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EnAWs kluge Köpfe

Schon stolze 20 Jahre lang begleiten unsere EnAW-Beraterinnen und -Berater die unterschiedlichsten Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen. Wir wollen wissen, wer hinter so viel Ausdauer und Köpfchen steckt.

Othmar Arnold, EnAW-Berater

Sara Willi, EnAW-Beraterin

Sara, du bist nun seit bald einem Jahr EnAW-Beraterin. Was hat dich am Job am meisten überrascht?

S.W.: Gewächshäuser und Gärtnereien waren für mich komplettes Neuland. Eigentlich habe ich noch nicht einmal einen grünen Daumen (lacht). Deshalb hat mich bei den ersten Unternehmensbesuchen vor allem der Modernitätsgrad der Betriebe überrascht. Ob gross oder klein, Familienunternehmen oder Industriebetrieb – der Innovationsgeist und Antrieb in den verschiedenen Unternehmen ist beeindruckend. So hat mir beispielsweise der vertikale Gemüseanbau auf zwei Ebenen in einem Betrieb imponiert.

Wirst du auch ab und zu noch überrascht, Othmar?

O.A.: Zugegeben – der Überraschungseffekt hat nach zahlreichen Besuchen, Monitorings, Gesprächen, Besichtigungen und umgesetzten Massnahmen innerhalb der vergangenen 20 Jahre etwas nachgelassen. Was ich aber damals nicht gedacht hätte und was mich auch mit Stolz erfüllt, ist der Professionalisierungsgrad, den die EnAW erreicht hat. Damit meine ich nicht nur die Kompetenzender Berater, sondern auch die Aufstellung der Organisation der EnAW und die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten. Und was mich besonders freut, ist die gestiegene Akzeptanz für unseren Tätigkeitsbereich.

Früher musste man sich erklären, wenn man sich mit dem Thema Energieeffizienz auseinandergesetzt hat. Heute ist es genau umgekehrt.

Othmar Arnold, EnAW-Berater

Musstest du deinen Job früher also mehr erklären als heute?

O.A.: Auf jeden Fall. Früher musste man sich beispielsweise im Freundeskreis erklären, wenn man sich beruflich mit dem Thema Energieeffizienz auseinandergesetzt hat. Da konnte sich niemand etwas darunter vorstellen. Heute ist es genau umgekehrt und man erhält häufig positives Feedback. Das Gleiche gilt bei der Arbeit selbst. Ein Grossteil unserer Zeit ging früher dafür drauf, die Unternehmen zu überzeugen, am Energie-Management der EnAW mitzumachen und überhaupt etwas in diesem Bereich zu tun. Mit der Rückerstattung der CO2-Abgabe, der ökonomischen Komponente von Effizienzsteigerungen und der allgemeinen öffentlichen Dynamik dieses Themas haben wir natürlich ganz andere Schaffensgrundlagen.

War diese Dynamik eine Motivationsgrund für dich, Sara?

S.W.: Klar, in meiner Generation ist das Thema Nachhaltigkeit natürlich präsenter denn je. Für mich war von Anfang an klar, dass ich etwas Zukunftsorientiertes machen möchte, bei dem ich viel bewirken kann. Was mich aber auch motiviert, ist das Erlernte aus dem Studium endlich in die Praxis umsetzen zu dürfen. Zwar gehe ich ab und zu noch mit einem mulmigen Gefühl zu den Firmenbesuchen. Wenn ich dann aber positive Rückmeldungen vom begleitenden Beratungskollegen und den Kunden bekomme und merke, dass ich inhaltlich immer sattelfester werde, gibt mir das ein gutes Gefühl. Ziel muss es natürlich sein, bald ein Standing wie Othmar zu haben (lacht).

Hast du einen Tipp, wie Sara das am besten schafft?

O.A.: Ich merke, dass das aktive Hinterfragen nach 20 Jahren etwas seltener wird und man sich häufiger auf seine Erfahrungen verlässt. Da hat Saras Generation uns «alten Hasen» sicherlich auch etwas voraus. Aber grundsätzlich gilt: Egal aus welchem Bereich die Betriebe kommen, die wir betreuen – es lohnt sich immer, sich richtig in der Materie einzuarbeiten, sich zu informieren und fortlaufend weiterzubilden. Damit steigt nicht nur der Spassfaktor an der Arbeit, sondern auch die Akzeptanz für die Beratung und der Nutzen für das Unternehmen. Das gilt beispielsweise auch für den Gesetzesdschungel, mit dem wir es zu tun haben.

Blickst du da schon durch, Sara?

S.W.: Schon ganz gut, ja. Die EnAW ist diesbezüglich eine riesige Unterstützung. Wir können uns zu jeder Zeit mit Fragen beim Bereichsleiter oder der Geschäftsstelle melden. Das ist schon eine Art Wohlfühlprogramm.

Apropos Wohlfühlen: Was braucht ihr, um nach einem stressigen EnAW-Tag abzuschalten?

O.A.: Das Wichtigste ist die Familie. Ich bin aber auch gerne in der Natur, fahre Ski und habe im Gegensatz zu Sara tatsächlich einen grünen Daumen (lacht).

S.W.: Das hat sich bei mir auch schon deutlich verbessert! Die selbstgepflanzten Kartoffeln gedeihen sehr gut. Um abzuschalten bin ich zusätzlich auch sehr gerne kreativ. Beim Singen, Heimwerkern oder Basteln zum Beispiel.


SARA WILLI
Ganz neu mit dabei und doch schon mitten drin. Die frischgebackene EnAW-Beraterin und Mitarbeiterin der DM Energieberatung hält einen Bachelor in Energie- und Umwelttechnik und betreut im Rahmen der Gruppe JardinSuisse rund 150 Gärtnereien und Gewächshäuser. Ihre Spezialität: erneuerbare Energien.

OTHMAR ARNOLD
Seit es die EnAW gibt, gehört er dazu. Der Maschinenbauer führt heute das Ingenieurunternehmen Durena und macht als EnAW-Berater unter anderem Unternehmen aus der Getränkebranche energetisch fit. Dass die EnAW-Teilnehmer bestrebt sind, ihre gesteckten Ziele zu erreichen, erfüllt ihn mit Stolz.

WEITERE INFORMATIONEN

Die EnAW gratuliert den SBB zum Watt d’Or in der Kategorie Energietechnologien. Eine selbst entwickelte Lastmanagement-Software ermöglicht, dass die SBB bis 2023 mindestens 70 Megawatt, das entspricht dem Leistungsbedarf von rund 150 000 Haushalten, flexibel steuern und so das Zusammenspiel mit der Stromproduktion optimieren können. Mit dem Watt d’Or würdigt das Bundesamt für Energie das Engagement der Wirtschaft im Energiebereich.

Kontinuität in der Übergangsphase zum neuen CO2-Gesetz: Erich A. Kalbermatter und Thomas Weisskopf übernehmen die Geschäftsführung der EnAW. Die Findungskommission zur Neubesetzung der Geschäftsführung der EnAW hat sich für eine erfahrene Co-Leitung entschieden: Mit Erich A. Kalbermatter und Thomas Weisskopf folgen per 1. Januar 2022 zwei erfahrene Geschäftsleitungsmitglieder auf Jacqueline Jakob.

Mit diesem Entscheid ist in der aktuellen energie- und klimapolitischen Übergangsphase Kontinuität bei den laufenden und neu angestossenen Aktivitäten der EnAW zur Dekarbonisierung der Wirtschaft sichergestellt. Das in den letzten Jahren in die Wege Geleitete soll nun unter der neuen Co-Geschäftsführung von Erich A. Kalbermatter und Thomas Weisskopf interimistisch fortgesetzt werden.

Sowohl Erich A. Kalbermatter wie auch Thomas Weisskopf sind fast seit der Gründung der EnAW vor zwanzig Jahren dabei; zuerst in der Rolle als Bereichsleiter. Seit 2009 gehören beide der Geschäftsleitung der EnAW an. Beide waren somit an den bisherigen Leistungen wie auch an der Entwicklung des erweiterten EnAW-Angebots massgeblich beteiligt.

Ihr Know-how und ihre grosse Erfahrung setzen sie nun ein, um auch dem neuen Portfolio der EnAW zum Erfolg zu verhelfen und die Organisation in die Zukunft zu führen. Dabei wird Thomas Weisskopf schwergewichtig für die Beziehungen mit den externen Anspruchsgruppen der EnAW und den Behörden verantwortlich sein. Der Fokus von Erich A. Kalbermatter richtet sich auf die interne Organisation und die EnAW-Gremien. Unterstützt wird die neue Co-Geschäftsführung von Rochus Burtscher, COO und CFO, der stellvertretender Geschäftsführer bleibt. Die Mitglieder der Findungskommission wünschen Erich A. Kalbermatter und Thomas Weisskopf viel Erfolg in ihrer neuen Funktion.


Kontakt
Rudolf Minsch, Präsident EnAW
076 576 11 22

Vom Klimawandel, neuen Technologien und Lösungsansätzen: Ein Gespräch mit dem Ingenieur und ETH-Professor Lino Guzzella.

Herr Guzzella, der Klimawandel ist eines der komplexesten globalen Probleme, das wir lösen sollten. Welche Konzepte sind Erfolg versprechend?

Auf Ihre Frage gibt es leider keine einfache Antwort. Eine Vielzahl von Handlungen und Veränderungen werden nötig sein, um den Ausstoss von Treibhausgasen spürbar zu reduzieren. Zudem wird sich die Menschheit auch an den Klimawandel anpassen müssen. Wenn es aber ein Leitprinzip gibt, so ist das meiner Meinung nach das Streben nach dem wirtschaftlichen Optimum, denn nur ökonomisch sinnvolle Ansätze werden einen spürbaren Effekt auf das Klima haben.

Sie bezeichneten in den Medien die Erforschung und Entwicklung von klimaschonenden Systemen und Prozessen als den grössten Hebel gegen den Klimawandel. Wie kann Innovation in diesen Bereichen gefördert werden, sodass es rascher vorangeht?

Am Anfang jedes Fortschritts steht die von der Neugier der Menschen getriebene Grundlagenforschung. Diese ist auch hier wichtig, allerdings sind deren Zeitskalen eher ungeeignet, um rasche Lösungen zu finden. Daher sind angewandte Projekte, die das bereits vorhandene Grundlagenwissen nutzen, wichtiger für die Klimafrage. Das Skalieren einer Laboridee zu einem Pilotprojekt und schliesslich zu einer Grossanlage ist eine spannende Ingenieuraufgabe. Hier gibt es zwar Förderinstrumente, aber diese könnten ausgebaut werden. Zentral dabei ist, dass der Ausstoss an Treibhausgasen einen Preis bekommt und dass ein Teil dieser Mittel für die Entwicklung klimaschonender Anlagen eingesetzt wird. Zudem müssen auch die Rahmenbedingungen wie Bewilligungsverfahren, Auflagen, Steuergesetze usw. stimmen.

Die Aufgabe ist gewaltig, aber die Menschheit hat die Fähigkeiten, diese Probleme anzugehen.

Lino Guzzella, Ingenieur und ordentlicher Professor für Thermotronik an der ETH Zürich

Die Schweiz hätte alle Ressourcen, um eine Vorreiterrolle einzunehmen. Warum sind wir bei den neuen Technologien, die den Einsatz fossiler Brennstoffe überflüssig machen, nicht weiter?

Meiner Meinung nach war und ist die Schweiz eine Vorreiterin und ein Kreativitätshort in Sachen umweltschonender Systeme. Das war bereits in den frühen Phasen der Industrialisierung der Fall, wo Schweizer Ingenieure und Unternehmer grosse Beiträge leisteten. Und das ist auch heute noch der Fall. Wenn ich zwei konkrete Beispiele von Spinoffs der ETH nennen darf, dann wären das Climeworks mit deren «direct air capture»-Technologie und die Synhelion mit deren Technologie zur Herstellung von CO2-neutralen Treibstoffen, basierend auf Solarwärme bei sehr hoher Temperatur.

Sehen Sie Bereiche, in denen die klimawandelrelevante Forschung in der Schweiz vernachlässigt worden ist? Was wäre dagegen zu tun?

Man kann nie zu viel Forschen und Entwickeln. In diesem Sinne plädiere ich dafür, dass sich von der ETH bis hin zur Berufsschule Menschen dieser faszinierenden Thematik widmen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich Mittel in Lösungsansätze investieren, die es erlauben, grosse Mengen an Energie – mehrere Terawattstunden – über längere Zeit – mehrere Monate bis Jahre – zu speichern. Besonders der Ausbau der Fotovoltaik wird bei uns dazu führen, dass im Sommer zu viel und im Winter zu wenig elektrische Energie vorhanden ist. Dies auszugleichen und eine stabile Grundlastversorgung sicherzustellen, ist wohl die wichtigste offene Frage in diesem Zusammenhang.

Neue Technologien müssen den Weg in die Wirtschaft finden, damit sie ihre Wirkung entfalten. Wie weit ist der Weg von Ihrer Forschung in die Praxis? Und wie steht es um die Forschungszusammenarbeit mit der Industrie?

Auch hierzu habe ich einen recht positiven Eindruck. Die Hochschulen haben sich in den letzten 20 Jahren stark gegenüber der Industrie geöffnet; mit den Fachhochschulen wurden ausgezeichnete Strukturen genau an dieser Schnittstelle geschaffen und auch der Bund hat massive Mittel investiert – denken Sie an die Spezialprogramme des Nationalfonds und vor allem an die Innosuisse. Wichtig wird es in Zukunft sein, auch die Start-up-Szene verstärkt für Umweltthemen zu gewinnen. Das ist nicht ganz einfach, weil die in diesem Bereich nötigen Investitionen in der Regel sehr viel grösser sind als beispielsweise bei einem digitalen Produkt.

Die EnAW arbeitet konkret mit den Unternehmen an der Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Wäre es sinnvoll, Ihre Forschung mit Know-how der EnAW zu verbinden?

Ich hoffe sehr, dass bereits jetzt ein Austausch zwischen der EnAW, der Industrie und der Akademie stattfindet. Wenn das noch nicht genügend der Fall ist, dann wäre dies ein sinnvolles Anliegen, das es zu fördern gilt.

Wird die Schweiz das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen?

Die Frage ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Frage, ob die Welt dieses Ziel erreichen wird. Die Klimaveränderung ist ein globales Problem und nur wenn die gesamten 55 Gigatonnen an Treibhausgasen, die pro Jahr ausgestossen werden, reduziert werden, können wir die negativen Folgen des Klimawandels mildern. Dabei gilt es, wohlüberlegt und sowohl technisch als auch ökonomisch bestmöglich vorzugehen. Die Aufgabe ist gewaltig, aber die Menschheit hat die Fähigkeiten, diese Probleme anzugehen.


Lino Guzzella ist Ingenieur und ordentlicher Professor für Thermotronik an der ETH Zürich. Der ehemalige Rektor und Präsident der ETH Zürich konzentriert sich in seiner Forschung auf neue Ansätze in der Systemdynamik und in der Regelung von Energiewandlungssystemen.

WEITERE INFORMATIONEN

Im Gespräch mit Max Zürcher, Geschäftsführer der EnAW bis 2009, über die Anfänge einer erfolgreichen Public-Private-Partnership für den Klimaschutz.

Herr Zürcher, Sie haben die EnAW quasi erschaffen und zehn Jahre geführt. Heute ist sie im energie- und klimapolitischen Bereich eine der erfolgreichsten Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Staat und mittlerweile 20 Jahre alt. Zeit, auf die Anfänge zurückzublicken. Woran erinnern Sie sich spontan?

Es war eine interessante, auch beglückende Zeit. Insbesondere, weil wir Neuland begehen mussten und durften. Die Zeit war aber auch, wie immer im Zwischenfeld von Wirtschaft und Politik, etwas aufreibend.

Wissen Sie noch, wie Ihr erster Arbeitstag ausgesehen hat?

Das war Mitte 1999. Genauer gesagt am 1. Juli, ein heisser Sommertag. Ich sass allein in einer Dachkammer an der Zürcher Hegibachstrasse, bestückt nur mit einem Arbeitstisch, einem Telefon und einem PC.

Das hört sich abenteuerlich an…

Ja, ausser dem Auftrag lag fast alles noch im Nebel. Der lautete schlicht: Leitung der zu gründenden Energie-Agentur der Wirtschaft. Die Aufgabe der EnAW sollte es sein, dem Kooperations- und Subsidiaritätsprinzip folgend, das Energie- und das CO2-Gesetz in der Wirtschaft umzusetzen.

Wie gingen Sie diesen Auftrag an?

Ich habe die wesentlichen Branchenorganisationen der Wirtschaft kontaktiert, um deren Anliegen und Ansichten zu erfahren. Es gelang, fast alle ins Boot zu holen. Gemeinsam waren Arbeitskonzepte zu erstellen, die Erwartungen der zuständigen Bundesämter zu erkunden und vieles mehr. Am 25. November 1999 haben wir die EnAW mit den Trägerorganisationen dann aus der Taufe gehoben. 2001 starteten wir mit der operativen Tätigkeit.

Welche Vorstellungen waren in der Gründungsphase mit der Bezeichnung «Energie-Agentur» verbunden?

Eine Organisation der Wirtschaft, die hilft, die energiepolitischen Hausaufgaben der Wirtschaft in eigener Regie zu lösen – durch die Steigerung der Energieeffizienz, auf freiwilliger Basis und im Rahmen des üblichen unternehmerischen Investitionsprozesses. Das Konzept fand auch in Bern Anklang und damit Eingang ins neue CO2-Gesetz.

Die Gründung der EnAW wurde als Startschuss für eine neue Phase der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Staat im Bereich der Energiepolitik bezeichnet. Ist das so?

Ich glaube, das ist gelungen – zu meiner Zeit auch dank der damaligen sachlichen und politischen Gegebenheiten sowie der am Entwicklungsprozess beteiligten Handlungsträger. Damals war eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren.

Welche Herausforderungen waren in den ersten Jahren zu meistern?

Zentral war es, eine generelle Leistungsvereinbarung mit dem Bund auszuhandeln. Das genügte jedoch nicht. Wir wollten eine Eigendynamik ins System bringen. Es war wohl Zufall, dass etwa gleichzeitig das neu geschaffene CO2-Gesetz ohne Referendum in Kraft trat: Es ermöglichte die Einführung einer CO2-Abgabe. Das Kunststück bestand darin, die Elemente entsprechend zusammenzubringen. Die Grundidee war: Wer CO2-Emissionen reduziert, sollte nicht noch durch eine CO2-Lenkungsabgabe bestraft werden – den Lenkungseffekt hat er ja vorweg umgesetzt. Eine solche Abgabenbefreiung kreierte einen finanziellen Anreiz. Und: CO2-Reduktion bedeutete immer auch die Analyse aller Energieflüsse und damit den angestrebten Energiespareffekt gemäss Energiegesetz.

«Wir wollten eine Eigendynamik ins System der CO2-Reduktion bringen.»

Max Zürcher, ehemaliger Geschäftsführer der EnAW

Das Kunststück scheint gelungen.

Ja, da war in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und dem Bund Neuland zu gestalten. Bald war klar: Es mussten möglichst viele Unternehmen oder Produktionsstätten in einen Zielsetzungsprozess – von unten her – eingebunden werden. Jeder sollte entsprechend seinen Möglichkeiten zur CO2-Reduktion beitragen. Der EnAW oblag die Gestaltung dieses Zielsetzungsprozesses. Dem Staat die Beurteilung und rechtliche Fixierung der entwickelten Ziele, die Prüfung der Zielerreichung aufgrund des EnAW-Monitoring-Systems und dann die Befreiung von der CO2-Lenkungsabgabe. Ende 2003 hatten gegen 1000 Unternehmen eine Zielvereinbarung, oder standen kurz vor deren Abschluss.

Wie konnte dem Vorwurf entgegengewirkt werden, dass «Von der Wirtschaft für die Wirtschaft» sogenannte «Schoggi-Ziele» definiert wurden?

Der Zielsetzungsprozess ist strukturell bedingt eine Knacknuss. Es galt gemeinsam einvernehmliche Regeln zu entwickeln, damit die Ziele hüben wie drüben als ausreichend ambitiös akzeptierbar sind. Überrissene Ziele hätten den Ausstieg der Unternehmen bedeutet, zu lasche die Glaubwürdigkeit des gesamten Vorhabens untergraben. Beides wäre fatal gewesen – für beide Seiten. Obrigkeitsstaatliches Verordnungsdenken einerseits, Unverständnis für die staatlichen Handlungspflichten anderseits mussten überwunden werden. Entscheidend für den Erfolg war, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden und die Verhandlungen stets auf Augenhöhe erfolgten. Konsens war, umfassender Klimaschutz würde wohl nur mit einem marktwirtschaftlich-anreizorientierten Vorgehen ausreichend erfolgreich sein.

Was ist besonders an der Rolle der EnAW?

Energiedaten von Unternehmen sind sensible Informationen, weil sie auch Produktionsgeheimnisse bergen, welche die Konkurrenzfähigkeit im Markt mitbegründen. Solche Daten will grundsätzlich niemand im Detail weitergeben. Hier setzt das Konzept der EnAW an, eine Organisation von der Wirtschaft für die Wirtschaft zu sein. Die EnAW hat, strukturell bedingt, eine Intermediärposition, die aufseiten der Wirtschaft und der Behörden von ganz oben gewollt war. So konnte und kann eine erfolgreiche Public-Private-Partnership für den Klimaschutz in der Schweiz wachsen.

Was wünschen Sie der EnAW für die Zukunft?

Primär Partner, die die strukturellen Voraussetzungen der EnAW verstehen. Mithin Eigendynamik, um gerade noch rechtzeitig die Folgen des Klimawandels in den Griff zu bekommen.

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20 Jahre EnAW – Glückwünsche aus der ganzen Schweiz

Armin Eberle
Leiter Institut für Nachhaltige Entwicklung, ZHAW, Geschäftsführer der EnAW von 2009 bis 2018

Seit 20 Jahren setzt die EnAW Energieeffizienz und Klimaschutz erfolgreich in der Schweizer Wirtschaft um und wird international kopiert. Verhaltensökonomen erklären, weshalb Zielvereinbarungen, Massnahmenberatung und Anreize wirken und die Zahlen bestätigen es. Ich bin glücklich, Teil dieses Modells gewesen zu sein und wünsche der EnAW auch in Zukunft viel Erfolg.


Andreas Mörikofer
ehem. Bereichsleiter Industrie und Dienstleistungen Bundesamt für Energie

Wer hätte im April 2001 bei der Unterzeichnung der Leistungsvereinbarung zwischen der EnAW und dem UVEK daran gedacht, dass das innert wenigen Monaten modellierte Zielvereinbarungssystem 20 Jahre später einen festen Platz in der schweizerischen Energie- und Klimapolitik hätte und heute über 4000 Unternehmen einbindet! Ich freue mich am Erfolg und bin stolz, dass ich die ersten Jahre der bis heute erfolgreichen Public-Private-Partnership mitgestalten durfte.


Hansruedi Kunz
ehem. Leiter Abteilung Energie im kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), Kanton Zürich

Ende der 80er-Jahre haben sich die grössten Zürcher Stromverbraucher Energieeffizienzziele gesetzt – und eingehalten. Auslöser war die Angst vor einem drohenden Stromversorgungsengpass. Das Energie-Modell Zürich fand Beachtung, seit 1995 können Grossverbraucher mit dem Kanton Ziele vereinbaren und bei Einhaltung von Detailvorschriften befreit werden. Diese Idee hat sich dann dank der EnAW zu einem schweizweiten Erfolgsmodell entwickelt. Weiter so.


Mario Cavigelli
Regierungspräsident, Vorsteher Departement für Infrastruktur, Energie und Mobilität Kanton Graubünden DIEM

Liebe EnAW, ich wünsche dir für deine Zukunft weiterhin viel Erfolg, den du bis heute auch bereits hattest. Dank dir arbeiten heute in Graubünden viele Grossverbraucher wie Hotels und sogar eine Fleischtrocknerei energie- und kosteneffizient. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erweist sich dies als Vorteil. Ich freue mich auch für die Zukunft auf die vielen Projekte, in denen die EnAW ihre Kompetenz zum Wohle der Unternehmen einbringt. Weiter so!


Pascal Gentinetta
Managing Director, Head Public Policy Bank Julius Bär, Präsident der EnAW von 2007 bis 2013

Seit 20 Jahren leistet die EnAW echte Pionierarbeit im Klima- und Energiebereich. Nicht nur weil es klimaschonend ist, sondern auch weil es sich wirtschaftlich lohnt. Die eindrücklichen Ergebnisse bei den CO2-Einsparungen und der Stromeffizienz beweisen eines: Wenn die Wirtschaft will und die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen, dann erreicht man beste Ergebnisse für Umwelt und Wohlstand. Lang lebe diese erfolgreiche Private-Public-Partnership!


Cédric Petitjean
Directeur général de l’Office cantonal de l’énergie (OCEN) de l’État de Genève

Je tiens à mettre en avant les excellentes relations de collaboration et de confiance que l’OCEN entretient avec l’AENEC depuis de nombreuses années, avec en particulier la mise en oeuvre d’un projet au service des entreprises comprenant la création d’un conteneur de données commun pour l’ensemble des grands consommateurs. Il est combiné avec l’informatisation du suivi des prestations et dossiers traités par l’OCEN. De cette manière, une entreprise pourra suivre l’avancement de l’ensemble de ses dossiers et mettre à jour ses données.


Jacqueline de Quattro
Conseillère nationale PLR, Cheffe du département du territoire et de l’environnement du canton de Vaud de 2007 à 2019

Après le non à la loi sur le CO2, la Suisse doit privilégier une politique d’incitations plutôt qu’une écologie punitive. C’est la stratégie que j’ai suivie durant mes treize années au Conseil d’État vaudois en tant que ministre de l’énergie. Je poursuis cette voie à Berne. Notre pays a besoin de solutions équilibrées qui renforcent notre économie. L’AEnEC contribue à donner les impulsions nécessaires pour relever les enjeux énergétiques de demain.


Laurent Favre
Président du Conseil d’État de Neuchâtel, Chef du Département du développement territorial et de l’environnement

Les outils de l’AEnEC, visionnaires à l’époque de ses débuts, permettent de rendre les mesures d’efficacité énergétique concrètes et attractives pour les entreprises. Convaincu très tôt, le canton de Neuchâtel, en tant que précurseur en Suisse romande, reconnait ce modèle depuis 15 ans pour satisfaire à sa législation sur les gros consommateurs d’énergie. Pour l’avenir, l’AEnEC continuera de jouer un rôle important dans l’effort de réduction des émissions de CO2 des entreprises suisses.


Philippe Gumy
Directeur adjoint de la Chambre de commerce et d’industrie du canton de Fribourg (CCIF)

En fêtant déjà deux décennies, l’AEnEC démontre que les entreprises savent anticiper et apporter des solutions, en s’engageant activement pour réduire leur empreinte carbone. Faisabilité et retours sur investissements dans un délai raisonnable servent de boussoles depuis 20 ans, avec la garantie d’opter pour les technologies les plus efficaces et les plus efficientes en matière de consommation d’énergie. Résultat : un succès incontestable !


Luca Albertoni
Direttore della Camera di commercio del Cantone Ticino, Presidente della Camera di commercio svizzera dal 2009 al 2021

Non è ovvio poter festeggiare un ventesimo anniversario. Il fatto che l’AEnEC sia riuscita a raggiungere questo traguardo mostra che un lavoro di consulenza competente e gli incentivi giusti permettono di gestire l’energia in modo efficiente. Ho potuto vivere in prima persona l’approccio adottato dall’AEnEC che ha permesso di creare soluzioni individuali su misura per le aziende. È il miglior modo possibile per garantire l’economicità delle aziende e al tempo stesso tener conto dell’interesse collettivo per le attività ecologicamente sostenibili.

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