut auf die kleine Gemeinde Hinwil im Zürcher Oberland. Der Grund dafür? Ein Zürcher Start-up, das sich nicht weniger vorgenommen hat, als dem Klimawandel den Kampf anzusagen. «Das waren zwei Spinner, die in einem Labor etwas ausprobiert haben», schmunzelt Daniel Egger. Der Ingenieur ist verantwortlich für das Marketing und den Verkauf und stolz auf den Werdegang von Climeworks. Die Rede ist von Christoph Gebald und Jan Wurzbacher, die sich in ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich mit der sogenannten Direct Air Capture (DAC)-Technologie befasst haben. Mit dieser Technologie kann CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist aber Realität: Die erste kommerzielle DAC-Anlage wurde im Mai 2017 in Hinwil von Climeworks in Betrieb genommen.
Schon von Weitem sieht man die Kollektoren auf dem Dach der Kehrichtverbrennungsanlage (KEZO) in Hinwil. Anlagen wie diese gibt es mittlerweile 14. Sie sei aber die Grösste und als erste kommerzielle Anlage für die DAC-Technologie auch die Älteste. «In den Kollektoren befinden sich chemische Filter, die das CO2 einfangen», erklärt Egger. Genau in diesem Filter liege die innovative Technologie von Climeworks. «Obwohl immer über eine sehr hohe CO2-Konzentration in der Luft gesprochen wird, existiert auf 2500 Luftteile gerade Mal ein einziges CO2-Teil. Die Kunst liegt darin, genau dieses eine Teilchen über unsere Filter herauszuziehen.» Drei Stunden dauert es, bis der Filter gesättigt ist. Anschliessend wird das reine CO2 mit Wärme vom Filter gelöst, verflüssigt und so transportfähig gemacht. Moment – gesättigte Filter? Mit Wärme? Transportfähig? Das hört sich nicht gerade nachhaltig an. Ist es aber. Das Prinzip ist so einzigartig wie genial: Mit der Abwärme der KEZO, also mit überschüssiger Energie, wird der Strom erzeugt, der die Ventilatoren antreibt, um das reine CO2 daraus zu lösen. Diese Filter können wieder und wieder verwendet werden. Danach gelangt das CO2 über unterirdische Leitungen in das nahegelegene Gewächshaus der Gebrüder Meier Gemüsekulturen AG, die ihre Gewächshäuser ebenfalls mit der Abwärme der KEZO heizen. Warum diese reines CO2 aus der Luft brauchen? Damit ihre Spezialitäten wie Nüsslisalat oder Snack- Gurken um ganze 20 Prozent schneller wachsen. Aber die Gewächshäuser sollten nicht die einzigen Abnehmer für das CO2 aus der Luft bleiben: Schon bei den Feierlichkeiten zum Start dieses Projekts waren Vertreter von Coca-Cola geladen.
Patrick Wittweiler, der Sustainability Manager der Coca-Cola HBC Schweiz AG, war nach einem Treffen mit den Gründern von Climeworks bereits 2011 hellauf von deren Vision begeistert. Was, wenn die Kohlensäure für das berühmte VALSER Mineralwasser tatsächlich aus der Luft gezogen werden könnte? «Unsere Branche ist weltweit diejenige mit dem grössten Bedarf an CO2. Es ist einer unserer Hauptrohstoffe», so Wittweiler. «Deshalb liegt die Messlatte in Sachen Qualität und die damit verbundene Skepsis der Stakeholder extrem hoch.» Zu Beginn des Projekts musste Wittweiler viel Überzeugungsarbeit leisten. Nur wenige hielten es für realisierbar, CO2 aus der Luft ins Getränk zu befördern. Nach zahlreichen Gesprächen, aktiver Überzeugungsarbeit, steigender Reputation von Climeworks und der kommerziellen Zulassung der Technologie kam er 2017 endlich: der lang ersehnte «Go»-Entscheid. Nicht nur für Wittweiler war dieser Schritt ein Erfolg. Auch Egger weiss: «Es braucht immer Vorreiter wie Coca-Cola, die das Know-how und die Kapazitäten haben, ein solches Projekt zu stemmen und so den ersten Schritt machen. Diese Zusammenarbeit ist für uns sehr wertvoll.»
Nach dem Entscheid ging die Arbeit für die beiden Pioniere weiter. Es galt, konkret an der Umsetzung zu arbeiten, die operativen Prozesse zu definieren, Zertifizierungen, Freigaben und Auditierungen erfolgreich über die Bühne zu bringen. Am 8. Februar 2019 war es dann soweit: Der erste Lastwagen mit reinem CO2 erreichte das malerische Valsertal und den Abfüllbetrieb von VALSER. Bis das CO2 aber als Kohlensäure in die berühmten grünen Flaschen kommt, hat das natürliche Mineralwasser bereits eine lange Reise hinter sich. VALSER Mineralwasser sickert mindestens 25 Jahre durch den Berg, bis es natürlich gefiltert und mit Mineralien angereichert aus der Quelle sprudelt. Pro Minute sind das bis zu 1000 Liter. In dem Moment ist es noch eisenhaltig und wird daher anschliessend durch einen Sandfilter geleitet, vom Eisen befreit und gelangt dann als Reinwasser in die grossen Tanks zur späteren Abfüllung. Laufende Überwachungen und Proben sichern die Qualität. Dabei werden neben den schweizerischen Gesetzesrichtlinien die noch strengeren Regeln von Coca-Cola berücksichtigt. So auch bei der Anlieferung des CO2 aus Hinwil. «Wenn unser CO2 die umfassenden Qualitätsstandards von Coca-Cola erfüllt, eignet es sich für potenzielle Abnehmer aus anderen Branchen erst recht», weiss Egger. Denn erst nachdem eine Probe der Lieferung strengstens im Labor untersucht und freigegeben wurde, darf es im flüssigen Zustand in den Tank vor dem Hauptgebäude geleitet werden. In einem Verdampfer wird das VALSER Wasser mit Kohlensäure aus der Luft karbonisiert, abgefüllt, verpackt und vertrieben.
Aber was treibt ein Unternehmen wie VALSER, beziehungsweise Coca-Cola HBC, eigentlich an, eine solche Zusammenarbeit einzugehen? Ist es das Geld? «Das als Letztes!», versichert Wittweiler. «Finanziell lohnt sich das Ganze bisher nicht. Es ist teurer, aufwendiger und zeitintensiver.» Was also dann? Es sei unter anderem der Glaube an eine Technologie, die unsere Welt weiterbringen könne. Auch nehme Coca-Cola als weltweit bekannte Marke mit solchen Projekten ihre Verantwortung als Vorreiterin wahr. Trotzdem: Wittweiler ist überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit langfristig immer rechnet. Auch deshalb nimmt Coca-Cola HBC seit 2003 am Energie-Management der EnAW teil. VALSER selbst hat 2015 in enger Zusammenarbeit mit EnAW-Berater Othmar Arnold eine verbindliche Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Die Produktion in Vals ist energieintensiv. Besonders die thermischen Bereiche fallen dabei ins Gewicht. Dazu gehört beispielsweise die Waschmaschine, welche die gebrauchten Glasflaschen gründlich und heiss reinigt, bevor diese erneut mit frischem Mineralwasser gefüllt werden. Die mit der EnAW gemeinsam formulierten Massnahmen sind vielseitig und reichen von Rohrisolationen bis zur Abwärmenutzung zum Heizen der Räumlichkeiten. Auch eine Holzschnitzelheizung mit Fernwärme ist in Planung. «Mit Othmar Arnold und der EnAW haben wir einen verlässlichen Sparringpartner, der uns bei der Umsetzung der vereinbarten Ziele tatkräftig unterstützt», sagt Wittweiler. Das Projekt mit Climeworks sei allerdings nicht Teil der Zielvereinbarung. «Das machen wir aus Überzeugung!»
Apropos Zukunft – wie geht es nach dem erfolgreichen Start mit Coca-Cola HBC eigentlich für Climeworks weiter? «Die Wissenschaft ist sich mittlerweile einig, dass die DAC-Technologie eine der Schlüsseltechnologien sein wird, um den Klimawandel aufzuhalten», so Egger. Das, weil sie industriell skalierbar sei. Egger gibt zu: «Im Moment sind wir noch weit davon entfernt. Wir saugen in Hinwil pro Jahr etwa 1000 Tonnen CO2 aus der Luft.» Das mache noch keinen weltweiten Unterschied. Ziel sei es aber, die Technologie so zu skalieren, dass sie einen Unterschied macht. Und daran glauben neben den 85 Mitarbeitenden von Climeworks auch zahlreiche Förderinstitutionen, Investoren und die Medien. Hand aufs Herz: bei so viel Medienpräsenz und Vertrauen der Investoren – ist das ein Druck oder eher ein Ansporn? «Natürlich erzeugen die Erwartungshaltungen einen gewissen Druck. Aber das spornt uns auch extrem an. Die Leute beginnen uns zu verstehen und schätzen unsere Arbeit sehr. Das macht uns stolz», so Egger. Die Vision von Climeworks ist es, bis 2025 ein Prozent der jährlichen, globalen CO2-Emissionen aus der Luft zu filtern. «Dafür ist die Zusammenarbeit mit der Getränkebranche Gold wert», so Egger. Der Getränkemarkt werde eine Schlüsselrolle spielen, um eine Technologie weiterzuentwickeln, die dem Klimawandel entgegenwirke. Eine lange, zeitintensive Reise, die Wittweiler und Egger gemeinsam weitergehen werden.
Ganz in der Nähe der hellen Fabrikhallen fliesst die Aare. Wegen der Nähe zum Fluss liegt der Grundwasserspiegel hier nur wenige Meter unter der Erde. Das macht sich die Schenker Storen AG zunutze und heizt ihre Gebäude mithilfe moderner Grundwasser-Wärmepumpen – ein Nachhaltigkeitsprojekt par excellence.
Mithilfe von Pulverbeschichtung werden Aluminiumstoren nach Wunsch in vielen Farben beschichtet.
Einige Meter weiter hinten schlängelt sich der Fluss in Richtung Aarau. Dahinter ist der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen zu erkennen. An einer kleinen Aareschlaufe im solothurnischen Schönenwerd liegen die Gebäude der Schenker Storen AG. Von aussen ist nur schwer zu erraten, an was in den Produktionshallen gewerkt wird, der Name aber lässt keine Zweifel. In der Schweiz ist die Firma eine feste Grösse: Jeder dritte Neubau enthält Produkte aus dem Hause Schenker Storen. Das Unternehmen vertreibt Lamellenstoren, Markisen, Pergolas, Klapp- und Schiebestoren und immer häufiger auch Steuerungssysteme für ein elektronisch gelenktes Zuhause. Im Showroom können sämtliche Produkte angeschaut und angefasst werden: Massanfertigungen in jeder erdenklichen Farbe, Insektenschutzrollos oder Lamellenstoren, die sich innert Sekunden automatisch hochziehen. Solche Systeme sollen den Menschen einerseits das Leben vereinfachen, andererseits zielen sie auf eine effizientere Energienutzung ab. Werden Storen systematisch eingesetzt, um im Sommer Sonnenlicht abzuhalten oder es im Winter einzulassen, verbessert das das Raumklima. Gleichzeitig wird Energie gespart, weil man weniger heizen oder kühlen muss. «Unsere Produkte sind also ökologisch», sagt Helmut Jehle, CEO der Schenker Storen AG: «Da liegt es in der Natur der Sache, dass wir auch im Betrieb nachhaltig und verantwortungsbewusst wirtschaften.»
Die Bemühungen um eine nachhaltige und energieeffiziente Produktion erkennt auch Patrick Fehlmann. Zusammen mit EnAW-Berater Daniel Meier berät er die Schenker Storen AG seit 2003 in deren Energie-Management: «Sie denken sehr langfristig und haben ihre Energie- und CO2-Bilanz während der letzten Jahre ständig verbessert.» Dieses Vorgehen entspricht der Zielvereinbarung zur Erreichung der Klimaziele, welche die Firma mithilfe der EnAW mit dem Bund abgeschlossen hat. Mit dem Neubau des Bürogebäudes wurde 2012 die erste Wärmepumpe in Betrieb genommen. Der günstigen Lage im Aaregebiet wegen entschied man sich für eine Grundwasser-Wärmepumpe. Dirk Gebauer ist verantwortlich für das Qualitätsmanagement im Unternehmen. Dazu gehört auch, die Produktion möglichst energieeffizient zu halten. «Das Grundwasser ist hier ganz nah, die Bohrungen sind nicht einmal zehn Meter tief», erklärt er. Das Wasser wird bei zwölf Grad Celsius abgepumpt und mit acht Grad Celsius wieder zurückgeführt. Dieser Unterschied reicht aus, um die Gebäude im Winter zu heizen. Im Sommer wird das Grundwasser zum Kühlen benutzt.
Wer Grundwasser nutzen möchte, muss eine Konzession lösen, welche die Menge des erlaubten Nutzungsvolumens regelt. Um noch stärker von fossilen Brennstoffen wegzukommen, seien weitere Lösungen diskutiert worden, erinnert sich Energieberater Fehlmann. Die Grundwasser-Konzession war nach dem Bau der ersten Wärmepumpe noch nicht ausgeschöpft und Versuche hatten ergeben, dass tatsächlich noch genug Wasser vorhanden war. Eine zweite Wärmepumpe wurde an den bestehenden Brunnen angehängt und 2018 eingeweiht. Gebauer führt aus: «Heute heizen wir sämtliche Gebäude hier am Standort mit Energie aus dem Grundwasser.» Seitdem die Wärmepumpe läuft, ist der Erdgasverbrauch um 54 Prozent zurückgegangen – und das bei steigender Produktion. Die Firma spart so jährliche Energiekosten im Wert von 20 000 Franken. Zwar steckt dahinter keine geringe Investition, aber CEO Jehle relativiert: «Natürlich müssen solche Massnahmen wirtschaftlich sein, aber hier sind wir durchaus bereit, längere Payback-Zeiten in Kauf zu nehmen.» Die Investition beeinflusst auch den CO2-Ausstoss der Firma: Die Emissionsziele aus der Zielvereinbarung werden jedes Jahr übertroffen.
Bei der Schenker Storen AG ist die Verbesserung der eigenen Nachhaltigkeit ein ständiges Thema. Die Beratung helfe dabei enorm, meint Gebauer: «Ohne die EnAW wäre unser Job schwieriger. Das sind Experten, die nochmals einen ganz anderen Blick auf das Ganze werfen.» Das rege viele Ideen an und sei sehr bereichernd. Im Gegenzug profitiert auch die EnAW von den umgesetzten Massnahmen: Das Vorzeigeprojekt in Schönenwerd könnte auch andere Unternehmen inspirieren. Solche Anschauungsbeispiele seien für die EnAW sehr nützlich, sagt Meier, «die gemachten Erfahrungen können wir dann andernorts weitergeben». Die Zukunft wird weitere Herausforderungen bringen, bei der Schenker Storen AG ist man mit der EnAW an der Seite aber gut dafür aufgestellt.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Schenker Storen AG hat über die EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und sich dazu verpflichtet, ihre Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken.
Mit einer neuen Grundwasser-Wärmepumpe konnte der Erdgasverbrauch für die Gebäudeheizung um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesenkt werden.
Dank der Zusammenarbeit mit der EnAW hat das Unternehmen seine Energieeffizienz und die CO2-Bilanz kontinuierlich verbessert und die vereinbarten Ziele bereits erreicht.
Die Bystronic bietet hochwertige Systemlösungen für die Blech- und Rohrbearbeitung an – hauseigene Betriebssysteme und innovative Technologien inklusive. Doch die Produktion der Maschinensysteme ist stromintensiv. Visionäres Denken ist deshalb auch im Energie-Management gefragt. Unterstützt und betreut wird die Bystronic in Niederönz dabei von der EnAW.
Blick in die Fertigung der Laserschneidanlagen in Niederönz. Bystronic setzt hier auf moderne Lean-Montage.
Schneiden und Biegen von Metall. Was sich im ersten Moment vielleicht nach viel Muskelkraft anhört, wird durch Schweizer Präzision und höchste Ingenieurskunst im Bereich des Maschinenbaus möglich gemacht. Als ein weltweit führender Anbieter hochwertiger Systemlösungen für die Blech- und Rohrbearbeitung bietet die Bystronic aber mehr an als nur Maschinen, die Bleche schneiden oder biegen. Von Laserschneid- und Biegesystemen, über ausgeklügelte Software- und Automationslösungen bis hin zu lebenslangen Kundenservices – die Bystronic produziert und vertreibt alle erforderlichen Systemkomponenten sowie die Tools zu deren Integration im Bereich der Blechbearbeitung. Am Standort in Italien werden zudem Laserschneidanlagen zur Profil- und Rohrbearbeitung hergestellt. Kurzum: Das Portfolio des Systemherstellers lässt sich sehen – und vor allem kombinieren. Denn im Fokus liegt die Automation des gesamten Material- und Datenflusses der Prozesskette «Schneiden und Biegen». Und das mit dem Ziel, dem Kunden stets die für ihn passende Lösung zu liefern – die «Best Choice» eben.
Ein feiner, unsichtbarer Lichtstrahl. Das ist alles was es braucht, um Metall zu schneiden. Wir befinden uns am Hauptsitz der heute weltweit tätigen Bystronic Gruppe im bernischen Niederönz. Es schaut schon fast unspektakulär aus, wenn man den blitzschnellen Anlagen bei ihren Schneidtouren zuschaut – als wäre das Metall ein Stück Butter. Doch die Produktion der Maschinensysteme mache sich am Standort in Niederönz im Stromverbrauch bemerkbar, weiss der Leiter Facility Management Daniel Broder. Er ist seit über 20 Jahren für die Instandhaltung aller Gebäude, das Energie-Management und das Wohl der rund 730 Mitarbeitenden in Niederönz verantwortlich. «Wir verbrauchen hier eineinhalbmal so viel Strom wie die gesamte Gemeinde Niederönz», so der gelernte Maschinenmechaniker. «Deshalb versuchen wir, so nachhaltig und energetisch sauber zu wirtschaften, wie es möglich ist.» Einfacher gesagt, als getan. Denn gerade der internationale Kundenstamm sei gemäss Broder noch nicht immer bereit, den Aufpreis für die Nachhaltigkeit zu bezahlen. Dreht man in Niederönz in Sachen Effizienzsteigerung deshalb Däumchen? Mitnichten. Denn Nachhaltigkeit kann sich auch rechnen.
So heizt die beim Laserschneidprozess anfallende Abwärme im Winter das Bürogebäude sowie die Montagehalle. Das Druckluft-Management-System maximiert die Energieeffizienz bei der Drucklufterzeugung und ein Grossteil der Beleuchtung wurde auf LED umgerüstet. Ein Grossprojekt, das momentan alle beschäftige, ist aber ein anderes: Die alte Fertigungshalle aus den 1980er-Jahren genügt den Isolations- und Fertigungsansprüchen nicht mehr und muss komplett saniert werden. Die Schwierigkeit: Alles unter ein Dach zu bringen – im wahrsten Sinne des Wortes. Für den Betrieb kam es nicht infrage, die Produktion für die Sanierungsphase komplett einzustellen. Die Lösung? Eine neue Gebäudehülle über die alte Halle «stülpen» und Letztere fortlaufend, während mehrheitlich laufendem Betrieb rückbauen. «In diesem Schritt rüsten wir das Gebäude komplett mit einer LED-Beleuchtung aus», ergänzt Broder, der bereits die Kundenlounge, die Büroräumlichkeiten und die Produktionshallen auf neuste LED-Technik umgerüstet hat. Während die zuvor angebrachten FL-Röhrenlampen regelmässig instandgehalten werden mussten, produzieren die LED-Lichter praktisch keinen Abfall, erleichtern den Unterhalt und brauchen viel weniger Strom. «Und dies ohne Einbussen bei der Lichtqualität», sagt er. Eine Rechnung, die nicht zuletzt dank der EnAW aufgeht.
Es war EnAW-Berater Stefan Krummenacher, der die Bystronic auf die möglichen Fördermittel von EFFIZIENZ+ aufmerksam gemacht hat. Ohne diesen finanziellen Zuschuss und die Unterstützung von Krummenacher wäre die Umrüstung auf LED in der grossen Halle schwieriger realisierbar gewesen. «Uns fehlen schlicht die zeitlichen und fachlichen Ressourcen», so Broder. Dank der Unterstützung und dem Know-how des EnAW-Beraters können sich die Mitarbeitenden in Niederönz auf ihr Kerngeschäft fokussieren und gleichzeitig mit vernünftigem Aufwand die Energieeffizienz steigern. Vernünftig soll aber nicht nur der Aufwand sein: «Die Wirtschaftlichkeit der Massnahmen ist bei uns sehr wichtig», meint Broder. Auch deshalb sei die Zusammenarbeit mit der EnAW Gold – oder besser gesagt – Geld wert. Wie diese zustande kam? Mit dem Aufkommen des Grossverbraucherartikels habe man sich «auf die Suche nach einem Ehepartner» gemacht und diesen in der EnAW gefunden, erinnert er sich. Der Ehevertrag: die in Zusammenarbeit mit der EnAW abgeschlossene Zielvereinbarung mit dem Bund. Das jährlich stattfindende Monitoring sorgt dafür, dass diese eingehalten wird und der Betrieb auch in Zukunft auf Kurs bleibt.
Apropos Zukunft: Das langfristige gemeinsame Ziel sei nun, das restliche Areal auch noch auf die energieeffizienten LED-Lampen umzustellen. «Da unsere Gebäude sehr gross sind, bedingt das hohe Investitionen», sagt Broder. Deshalb wird in Niederönz die Energieeffizienz Schritt für Schritt gesteigert. Rom sei auch nicht an einem Tag entstanden. Der grosse Vorteil: «Im Gegensatz zu den alten Römern können wir auf die Unterstützung der EnAW zählen.» Laut EnAW-Berater Krummenacher ist sicher: Mit der neuen Produktionshalle breche für die Bystronic eine neue Ära der Energieeffizienz an.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Bystronic rüstet metallverarbeitende Kunden mit Komplettlösungen für das Laserschneiden, Biegen und Automatisieren aus.
Die Herstellung von Maschinensystemen am Fertigungsstandort im bernischen Niederönz ist eine stromintensive Angelegenheit.
In Zusammenarbeit mit der EnAW hat der Entwicklungs- und Produktionsstandort in Niederönz deshalb eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und sich zur Energieeffizienzsteigerung verpflichtet.
Das neuste Projekt: Die Fertigungshalle 1 bei laufendem Betrieb komplett sanieren.
«Nachhaltigkeit» hat bei der Chocolats Camille Bloch SA, deren Schokoladenspezialitäten sich seit den 1940er-Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreuen, viele Gesichter: Lokales Holz wird über eine Fernheizung verwendet, der Heizölverbrauch beträgt gegenüber früher nur noch einen Viertel, vom Strom sind bereits zehn Prozent Solarstrom – der Rest stammt aus Wasserkraft – und Kälte wird aus der Umgebung bezogen.
Von der Isolation der ersten Gebäude bis zu den energetischen Anforderungen an die 2017 eingeweihten Gebäude: Fast der gesamte Standort von Camille Bloch entspricht den Minergie-Normen.
Das im Jahr 1942 erfundene und bis heute berühmte Ragusa, die 1948 lancierte Torino-Produktlinie oder die mit Likör gefüllten Schokoladen – als fünftgrösste Schweizer Schokoladenherstellerin produziert die Chocolats Camille Bloch SA jährlich rund 3500 Tonnen Schokolade. Die Schokoladenfabrik wurde 1929 in Bern gegründet, zog 1935 nach Courtelary (BE) in eine alte Papierfabrik in der Nähe des Flüsschens Suze im Berner Jura um und beschäftigt heute rund 200 Mitarbeitende. Der Marktanteil in der Schweiz hat sich in weniger als zehn Jahren auf über fünf Prozent verdoppelt. Doch nicht nur Herr und Frau Schweizer mögen die Schokolade aus dem Hause Camille Bloch: 20 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt. Mit der Einweihung der neuen Räumlichkeiten im Jahr 2017 kann die Produktion langfristig verdoppelt werden. Wie das mit der Nachhaltigkeit einhergeht? Problemlos, dank dem Innovationswillen der Traditionsfirma. So veranschaulicht beispielsweise der im Oktober 2017 eingeweihte Erweiterungsbau mit wunderbarem Empfangsbereich für Besucher den Willen zur Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen. Seit 2014 ist die Schokoladenherstellerin Teilnehmerin bei der EnAW. Mit Erfolg: «Die Firma handelt ehrgeizig und rasch und ist offen für Innovationen und Veränderungen», lobt EnAW-Berater Fabrice Marchal.
Wie heisst es so schön – das Auge isst mit. Ein Chocolatier legt deshalb grossen Wert auf die Verpackung seiner Produkte, Camille Bloch auch auf diejenige seiner Anlagen. «Der gesamte Standort entspricht den Minergie – Normen», betont der Leiter Produktion Jean Kernen. Auch im Inneren, entlang der Produktionskette, werden die für die Herstellung von Schokoladenspezialitäten notwendige Wärme und Kälte möglichst effizient eingesetzt. Doch wie kommt die feine Schokolade in die schöne Verpackung? Mit viel Begeisterung und klaren Prozessabläufen. So werden die Kakaobohnen oder Nüsse vor ihrer Verarbeitung geröstet und gemahlen bis eine flüssige Masse entsteht. Trockene Zutaten wie Zucker und Milchpulver werden der Masse beigegeben und alles geknetet. Die daraus entstehende körnige Masse wird zerkleinert und verfeinert. Anschliessend wird die Kakaobutter daruntergemischt und die ganze Masse «conchiert», das heisst bei 60 Grad Celsius während zwölf bis 24 Stunden intensiv vermischt – in Einheiten von drei bis sechs Tonnen. Danach erfolgt die Temperierung mit einem ersten Kühlungsschritt auf 45 Grad Celsius für die Lagerung. Mit der zweiten Abkühlung auf 27 bis 30 Grad Celsius wird die Schokolade in die bekannten Formen gegossen – et voilà!
Und wie sieht es mit der Energie aus? «Unsere Wärme stammt seit 2016 grösstenteils aus einer Fernheizung mit Holz aus der Region, genauer gesagt einer sogenannten Holzschnitzelfeuerung», erzählt Kernen. «Diese wurde 2015 von einem Unternehmer aus Courtelary installiert, der mit Holz aus der Region den Wärmebedarf von Privatpersonen, Institutionen, interessierten Unternehmen und der Gemeinde abdecken wollte.» Eine erfolgreiche win-win-Situation, denn die Camille Bloch wird seither mit erneuerbarer Energie versorgt und die «La Praye Energie SA» hat einen Grossverbraucher gewonnen, der das ganze Jahr über Wärme benötigt. Ausserdem hat eine zufällige Unterhaltung des Unternehmers mit dem Geschäftsführer eines benachbarten Zementwerks, das ebenfalls EnAW-Teilnehmer ist, dazu geführt, dass die Asche aus der Holzfernheizung neu für die Herstellung von Zement verwendet und nicht sinnlos und teuer in einer Deponie gelagert wird. Ein Beispiel für eine mustergültige Verflechtung, die in die Lehrbücher der Industrieökologie gehört.
«Der Einsatz von lokalem Holz hat unseren Heizölverbrauch von 230 000 auf 57 000 Liter pro Jahr sinken lassen – der Ölheizkessel bleibt lediglich zur Sicherheit und Unterstützung erhalten», erklärt der Leiter Infrastruktur Jean-Philippe Simon. Die Energie aus der Holzfernheizung beheizt die Räumlichkeiten und fast alle Systeme, die in die Schokoladenproduktion eingebunden sind. Nur einzelne Heizkörper benötigen noch Strom. Als weitere erneuerbare Quelle erzeugt die auf dem Dach installierte Fotovoltaikanlage jährlich 350 000 Kilowattstunden Strom. Zehn Prozent des Strombedarfs werden nun durch Sonnenenergie abgedeckt. Der Rest der drei Gigawattstunden, die die Fabrik pro Jahr benötigt, stammt ebenfalls aus erneuerbaren Quellen und ist zertifizierter Strom aus Wasserkraft.
Apropos Strom: Der Stromanteil, der für das Rühren der Schokolade verwendet wird, konnte drastisch reduziert werden. Dies dank dem neuen 0.55-kW-Motor mit Zahnradgetriebe, der nur fünf bis zehn Minuten pro Stunde dreht – und das im Vergleich zu den elf 2-kW-Schneckenmotoren, die zuvor ständig laufen mussten. «Gleiches Ergebnis bei 94 Prozent weniger Stromverbrauch», freut sich Simon über ebendiesen Ersatz. Er weist auf weitere Einsparungen beim Druckluftkreislauf hin, die dank angepasster Dimensionierungen, neuer Anlagen und sinnvoller Einsatzzeiten erzielt werden konnten. Die Kehrseite der thermischen Anforderungen, die Kälte, werde ebenfalls teilweise mit Wasserkraft erzeugt. «Die erlaubte Entnahme von 115 000 Kubikmeter Wasser aus dem nahe gelegenen Flüsschen Suze liefert 800 000 thermische Kilowattstunden», erklärt Simon. Seit 2013 werde Kälte zudem auch von einer Free-Cooling-Anlage sowie von Wärmepumpen, die in gewisse Anlagen integriert sind, produziert. Das Brauchwasser, das während der Produktion in Form von kondensiertem Dampf und Wasser aus den Kompressoren des Kältekreislaufs gewonnen wird, wird mit der zurückgewonnenen Wärme erwärmt. «Unsere Bestrebungen betreffen sowohl die Senkung unseres Verbrauchs als auch die Nutzung erneuerbarer Quellen», fasst Kernen zusammen. «Wir machen alles, was vernünftigerweise machbar ist, und sind bereit, etwas mehr zu investieren, um nachhaltige Lösungen einzuführen.»

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Chocolats Camille Bloch SA produziert jährlich rund 3500 Tonnen Schokolade. Das braucht Energie.
Innovation vom Feinsten: Von der Prozesskette über die Gebäudehüllen, die Schweizer Schokoladenherstellerin legt Wert auf ein nachhaltiges und effizientes Energie-Management.
Deshalb hat das Familienunternehmen in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen.
Gesundheit, Schönheit und Energieeffizienz gehen bei der Weleda AG seit der Gründung Hand in Hand – oder besser gesagt Tube in Tube. Wenig erstaunlich also, dass die weltweit führende Herstellerin von Naturkosmetika und anthroposophischer Arzneimittel ihre Energie-Hausaufgaben mehr als nur erledigt. Seit 2012 zählt sie dabei auf die Unterstützung der EnAW.
Tu Gutes und sprich darüber: Die Weleda AG gewährt weiteren EnAW-Teilnehmern am KMU-Frühstück einen Eindruck in die nachhaltige Firmenphilosophie.
Wer kennt sie nicht, die feinriechenden Körperpflegeprodukte der Weleda AG, die hierzulande in fast jeder Apotheke und Drogerie erhältlich sind. Die Auswahl: riesig. Mehr als 1000 Arzneimittel und 120 Naturkosmetika aus über 1000 natürlichen Substanzen schmücken die Produktepalette der weltweit führenden Herstellerin von anthroposophischen Heilmitteln und Naturkosmetik. Und das seit bald 100 Jahren. Als Unternehmen im Dienst der Gesellschaft will Weleda sowohl der Schönheit als auch der Gesundheit von Mensch und Natur etwas Gutes tun. «We dare to care», so das firmeninterne Credo, das den Gründungsimpuls aus dem Jahr 1921 in die Gegenwart übersetzt und zu nachhaltigem Handeln inspiriert.
«Das Wertvollste, das wir hier haben, sind unsere Produkte», weiss der Nachhaltigkeitsmanager der Weleda, Marcel Locher. «Wir arbeiten mit sehr vielen natürlichen Rohstoffen.» Das sei Alleinstellungsmerkmal und Herausforderung zugleich. So liegt der Bioanteil pflanzlicher Rohstoffe, der für die Produktion benötigt wird, bei über 80 Prozent – Tendenz steigend. Gleichzeitig soll auch die Biodiversität erhalten, wenn nicht sogar verbessert werden. Wie das geht? Mit ethischem und wertschöpfendem Wirtschaften sowie hohen Massstäben in Ökologie und Qualität. Die Arzneimittel- und Naturkosmetikherstellung sei zwar per se keine energieintensive Angelegenheit. Dennoch: Ein ganzheitlich vorbildliches Energie-Management bedarf, ähnlich wie die Gesundheit und Schönheit, einer stetigen Pflege.
Was aus ebendieser energetischen Pflege resultiert, veranschaulicht das neue Bürogebäude in Arlesheim besonders eindrücklich. Denn der Neubau entspricht höchsten Effizienz- und Nachhaltigkeitsstandards: Holzelemente aus einheimischem Buchenholz, recycelter Beton, Minergie-Eco, Minergie-P (mit Zertifizierung), eine Fotovoltaikanlage und eine über Erdsonden betriebene Heizung und Kühlung. Und damit nicht genug: Das ältere Gebäude wird mit einer Hackschnitzelheizung beheizt, Erdgas wird direkt kompensiert und Abwärme aus den Kältekompressoren für die Warmwasseraufbereitung genutzt. Ausserdem stammt der Strom für die Produktion an den Standorten Schweiz, Deutschland und Frankreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen.
Als aufmerksamer Oberbefehlshaber über das Thema Abfall liegt es Locher überdies besonders am Herzen, die Abfallwege zu optimieren. Oder auch: Kreislaufschliessen für Fortgeschrittene. So werden Produktionsabfälle, wie beispielsweise Duschgel, abgesaugt, gesammelt und in einer Abwasserreinigungsanlage zu Biogas umgewandelt. Dieses kann dann wiederum für die Strom- und Wärmeproduktion gebraucht werden. Auch Produkte mit kleinen Makeln werden nicht einfach entsorgt, sondern gespendet. «So stellen wir sicher, dass unsere Produkte bei Menschen und nicht im Abfall landen, gleichzeitig vermeiden wir mehrere Tonnen Abfall pro Jahr», konkretisiert Locher. Woher er diese Motivation nehme? Ein effizientes und nachhaltiges Energie- Management sei Teil der Grundwerte, der Verantwortung und des Selbstverständnisses, so der studierte Biologe. Deshalb schloss die Herstellerin von Naturkosmetik und anthroposophischen Arzneimitteln im Jahr 2012 in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund ab. Ein Asset, das die Firma nicht missen möchte. Dank dem Abschluss der Zielvereinbarung spart die Weleda nämlich nicht nur Energie, sondern auch Schweizer Franken. Und gewinnt gleichzeitig an Expertise: «Die kompetente Beratung und Unterstützung von unserem EnAW-Berater Thomas Pesenti ist für uns eine enorme Bereicherung», lobt Locher die Zusammenarbeit.
Andere zu bereichern, das liegt auch in der Natur von Weleda. «Tu Gutes und sprich darüber», so besagt es die Betriebsphilosophie. «Als Teil eines so werteorientierten Unternehmens sehe ich mich als Botschafter für die Nachhaltigkeit», erzählt Locher. Viele Unternehmen bräuchten nur noch einen kleinen Anstoss, wenn es um die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens gehe. Denn auch kleine Massnahmen, wie das Integrieren eines Wärmetauschers bei Duschen oder Solarladestrom für die Velos, erzielen eine Wirkung. Um ebendiese Botschaft mit anderen KMU zu teilen, lud die Weleda im Frühjahr 2019 zum ersten KMU-Frühstück in der Region ein. Das Highlight? Die Führung durch den imposanten Schaugarten, der für Einzelpersonen nicht begehbar ist, und der angeregte Austausch zwischen den gut 30 Gästen.
Genau in diesem Erfahrungsaustausch liege auch die Idee des KMU-Frühstücks, weiss Manuel Ziegler. Der EnAW-Projektleiter organisierte das KMU-Frühstück in Arlesheim gemeinsam mit Kollegin Dominique Schaad. «Mit den Frühstücken bringen wir die Teilnehmer aus dem KMU- Modell der EnAW zusammen, sodass sich diese rund um das Thema Energieeffizienz austauschen und von Erfahrungsberichten profitieren können», so Ziegler. Das gefällt auch Locher. Der Austausch für Industrien im kleinen Rahmen sei schlicht genial: «Gerade bei grossen Anlässen ist es immer etwas schwieriger, aufeinander zuzugehen», so Locher. «Das KMU-Frühstück und die EnAW erweitern den Horizont.»

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Geothermie, Fotovoltaik, geschlossene Kreisläufe. Nachhaltiges Handeln ist bei der Weleda AG seit der Unternehmensgründung in der Firmenphilosophie tief verankert.
Die führende Herstellerin von Naturkosmetika und anthroposophischen Arzneimitteln hat in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und profitiert so von der Rückerstattung der CO2-Abgabe und wertvoller Expertise.
«Tu Gutes und sprich darüber.» Als Gastgeberin des KMU-Frühstücks verwirklicht die Weleda das firmeninterne Credo und inspiriert weitere EnAW-Teilnehmer zu nachhaltigem Handeln.
Das Schweizer Unternehmen Conica AG aus Schaffhausen stellt seit 1977 funktionale Böden her: vom Industrieboden zur Turnhalle über den Wohnungsbau bis zur Leichtathletikbahn. Mit Kunden aus über 70 Ländern sowie Produktions- und Vetriebsstandorten in der Schweiz, Grossbritannien, den USA und China gehört die Conica AG zu den Schwergewichten der Branche. Auch Nachhaltigkeit schreibt das Unternehmen gross. Seit zwei Jahren ist die Conica AG Teilnehmerin am Energie-Management der EnAW. Mit Erfolg.
Bodenhaftung: Die Conica AG aus Schaffhausen spezialisiert sich auf Flooring Solutions und stellt seit 1977 funktionale Böden her.
Beim Boden muss die Chemie stimmen. Und damit ist nicht die Vorliebe für knarrenden Altbauparkett in der romantischen Altstadtwohnung gemeint. Nein, hier ist die Rede von sogenannten Flooring Solutions. Also Systemlösungen für Parkhäuser, Schulen oder fürs Labor. Beim Parkhausboden gilt es die mechanische Belastung zu beachten, um die ganzen Geländewagen abzufedern, bei den Schulen sind Design und Komfort ausschlaggebend. Beim Labor wiederum steht der Schutz vor elektrostatischen Phänomenen im Vordergrund. Kurzum: Jeder Beschichtung geht ein komplexer, innovativer, chemischer Prozess voraus, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Beschichtung abzudecken. Ein Unternehmen, das sich seit über 40 Jahren auf die Herstellung solcher Böden bzw. auf Flooring Solutions spezialisiert, ist die Conica AG aus Schaffhausen.
1977 gegründet, beliefert das Unternehmen mit seinen weltweit 180 Mitarbeitenden Installateure, Bauunternehmungen, Architekten und Hauseigentümer mit Bodenbeschichtungen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Produktion mit sogenannten Polyurethanen und Epoxidharzen, also Kunststoffe und Kunstharze gelegt. Am Standort Schaffhausen produziert die Conica AG mit automatisierter und prozessgesteuerter Fertigungstechnik. Das Geschäft mit den funktionalen Böden ist «ein hart umkämpfter Markt», wie Julio Fadel, Head of Marketing & Communication der Conica AG, sagt. «Wir sind dazu gezwungen, bei unseren Lösungen immer innovativer zu werden», womit auch die permanente interne Abteilung für Forschung und Entwicklung des Unternehmens gemeint ist. «Innovative Produkte müssen nicht nur auf dem neusten Stand der Technik sein», auch der Umweltaspekt gehöre heute dazu, sagt Fadel. Als ISO-90001- und ISO-140001-zertifiziertes Unternehmen legt die Conica AG Wert auf Nachhaltigkeit. Und zwar nicht nur im Sinne der Langlebigkeit ihrer Bodenbeschichtungen, sondern auch in der umweltschonenden, energieeffizienten Herstellung der synthetischen Beläge.
Und hier kommt die EnAW ins Spiel. 2017 hat die Conica AG als Grossverbraucherin in Zusammenarbeit mit EnAW-Berater Martin Steiger eine Zielvereinbarung mit dem Bund unterschrieben. Steiger ist einer von rund 100 Energieberatern der EnAW und hilft der Conica AG laufend, an energietechnischen Stellschrauben zu drehen. Mit der Zielvereinbarung verpflichtet sich das Unternehmen, auf Basis des ermittelten Potenzials, die eigene Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken. In dem gemeinsam erarbeiteten Massnahmenkatalog findet sich eine Vielzahl an wirtschaftlichen Massnahmen, die das Unternehmen seitdem fleissig umsetzt. Denn wo Chemie- und Ingenieurskunst aufeinandertreffen, sind Energiekosten in der Regel hoch. «Die chemische Industrie ist ein Prozesszweig, der viel Energie verbraucht», konstatiert auch André Heppa, Werksleiter der Conica AG in Schaffhausen. «Wir benötigen für chemische Reaktionen vor allem thermische und elektrische Energie.» Und genau hier setzt eine der umgesetzten Energiesparmassnahmen an: Um bei der Produktion zur Herstellung der Beschichtung Energie zu sparen, hat das Unternehmen seine Rezepturen angepasst. «Gewisse Produkte benötigen bei der Herstellung eine Prozesswärme von 70 Grad. Diese haben wir schrittweise auf 50 Grad zu drosseln versucht», erklärt Heppa. Mit Erfolg: Die Conica AG spart allein mit dieser Massnahme jährlich 23 000 Franken an Energiekosten.
Aber auch in anderen Bereichen wird kräftig an der Energiebilanz geschraubt. So wurden beispielsweise Heizleitungen und Lagerhäuser isoliert und Betriebsoptimierungen an den Belüftungen vorgenommen. Auch das Umsatteln der Ölheizung auf Gas hat bedeutende Einsparungen mit sich gebracht: Der Stromverbrauch pro produzierte Tonne Material hat dank der Umsetzung von solchen Massnahmen um rund 20 Prozent abgenommen. Und ja, gemäss Steiger sind die Bodenspezialisten aus Schaffhausen echte Musterschüler in Sachen Energieeffizienz. So setzte das Unternehmen auch Massnahmen um, die gar nicht in der Zielvereinbarung festgelegt wurden. «Wir waren natürlich sofort angefressen von der Idee, weiter Einsparungen zu tätigen», sagt Heppa. Man gehe seither mit offenen Augen durch den Betrieb, sagt der Werksleiter der Conica und muss schmunzeln. «Die EnAW hat uns geholfen, Dinge zu sehen, die wir vorher so gar nicht betrachtet haben.» Zum Beispiel die Abfluftanlage eines Lagerhauses, in dem Lösungsmittel gelagert werden. Aufgrund zu hoher Lösungsmittelkonzentration musste das Lagerhaus regelmässig über ein Zeitschaltprogramm gelüftet werden, wie es die Vorschriften der Feuerpolizei verlangen. Eine neu installierte Abluftanlage hingegen läuft jetzt nur noch, wenn Lösemittelsensoren eine zu hohe Konzentration messen. Und man staunt nicht schlecht: Seit Inbetriebnahme der neuen Anlage Anfang Juni 2017 lief die Abluftanlage kein einziges Mal mehr.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Conica AG entwickelt, produziert und verkauft fugenlose Flooring Solutions für Sportanlagen und Turnhallen, für Industriehallen, Parkhäuser sowie für den Wohnungsbau, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.
1977 in Schaffhausen gegründet, beschäftigt die Conica AG weltweit rund 180 Mitarbeitende – davon 100 in Schaffhausen – und beliefert Kunden in über 70 Ländern.
Der Herstellung der Böden gehen energieintensive, chemische Prozesse voraus. Mithilfe der EnAW und durch spezifische Energieeffizienzmassnahmen senkt das Unternehmen sowohl Energieverbrauch und -kosten.
Die Conica AG spart durch gezielte Massnahmen jährlich 85 000 Franken.
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