Zugegeben – Energie und CO2 verbindet wohl kaum jemand mit der Confiserie Sprüngli. Feine Gipfeli, Luxemburgerli und Schoggi schon eher. Ein Blick hinter die Kulissen der traditionsreichen Zürcher Confiserie zeigt aber: die Herstellung dieser Köstlichkeiten und vor allem die Bewirtschaftung der Produktionsabteilungen sind energieintensiv. Deshalb ist die Confiserie Sprüngli seit vier Jahren Teilnehmerin im KMU-Modell der EnAW.
Die alten Backöfen wurden durch neue, energieeffiziente Öfen mit einem grösseren Wärmespeicher ersetzt.
Pralinen in allen Formen und Farben, Sandwiches und Salate in den verschiedensten Kombinationen, Gebäck für jeden Anlass und natürlich die weltberühmten Luxemburgerli. Der Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Er ist einfach ein Stück «Züri». Hier geniessen Menschen aus der ganzen Welt die Köstlichkeiten von höchster Qualität aus dem Hause Sprüngli. Was die wenigsten wissen? Das gesamte Sortiment der insgesamt 24 Filialen wird an einem zentralen Produktionsstandort hergestellt. Und zwar in Dietikon im Kanton Zürich. Heute als Projektleiter Technik unter anderem für die Energieeffizienz verantwortlich ist Erwin Deutsch. Seit über 30 Jahren, 23 davon im technischen Dienst, macht er die Confiserie Sprüngli energetisch fit. «Herzblut spielt bei uns nicht nur bei der liebevollen Handarbeit unserer Produkte eine grosse Rolle», erzählt er. Auch im Energiebereich komme die Confiserie Sprüngli ihren Zielen mit einer grossen Portion Leidenschaft nach. 2014 schloss das Unternehmen dafür in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund ab.
«Es war schon immer in unserem Interesse, besonders bei neuen Investitionen, auf wirtschaftlich attraktive und energieeffiziente Anschaffungen wie Maschinen und Anlagen zu setzen», erinnert sich Deutsch. Auch ohne die Verpflichtungen aus dem Grossverbraucherartikel des Kantons Zürich habe die Confiserie Sprüngli ihren Nachhaltigkeitsgedanken in ihrer DNA verankert. Verstärkt wurde dieser durch die Zusammenarbeit mit der EnAW im Jahr 2014. Denn Deutsch und sein Team begannen im selben Jahr mit der Umsetzung von wirtschaftlichen Massnahmen, die sich besonders positiv auf die Energiebilanz auswirken sollten und Teil des Massnahmenkatalogs waren, der nach dem Energie-Check-up definiert wurde. Das grösste Effizienzpotenzial liegt aber nicht in der Produktion, sondern besonders bei den haustechnischen Anlagen. Dazu gehören Bereiche wie Lüftung, Klima, Kälte oder Heizung. Besonders im Lebensmittelbereich gibt es zahlreiche Gesetze und Anforderungen, wie Produkte gelagert werden müssen. Besonders wichtig sind dabei Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Kühlung der Lebensmittel und der Produktionsabteilungen spielt daher bei der Confiserie Sprüngli eine grosse Rolle. «Eine der ersten Massnahmen, die wir im Rahmen des KMU-Modells umgesetzt haben, setzte bei unserer gewerblichen Kälteanlage an», so Deutsch. «Diese wurde komplett ersetzt. Zudem sind wir auf das natürliche Kältemittel CO2 umgestiegen.» 225 Megawattstunden Energie können mit der Umsetzung dieser Massnahme jedes Jahr gespart werden.
Im selben Jahr stellte die Confiserie Sprüngli die komplette Beleuchtung auf moderne, energieeffiziente LED-Leuchten um und investierte in neue Backöfen. Neben Brot, Tortenböden und Gipfeli werden hier auch die berühmten Schalen der Luxemburgerli gebacken. Die Öfen müssen – wie andere grosse Teile der Produktion – 24 Stunden pro Tag an sieben Tagen pro Woche einsatzfähig sein, damit die Produkte stets frisch in den Filialen ankommen. «Wir haben heute 15 energieeffizientere, besser isolierte und mit einem grösseren Wärmespeicher ausgestattete Backöfen.» Mit dieser Massnahme spare die Confiserie Sprüngli weitere 255 Megawattstunden Energie pro Jahr ein. Dies, weil die Öfen nach Gebrauch durch die bessere Isolation und den Wärmespeichern weniger Energie für das erneute Aufheizen brauchen. Und nicht nur das: Die neuen Öfen sind mit einer modernen Steuerung versehen, um unter anderem die Übergaben zwischen den Schichten zu vereinfachen. «Die Mitarbeitenden, die nachts arbeiten, finden dank der Steuerung pünktlich zum Produktionsstart einen bereits vorgeheizten Ofen mit der richtigen Temperatur für das jeweilige Produkt vor», so Deutsch. Jedes Produkt könne mit einem Klick ausgewählt werden. So stimmen die hinterlegten Temperaturen, Zeiteinstellungen und die Fehleranfälligkeit kann auf ein Minimum reduziert werden.
Mit einem Klick kann Deutsch heute auch praktisch den gesamten Produktionsstandort Dietikon im Auge behalten. Eine weitere umgesetzte Massnahme ist nämlich die Einführung eines eigenen Energie-Monitorings. Ob Energie-, Wasser- oder Gasverbrauch, ob Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder CO2-Gehalt in der Luft – Deutsch überlässt nichts dem Zufall. Ob das Unternehmen mit der Zielvereinbarung auf Kurs ist, prüft Deutsch zusätzlich jedes Jahr mit seinem EnAW-Berater Lucien Senn mit den Monitoring-Tools der EnAW. «Aber auch, wenn ich ausserhalb des Monitorings Fragen zu anstehenden Massnahmen oder beispielsweise zur Rückerstattung der CO2-Abgabe habe, kann ich auf unseren Berater zählen», so Deutsch. Ein regelmässiger Erfahrungsaustausch ist ihm wichtig. Deshalb besuchte er kürzlich das KMU-Frühstück, das die EnAW regelmässig veranstaltet, damit die Teilnehmer von den Erfahrungen der anderen profitieren können.
Auch die Möglichkeit, von Fördermitteln zu profitieren, ist ein Thema. Im Kanton, in der Stadt und in den Gemeinden stehen Unternehmen verschiedene Optionen zur Verfügung, um in Sachen Energieeffizienz und CO2-Reduktion gefördert zu werden. «Man muss ganz klar sagen – ohne Interesse und Recherche geht es nicht», weiss Deutsch. In den vergangenen Jahren konnte er einige Projekte umsetzen, die durch Fördergelder mitgetragen wurden. Ob Umwälzpumpen von der Klimastiftung Schweiz, Wäscheautomaten vom EWZ oder die Hälfte des ersten Teilnehmerbeitrags von der Stadt Dietikon – wer dran bleibt, profitiert.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Herzblut spielt bei der Confiserie Sprüngli nicht nur bei den handgefertigten Produkten eine Rolle. Auch im Energiebereich punktet das Unternehmen mit einer grossen Portion Leidenschaft.
2014 schloss der Zürcher Traditionsbetrieb in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund ab.
350 000 Franken spart die Confiserie Sprüngli mit der Umsetzung von wirtschaftlichen Massnahmen pro Jahr ein.
Zusätzlich werden damit die gesetzlichen Anforderungen von Bund und Kanton erfüllt.
Die AMAG importiert, verkauft und repariert Autos in der ganzen Schweiz. In den Garagen wird neben den Fahrzeugen aber auch an der Energiebilanz geschraubt. Mit 17 Grossverbraucher-Betrieben ist die AMAG eine prominente Teilnehmerin der EnAW.
Rund 5700 Mitarbeitende kümmern sich bei der AMAG schweizweit um Import, Verkauf und Instandhaltung der Fahrzeuge.
Der Audi S5 glänzt und funkelt, die Deckenlichter spiegeln sich in der polierten Motorhaube, auf dem Rücksitz des Cabrios sitzt ein Plüschhund. Die aufgereihten Autos formen zwei Kolonnen und folgen der Anordnung der Lichter an der Decke. Die Einrichtung des Verkaufsraums ist vom Hersteller strikt vorgegeben: Die Regeln schreiben die Anzahl Lichter pro Auto vor, sie bestimmen deren Form, Winkel und Lichtstärke. Dem Zufall wird hier nichts überlassen; sogar die Bodenplatten sind Audi-Etikette. Oder wie Dionys Wanner es ausdrückt: «Kreativität ist hier nicht gefragt.» Wanner ist zuständig fürs Energie-Management der gesamten AMAG Gruppe. Im zweistöckigen Verkaufsraum von Audi kennt er sich aus. Der Betrieb ist Teil der Autowelt in Dübendorf, einer von schweizweit 75 Betrieben der AMAG Gruppe. Die Firma importiert pro Jahr rund 100 000 Neufahrzeuge, von denen sie etwa die Hälfte in den eigenen Garagen verkauft. Vertrieben werden Fahrzeuge und Ersatzteile der Marken VW, Audi, SEAT, ŠKODA und VW Nutzfahrzeuge.
Als das CO2-Gesetz und der Grossverbraucherartikel in den ersten Kantonen in Kraft traten, wurde Wanner zum Energiekoordinator der AMAG auserkoren. Zusammen mit der EnAW coacht er die einzelnen Betriebe seit 2012 in deren Energie-Management. Eine sehr sinnvolle Aufgabe, meint er, wenn man sehe, wie viel Energieverschwendung bereits mit wenig Aufwand verhindert werden könne. Die Grossverbraucher der AMAG bilden zusammen eine eigene Energie-Modell-Gruppe, die von EnAW-Berater Stefan Graf betreut wird. Darunter finden sich Garagenbetriebe, Lackierwerke und der für den Import zuständige Standort in Birrfeld im Kanton Aargau. Graf sieht grosses Potenzial in dieser Organisationsform: «In den Garagen läuft vieles ähnlich, das macht den Austausch einfach und die Lernkurve hoch.» AMAG Energiemanager Wanner pflichtet bei. Die Lösungen seien immer dieselben: «Kürzere Laufzeiten, weniger Licht, weniger Wärme und weniger Druck bei der Druckluft.»
Die intensive Beleuchtung der Autos verbraucht viel Energie, genauso wie die Klimatisierung der Showräume. Wegen der Vorschriften der Hersteller könne bei der Lichtstärke nur wenig optimiert werden, sagt Wanner. Kleinigkeiten wurden verbessert, etwa die Lichter in Fensternähe, welche bei genug Tageslicht gedimmt werden. Anders bei den Lüftungsanlagen: Die riesigen, meist hohen Räume für Ausstellung und Garage müssen entsprechend durchlüftet und klimatisiert werden. Sind die Anlagen dafür richtig eingestellt und die Betriebszeiten angepasst, kann hier viel Geld gespart werden. In der Autowelt Dübendorf konnte der Energieverbrauch so um rund 600 Megawattstunden pro Jahr verringert werden. «Das hat die Leute schon stutzig gemacht, als sie im Monitoringsystem der EnAW gesehen haben, wie viel weniger Energie durch veränderte Einstellungen verbraucht wird», sagt Wanner. Dank der Umsetzung verschiedener Massnahmen sparen die Teilnehmer der AMAG Gruppe jährlich 1500 Megawattstunden an Strom und 2000 Megawattstunden an Heizenergie.
Zwei Jahre lang haben Wanner und EnAW-Berater Graf die einzelnen Standorte in der ganzen Schweiz besucht, analysiert und die Zielvereinbarungen ausgearbeitet. Mittlerweile sind viele Massnahmen umgesetzt und die AMAG befindet sich auf direktem Weg ins Ziel. Zwei Standorte haben die Vorgaben für 2023 sogar heute schon erreicht. Auch wenn Wanner zunächst viel Überredungskunst benötigte, um sein Management von der Idee zu überzeugen: Die Wirtschaftlichkeit der Massnahmen spricht mittlerweile für sich. «Die EnAW und der Bund haben da wirklich einen guten Weg gefunden, klimafreundliche und wirtschaftliche Massnahmen in Einklang zu bringen.» Bei der AMAG vermittelt Wanner sein Wissen nun auch zwischen den Standorten. Als gelernter Elektroniker, Beschaffungs-Spezialist und Energie-Koordinator hat er mittlerweile seinen ganz eigenen Erfahrungsschatz beisammen: «Ich schaue den Planern jetzt selbst mehr auf die Finger und kann dieses Wissen natürlich auch bei Neuanschaffungen beiziehen.» Selbst wenn die Möglichkeiten teilweise begrenzt sind – einen nutzbaren Spielraum haben Wanner und seine Kollegen bisher immer gefunden.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
17 AMAG Betriebe aus der ganzen Schweiz haben sich über die EnAW zu Sparmassnahmen verpflichtet.
Vor allem mit Anpassungen bei den Beleuchtungs- und Lüftungsanlagen können die Betriebe viel Energie sparen.
Alle AMAG Garagen funktionieren ähnlich: Der so ermöglichte Austausch zwischen den Standorten erleichtert deshalb Optimierungen im Energiebereich.
Energie und Kaffee – eine dankbare Symbiose aus dem Alltag. Doch was hat das eine mit dem anderen im Bereich der Energieeffizienz zu tun? Die Rast Kaffee AG im luzernischen Ebikon zeigt: Das Rösten von Kaffeebohnen ist nicht nur eine präzise und leidenschaftliche Handarbeit, sondern auch eine energieintensive Angelegenheit. Durch die Teilnahme am KMU-Modell der EnAW ist der Gourmetkaffeeproduzent in Sachen Energiefragen bestens aufgehoben.
Die Rast Kaffee AG lebt Kaffee seit 1918: Von Hand und mit viel Leidenschaft wird in Ebikon geröstet.
Die Kaffeebohne findet ihren Ursprung in Äthiopien. Den besten Wachmacher findet man hingegen fernab von Afrika, nämlich im luzernischen Ebikon. Was im Jahr 1918 als Kolonialwarengeschäft in Meggen angefangen hat, ist heute ein erfolgreiches Familienunternehmen in der vierten Generation. Die beiden Rast-Schwestern, Beatrice und Evelyne, leiten die Firma seit gut zwei Jahren zusammen mit Adrian Gisler. Mit allen Sinnen und viel Leidenschaft wird in Ebikon Kaffee geröstet. Doch das kostet eine Menge Energie. Deshalb ist die Rösterei seit bald drei Jahren Teilnehmerin im KMU-Modell der EnAW. Dank dieser Zusammenarbeit spart der Familienbetrieb nicht nur Energie und Nerven, sondern schont auch noch den Geldbeutel.
Die Familie Rast lebt Kaffee und gibt seit jeher alles daran, das koffeinhaltige Genussmittel zu perfektionieren. «Wir machen Kaffee, und das auf dem höchsten Niveau», lautet die Firmenphilosophie. Was das Traditionsunternehmen von anderen Röstereien abhebt, ist das Rösten «on demand». Das heisst, dass in Ebikon nur so viel Kaffee geröstet, wie auch bestellt wird. «Damit garantieren wir absolute Frische. Denn wenn der Kaffee geröstet ist, wird er zum Frischprodukt und kann an Aroma verlieren oder sogar ranzig werden», lehrt die Einkaufschefin und Geschäftsleiterin Beatrice Rast. Neben Kunden aus der Gastronomie und Privatkunden zählt auch Emmi Caffè Latte auf das Frischeprodukt aus Ebikon.
Kaffeerösten will gelernt sein. Von den 20 Mitarbeitenden des hundertjährigen Betriebs arbeitet ein Grossteil in der Produktion. Doch zum Kaffeeröster wird man nicht über Nacht. «Alles was es braucht, ist ein Gespür und Sensibilität für das Naturprodukt», erklärt Rast. Und die Mitarbeitenden könnten gemischter gar nicht sein: «Einer hat nebenbei noch Schafe und Apfelbäume, ein anderer war Polygraf», so Rast. Da der ganze Röstprozess eine präzise Handarbeit ist, ist das Anlernen des Röstberufs besonders zeitintensiv. Über Monate wird der Röstprozess gelernt und präzisiert. «Und diese Zeit nehmen wir uns auch, wenn wir einen neuen Mitarbeiter einarbeiten. Denn man muss mit allen Sinnen dabei sein und eine gewisse Erfahrung an den Tag legen. Sonst ist der Kaffee falsch geröstet», erzählt sie weiter.
Das korrekte Kaffeerösten setzt mehr als nur Know-how voraus: Die Röstmaschine ist das Herz der Familienrösterei – und frisst zugleich eine grosse Menge Energie. «Energieeffizienz ist für uns ein sehr wichtiges Thema, weil wir eben auch sehr viel Energie verbrauchen», meint Rast zum Thema. Das Rösten an sich sei bereits ein sehr energieintensiver Prozess, und die Röstmaschine sondere dabei zusätzlich sehr viel Hitze aus. Das Problematische: «Wir müssen den Kaffee auf Raumtemperatur kühlen. Und das ist gerade im Sommer energietechnisch ziemlich ineffizient», erzählt sie weiter. Um die Bohne in Zukunft energiefreundlicher zu rösten, wird in Zusammenarbeit mit dem EnAW-Berater Thomas Pesenti akribisch Buch geführt: Eine vierteljährliche Energiebuchhaltung, die regelmässige Überprüfung des Druckluftverbrauchers sowie die Optimierung der Abgasverbrennung gehören zu den Hauptmassnahmen in der Familienrösterei. Und das rechnet sich: Seit Eingehen der Zielvereinbarung mit dem Bund kann Rast jährlich die Rückerstattung der CO2-Abgaben beantragen. Im Alltag legt der Betrieb grossen Wert auf «Nachhaltigkeit im Kleinen», wie es Rast so schön beschreibt. Plastik und Glas werden recycelt. Ausserdem werden Karton und Beutel für den frischen Kaffee ausschliesslich in der Schweiz eingekauft.
Was nicht aus der Schweiz stammt, sind die Kaffeebohnen. Und qualitativ hochwertige Bohnen machen schon den halben Kaffee. Stabile und gute Beziehungen zu den Produzenten liegen der Einkaufschefin deshalb besonders am Herzen. Immer wieder reist die Familie Rast in den Kaffeegürtel, um dort die Plantagen und Bauern persönlich zu besuchen. «Wir schauen darauf, dass wir unsere Bauern und die Anbaubedingungen kennen», erzählt Rast. «Wenn möglich setzen wir auch vermehrt auf Familienbetriebe.» Langjährige Beziehungen zu den Bauern sind für Rast zwingende Nachhaltigkeitsfaktoren: «Wir verlangen von unseren Produzenten eine gute Qualität. Dafür bezahlen wir den Preis und pflegen die Beziehung, sodass die Bauern ihre Zukunft planen können. Das verstehe ich unter Nachhaltigkeit.»
Ein weiterer wichtiger Zweig des Familienunternehmens ist die Kaffee Akademie. «Wir wollen den besten Kaffee verkaufen», erzählt Rast. «Aber produziert wird der Kaffee von den Kunden selbst. Und gerade in diesem Schritt kann so viel falsch laufen.» In anderen Worten: Ein Kaffee ist nur so gut wie seine Zubereitung. Ob mit Vollautomaten oder in der traditionellen Mokka-Kanne – in der Kaffee Akademie lernen Mitarbeitende von Grosskunden sowie Privatpersonen aus erster Hand, wie der so beliebte Wachmacher perfekt zubereitet wird.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Rast Kaffee AG in Ebikon röstet den Kaffee frisch, was eine energieintensive Angelegenheit ist.
Mit Unterstützung der EnAW kann der Gourmetkaffeeproduzent Energie und Kosten sparen.
Nachhaltige Beziehungen zu den Produzenten liegen dem Familienunternehmen am Herzen.
Nicht nur der Kaffee hat Tradition: Eine Frauenleitung ist Teil der Firmengeschichte.
«FOKUS KMU – Die Sendung für Wirtschaft & Gesellschaft» präsentiert wichtige Themen und spannende Geschichten aus der Schweizer KMU-Wirtschaft. In der Sendung vom 8. Oktober wird der Schwerpunkt «Energieeffizenz» anhand zweier EnAW-Teilnehmer behandelt.
Das Beispiel Meyer Orchideen AG zeigt auf, wie energieintensive Aktivitäten durch intelligente Lösungen umweltverträglich gestaltet werden können. Dank der guten Zusammenarbeit mit der EnAW ist der Betrieb in Wangen bei Dübendorf heute CO2-neutral. Auch das Beispiel der Verwo AG verdeutlicht, wie die Beratung der EnAW Einsparpotenziale und mögliche Massnahmen zu deren Realisierung aufzeigen kann.
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Mehr InformationenOhne Papier, Glas oder Stahl geht es nicht. Aber was braucht es, damit die Basisindustrien in der Schweiz nicht auf der Strecke bleiben? Gute Rahmenbedingungen und eine Interessengemeinschaft, die sich dafür einsetzt.
Heute als Verein etabliert, startete die IGEB 1997 als Interessengemeinschaft der energieintensiven Branchen, um sich gegen schädliche energiepolitische Vorlagen zu wehren. Im Laufe der Jahre wurde immer deutlicher, dass sich daraus ein globales und vor allem wirtschaftliches Thema entwickelte. Das Engagement der energieintensiven Branchen in Sachen Energieeffizienz wird im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung zu einem existenziellen Pfeiler für den Erhalt der Basisindustrien in der Schweiz. Zu den Energieintensiven gehören vor allem Unternehmen aus Industrien, die mindestens zehn Prozent ihrer Bruttowertschöpfung für Energiekosten aufwenden: Papier-, Stahl-, Zement- oder Chemiehersteller, Giessereien und die Glasproduzenten.
IGEB-Präsident Frank R. Ruepp engagiert sich zusammen mit dem Vorstand, Geschäftsführer Max Fritz und den Mitgliedern dafür, dass die spezifischen Interessen der energieintensiven Branchen gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung vertreten werden. «Wir setzen uns hauptsächlich dafür ein, dass die energieintensiven Betriebe im internationalen Standortwettbewerb mithalten können», so Ruepp. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die IGEB begleitet die Energie- und CO2-Politik sehr eng. Und sie wird gehört. Zusammen mit anderen Wirtschaftsverbänden steht die IGEB heute auf den grossen Vernehmlassungslisten. Diskutiert wird über Industriestrompreise, CO2-Abgaben, Versorgungssicherheit oder das Emissionshandelssystem – alles im Dienste des Erhalts der Basisindustrien und ihren Arbeitsplätzen in der Schweiz. Auch gilt es, die Bedeutung der Energieintensiven als Hersteller von Grundstoffen hervorzuheben. Ohne Zement, Ziegel und Mischgut sind bauliche Fortschritte nicht möglich. Ohne Glas gäbe es keine Fenster. Ohne Stahl könnte der technische Fortschritt nicht realisiert werden und ohne Chemie gäbe es die Pharmaindustrie nicht. So existenziell die Industrien für die Schweiz sind, so existenziell sind die nationalen Rahmenbedingungen: sie entscheiden über Leben und Tod der energieintensiven Branchen in der Schweiz.
«Verbrauch ist nicht gleich Verschwendung.»
Frank Ruepp, Präsident der IGEB, im Interview über die Leistungen, Herausforderungen und Perspektiven der Energieintensiven.
Spricht man von energieintensiven Betrieben, geht oft vergessen, dass ein Grossteil der Recyclingleistungen in der Schweiz von genau diesen bewältigt wird. Auch als Arbeitgeber, Steuerzahler und Energiebezüger leisten die Branchen einen substanziellen Beitrag zum Erhalt der Schweizer Basisindustrien. Eine unserer Aufgaben ist es, diese Botschaften bei Entscheidungsträgern zu verankern und dafür zu sorgen. dass die Basisindustrien nicht auf der Strecke bleiben.
In der Öffentlichkeit wird der Energieverbrauch häufig mit Energieverschwendung gleichgesetzt. Dass dies den energieintensiven Branchen unrecht tut, beweisen die ihnen zugrunde liegenden physikalischen Produktionsprozesse. Das Schrottschmelzen braucht auf der ganzen Welt dieselbe Menge Energie. Was man dabei entscheiden kann ist, ob die Energie in der Schweiz oder im Ausland eingesetzt werden soll und wie sauber sie produziert wird. Ökologisch ist es nicht sinnvoll, Schweizer Altpapier, Altglas oder Schrott im Ausland verarbeiten zu lassen, da graue Energie durch den Transport von Recyclingmaterial und Neuproduktionen anfallen würde. Als Recycler der Nation stehen die IGEB-Mitglieder für kurze, geschlossene Kreisläufe und versuchen möglichst energieeffizient zu produzieren. Die IGEB ist in der Politik und der Verwaltung heute gut etabliert. Ihre Anliegen finden Gehör.
Das Thema Strompreiserhöhung um «ja nur einen Rappen» für Netzentgelte, Steuern und Abgaben usw. kam in Politik und Verwaltung öfter auf. Dieser eine Rappen führt bei einem durchschnittlichen Haushalt zu einer leicht erhöhten Jahresstromrechnung von unter 50 Franken, was als verkraftbar abgestempelt wird. Dann kommen wir ins Spiel. Am Beispiel der Perlen Papier AG können wir zeigen, dass der eine Rappen für energieintensive Betriebe jährlich mehrere Millionen Franken Zusatzkosten ausmacht. Geld, das fehlt und auch Arbeitsplatzabbau heissen kann. Man kann diese schweizspezifischen Kosten eben nicht auf die Kunden abwälzen, weil diese ihre Produkte dann im Ausland beziehen, wo diese Mehrkosten für die Unternehmen nicht anfallen.
Die energieintensiven Industrien in der Schweiz dürfen in der Industriepolitik keine Nachteile haben. Wenn im europäischen Ausland eine Politik betrieben wird, die grosse Energieverbraucher durch umfassende Entlastungen oder Sonderlösungen bevorzugt, müssen wir in der Schweiz mithalten können. Grundsätzlich wollen wir keine zusätzliche Unterstützung oder Subventionen. Wir wollen nur keine zusätzliche Belastung und gleich lange Spiesse. Denn die Energieeffizienz ist für jedes energieintensive Unternehmen der Schlüsselfaktor, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Die rund 100 EnAW-Berater sind Profis aus der Praxis. Ihre Erfahrung und Beratung generieren für unsere Mitglieder einen echten Mehrwert. Ich bin überzeugt, dass das Modell der EnAW auch global eine wichtige Rolle spielen könnte und die Technologien und Dienstleistungen aus der Schweiz einen essenziellen Beitrag an die grossen, weltpolitischen Klimaziele leisten könnten.
Frank R. Ruepp ist Verwaltungsrat der vonRoll infratec (holding) ag und Präsident der Interessengemeinschaft der energieintensiven Branchen (IGEB).
Im letzten Jahrhundert hat sich Breitling neben der Uhrentechnik auch in der Luftfahrt durchgesetzt. Schon seit der Gründung in den jurassischen Bergen pflegte das Unternehmen, dessen Manufaktur sich heute in La Chaux-de-Fonds befindet, eine Vorliebe für luftige Höhen. Neue Gipfel erreicht es nun mit der Energieeffizienz: Seit 2013 hat Breitling den Energieverbrauch nahezu halbiert.
Wesentliche Energieeinsparungen waren dank einer intelligenten Zeitschaltung der Ventilationsanlagen möglich, die in der Uhrmacher-Manufraktur für die unerlässlichen konstanten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedinungen sorgen.
1884 eröffnete Léon Breitling in St-Imier (BE) eine Werkstatt für Chronografen – ein anspruchsvoller Bereich der Uhrmacherei – und für Messgeräte für die damals aufkommenden Automobile. 1892 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach La Chaux-de-Fonds. Schon bald hatte es sich dank Genauigkeit und Robustheit einen Namen gemacht und bediente damit Wissenschaft, Industrie und Sport. Es begleitete auch die ersten Langstreckenflüge, die auf leistungsfähige und zuverlässige Navigationsgeräte angewiesen waren. Ab den 1930er-Jahren verwendeten zivile und Kampfpiloten Taschenmessgeräte und später Chronografenarmbanduhren aus dem Hause Breitling, das dadurch Teil der Luftfahrtgeschichte wurde. Diese Beziehung hat sich bis heute gehalten, genauso wie die aussergewöhnliche Genauigkeit: Die BREITLING CHRONOMÉTRIE SA ist eine der einzigen Uhrenmanufakturen, die all ihre Modelle mit Chronometer-zertifizierten Uhrwerken bestückt. Diese Uhrwerke sind Weltspitze in Sachen Präzision und werden gänzlich in der Manufaktur in La Chauxde-Fonds entworfen und hergestellt. Das Gebäude, in dem die Manufaktur untergebracht ist, wurde 2007 erweitert und bietet Platz für 200 Mitarbeitende. Davon stellen 150 Uhrmacher die Produktion von jährlich 100 000 Uhren sicher.
Nun hat die Manufaktur im Energiebereich eine ebenso bewundernswerte wie effiziente Strategie entwickelt. Mit der Unterstützung der EnAW hat sie 2012 eine Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Die Ergebnisse lassen sich sehen: Seit 2013 konnte der Energieverbrauch von 3 300 000 auf 1 700 000 Kilowattstunden Energie gesenkt werden, was einer Einsparung von 25 Prozent beim Strom- und von 75 Prozent beim Gasverbrauch entspricht. Insgesamt beträgt die Energieeinsparung somit trotz gestiegener Produktionsmengen fast 50 Prozent. Finanzdirektor Yann Chapatte und der Energieverantwortliche Fernand Moullet äussern sich darüber mit Stolz und einem spitzbübischen Lächeln. «Wir fühlen uns wie Kinder beim Spiel», erklärt Chapatte. «Ständig suchen wir neue Ideen, um unseren Verbrauch noch ein bisschen zu senken.»
In kleinen Schritten hat die BREITLING CHRONOMÉTRIE SA Massnahmen ausprobiert, die andere als unrealistisch verworfen hätten. Wer in die Technikräume im Untergeschoss hinuntersteigt, stösst auf nagelneue, teilweise imposante Anlagen und ein weitläufiges, sorgfältig gedämmtes Leitungsnetz. Fünf grosse Ventilationsblöcke halten die Temperatur in den Werkstätten konstant auf 23 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Die Einsparungen ergaben sich aus dem Einsatz modernster Technologie, vor allem aber durch die Ausschaltung der Ventilation ausserhalb der Betriebszeiten. Anfangs hatte man befürchtet, die nächtliche Ausschaltung würde sich negativ auf Temperatur und Feuchtigkeit auswirken. Moullet schaltete deshalb die Ventilation schrittweise immer länger aus und konnte so die Trägheit des Gebäudes bestätigen: Die Gebäudehülle ist perfekt durchdacht und gefertigt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit bleiben konstant. Der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoss konnten zusätzlich reduziert werden, indem der Umluftanteil bei Umgebungstemperatur auf zwei der fünf Ventilationsblöcke erhöht wurde. Dass die Zeitschaltung bei einem Uhrmacher zur Wissenschaft wird, erstaunt nicht, denn sie ist allgegenwärtig. Auch die Getränkeautomaten sind mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet. Die neuen Automaten sind etwas sparsamer verteilt als die alten und verbrauchen vier Mal weniger Energie. Ebenso wenig erstaunt die exakte Einstellung der Anlagen. «Man muss wissen, dass ein Bar weniger einer Einsparung von zehn Prozent entspricht», erklärt Moullet. Es ist also völlig unnötig, eine Druckluftanlage auf elf Bar zu halten, wenn 6.5 Bar für die meisten Tätigkeiten ausreichen. Für punktuelle Aufgaben wird ein Nachverdichter eingesetzt. Auch der Kälte- und Wärmebedarf der Mechanikwerkstätte wird bis ins letzte Detail optimiert, die Abwärme dient der Gebäudeheizung.
LED lautet das Schlagwort in der Beleuchtung, und für Chapatte haben LED-Leuchten einen wichtigen Vorteil: «Nur selten kommt zur Sprache, dass diese Beleuchtungstechnik weniger Wärme abstrahlt. Wir brauchen also wenig bis keine Klimatisierung – eine weitere Energieeinsparung.» Einmal mehr war hier die Aufmerksamkeit des Uhrmachers am Werk. Fast in der ganzen Werkstatt wurden die Leuchtmittel bereits ersetzt. Alte Glühbirnen und Leuchtstoffröhren werden in wenig benutzten Räumen noch so lange gebraucht, bis sie nicht mehr funktionieren. Statt funktionsfähiges Material vorzeitig zu vernichten, bevorzugen Moullet und Chapatte dieses Vorgehen. «Unsere Hauptaufgabe besteht nun darin, die Errungenschaften zu wahren und neue Optimierungsmöglichkeiten auszuschöpfen.» Denn die Manufaktur hat ihren Energieverbrauch um beinahe 50 Prozent verringert. Diese Zahl steht für fünf Jahre, in denen Anstrengungen und gesunder Menschenverstand Hand in Hand gingen. Chapatte sucht nach Worten: «Es ist einfach … unglaublich.» Und dennoch wahr.
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