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Background

BEWEGTE UND BEWEGENDE ENERGIEPOLITIK

Die Corona-Krise hat die Schweiz nicht davon abgehalten, sich den mittel- und langfristigen Herausforderungen der Klima- und Energiepolitik zu stellen. Das Parlament schuf mit dem neuen CO2-Gesetz einen gesetzlichen Rahmen, in dem Unternehmen und Haushalte den Ausstoss von Treibhausgasen wirksam vermindern können.

Die COVID-19-Pandemie lähmte das öffentliche Leben und brachte zeitweilig ganze Wirtschaftszweige zum Erliegen. Umsätze brachen ein, Kurzarbeit griff um sich. Die Volkswirtschaft schrumpfte und mit ihr – zumindest kurzfristig – die CO2-Emissionen. Ein Rückgang der Treibhausgase ist wünschbar, aber eine Rezession kann niemand herbeisehnen. Der Klimawandel lässt sich nur im Einklang mit der Wirtschaft und sozial ausgewogen eindämmen.

Die Madrider Klimakonferenz im Dezember 2019 brachte nicht die verbindlichen Beschlüsse, die manch einer erhofft hatte. Dann musste Corona-bedingt auch noch die im schottischen Glasgow geplante Klimakonferenz auf 2021 verschoben werden. Doch bei allen Rückschlägen und Verzögerungen: Das Pariser Klimaabkommen von 2015 entfaltet – befördert durch die Warnungen aus der Klimaforschung und die Proteste der Klimajugend – seine Wirkung. Den Temperaturanstieg auf unter zwei Prozent gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu senken, lautet die ambitionierte Vorgabe. Um dieses Ziel zu erreichen, so ein breiter Konsens, muss der Ausstoss von Treibhausgasen rigoros vermindert werden.

EU PROKLAMIERT DEN «GREEN DEAL»

Die Europäische Union hat im Dezember 2019 einen «Green Deal» ausgerufen und ihre Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen verschärft. Der Ausstoss der klimaschädlichen Gase soll bis im Jahr 2030 nicht um 40 Prozent gegenüber 1990 vermindert werden, sondern um 50 bis 55 Prozent. Die Staaten sind zum Handeln aufgerufen. Deutschland – um nur ein Beispiel zu nennen – hat ein Klimaschutzprogramm aufgelegt, das ab 2021 die CO2-Bepreisung über die Energiewirtschaft und Industrie hinaus erweitert. Der Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 ist zwar vergleichsweise tief, erstreckt sich neben dem Gebäudebereich aber auch auf den Verkehrssektor. Deutschland steht nicht allein. Norwegen kennt eine CO2-Abgabe auf Treibstoffen schon länger. Schweden eilt der Ruf voraus, die höchste CO2-Abgabe überhaupt zu haben.

Die Massnahmen der einzelnen Staaten werden ergänzt durch das europaweite Emissionshandelssystem ETS. Industriebetriebe, fossile Kraftwerke und der Flugverkehr nehmen am Handel mit Verschmutzungsrechten teil. Je stärker deren Preis ansteigt, desto effektiver stärkt das marktwirtschaftliche Instrument den Klimaschutz. Seit diesem Jahr sind auch mehrere Dutzend Schweizer Grossunternehmen in das europäische Handelssystem eingebunden. Sie können seither am weit grösseren und liquideren Emissionsrechtemarkt der EUStaaten partizipieren.

Das CO2-Gesetz ist der jüngste Eckstein beim Umbau der Schweizer Energieversorgung.

BUNDESRAT SETZT «NETTO-NULL» ALS STRATEGISCHES ZIEL

In der Schweiz hat der Bundesrat bereits nach «Fukushima» 2011 die «Energiestrategie 2050» aufgelegt. Sie stärkt den Effizienzgedanken und fördert den Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Energien. Im Zuge der globalen Klimadebatte legte sich die Regierung auf ein verschärftes Emissionsziel bis Mitte des Jahrhunderts fest: Die Schweiz soll dann nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Als Meilenstein auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel sollen die Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 nur noch halb so gross sein wie 1990. Die Halbierung der Emissionen ist verbindlich, seit die eidgenössischen Räte 2017 das Pariser Übereinkommen ratifiziert haben.

Die Schweizer Politik arbeitet seit Jahren an einem griffigen Klimaschutz. Ein erster Anlauf zur Revision des CO2-Gesetzes war 2018 gescheitert, weil die im Parlament versammelten Parteien keine mehrheitsfähige Vorlage zustande brachten. Im September 2020 hat sich nun eine Allianz aus bürgerlichen und linken Kräften auf eine breit abgestützte Totalrevision des CO2-Gesetzes verständigt. Sofern die Vorlage nicht in der für Frühling 2021 erwarteten Referendumsabstimmung scheitert, dürfte das Gesetz 2022 in Kraft treten. Es definiert dann den politischen Rahmen, in dem Schweizer Unternehmen und Haushalte jeweils ihren Teil zu einem wirksamen Klimaschutz beitragen.

INSTRUMENT DER ZIELVEREINBARUNG AUSGEWEITET

Mit dem neuen CO2-Gesetz steigt der Abgabesatz pro Tonne auf bis zu 210 Franken und verstärkt den finanziellen Anreiz zur Reduktion von Treibhausgasen. Aus Sicht der Wirtschaft sticht das ambitionierte Inlandziel ins Auge: Mindestens 75 Prozent der bis 2030 angestrebten Einsparungen sollen in der Schweiz erzielt werden. Ein massgeblicher Beitrag wird von den Unternehmen erwartet. Neu sollen sich auch mittlere und kleinere Unternehmen von der CO2-Abgabe befreien lassen können, sofern sie eine Zielvereinbarung zur Reduktion des CO2-Ausstosses bzw. des Energieverbrauchs abschliessen. Damit ist die Grundlage geschaffen für eine noch deutlich breitere Nutzung der Zielvereinbarungen, die sich mittlerweile über zwei Jahrzehnte als klimapolitisches Instrument bewährt haben. Auch weitere Schlüsselelemente des CO2-Gesetzes sind für die Schweizer Volkswirtschaft Herausforderung und Chance zugleich. Flugticketabgabe und höhere Treibstoffkosten verteuern die Mobilität. Ferner sind Unternehmen auch direkt oder indirekt von strengeren Emisssionsgrenzwerten für Öl- und Gasheizungen und Neuwagen betroffen. Gleichzeitig erhalten sie die Chance, mittels Energiesparmassnahmen ihre Wertschöpfung zu steigern und sich am Markt als umweltbewusste Akteure zu positionieren. Die vom neuen Klimafonds vereinnahmten Mittel begünstigen Nachhaltigkeitsinvestitionen, die auch der Wirtschaft zugute kommen.

MARKTÖFFNUNG IM STROMSEKTOR

Das CO2-Gesetz ist der jüngste Eckstein beim Umbau der Schweizer Energieversorgung. Im Mai 2017 hatte der Souverän das revidierte Energiegesetz zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 gutgeheissen mit dem Ziel, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und erneuerbare Energien zu fördern. Bereits ist eine neue Revision des Gesetzes aufgegleist, die unter anderem die Förderbeiträge für einheimische erneuerbare Energien wettbewerblicher gestalten will. Weitere Vorlagen sind in der politischen Pipeline, darunter die vollständige Marktöffnung im Stromsektor auch für KMU und Haushalte. Ebenfalls auf dem Weg ist eine Revision des Gasversorgungsgesetzes, das zu einer weiteren Öffnung des Gasmarktes in der Schweiz führen soll.

WEITERE INFORMATIONEN

Das Ziel heisst Netto-Null und ist sportlich: Um den Klimawandel zu begrenzen, sollen bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausgestossen werden. Dazu müssen die Energieeffizienz gesteigert und die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Ohne die Wirtschaft geht das nicht – was man auf Seiten der Behörden durchaus anerkennt. Trotz Nuancen in der Gewichtung. Wir haben nachgefragt.

Welche Rolle spielt die Wirtschaft, damit die Schweiz das Netto-Null-Ziel rechtzeitig erreicht?

Benoît Revaz: Die Wirtschaft ist die treibende Kraft – sie muss mit gutem Beispiel vorangehen, insbesondere indem sie zeigt, dass die Dekarbonisierung nicht nur technisch machbar ist, sondern auch als nachhaltiges und langfristig tragfähiges Geschäftsmodell taugt.

Wo stehen die Unternehmen heute – haben sie ihre Hausaufgaben gemacht?

Benoît Revaz: Wir können den Unternehmen zu dem gratulieren, was sie bis heute erreicht haben. Die Statistiken zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben bis zu einem gewissen Grad gemacht haben. Die Erreichung des Netto-Null-Ziels bis 2050 bleibt jedoch eine Herausforderung, die von allen, nicht nur von den Unternehmen, zusätzliche Anstrengungen erfordert. Und der Einsatz lohnt sich.

Rudolf Minsch: Die Wirtschaft hat mehr als nur ihre Hausaufgaben gemacht. Sie steht sehr gut da. Die Unternehmen haben die Ziele erreicht. Sie sind sogar darüber hinausgeschossen. Immer mehr sehen, dass Umweltschutz und Energiesparen zweckmässig sind und längerfristig auch ökonomisch Vorteile bringen. Die Unternehmen wollen weitermachen – wenn man sie lässt. Wir sind bestrebt, auch die kommenden Ziele zu erreichen, wenn der Spielraum für die Umsetzung erhalten bleibt.

Vertrauen Sie der Wirtschaft und gewähren Sie ihr den nötigen Spielraum?

Benoît Revaz: Ja. Die Wirtschaft ist ein vertrauenswürdiger und wichtiger Partner, und die Ergebnisse sind da, dies zu beweisen. Darüber hinaus gibt der gesetzliche Rahmen der Wirtschaft genügend Spielraum, um die Ziele zu erreichen oder auf der Grundlage eigener Initiativen diese sogar zu übertreffen.

Das neue CO2-Gesetz sieht keine Einschränkungen vor. Wovor haben Sie Angst?

Rudolf Minsch: Das Gesetz ist das eine. Entscheidender ist die CO2-Verordnung. Hier können Parlament und Umsetzungsorganisationen nicht mitgestalten. Wir befürchten, dass übersteuert wird und das Erfolgsmodell Schweiz gefährdet ist. Übrigens ein Effizienz-Modell, das im Ausland auf Interesse stösst und übernommen wird.

Dass die Schweiz nicht alleine auf weiter Flur etwas bewirken kann, stellt keiner in Abrede. Schliesslich ist der Klimawandel ein weltumspannendes Phänomen. Doch beim Blick über die Grenze werden die Akzente unterschiedlich gesetzt.

Benoît Revaz

Welche Rolle spielen internationale Kooperationen?

Benoît Revaz: Die internationale Zusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle, weil sie es uns ermöglicht, Modelle und Vorgehensweisen kennenzulernen, die bei unseren internationalen Partnern funktionieren oder eben nicht. So können wir entweder unsere Methoden verbessern oder verhindern, dieselben Fehler zu begehen. Durch internationale Zusammenarbeit haben wir auch eine grossartige Plattform für den Austausch, wo wir die Lösungen von morgen entwickeln und testen können.

Rudolf Minsch: Die Schweiz kann vorangehen und innovativer sein als andere Länder. Wir können aber nicht im Alleingang die weltweite CO2-Problematik lösen. Die Ausgangslage ist in den meisten Ländern eine andere. Es gibt immer noch Länder, die Energie grösstenteils subventionieren, statt besteuern. Die Wirtschaft hat deshalb ein grosses Interesse daran, dass die Schweiz international koordiniert vorgeht. Wir wollen Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlegen, weil in anderen Ländern bessere Bedingungen herrschen. Damit ist ökonomisch und ökologisch nichts gewonnen.

Ohne Forschung und Innovation ist ebenso wenig gewonnen. Dem Forschungsplatz Schweiz winden denn auch beide Gesprächspartner ein Kränzchen – und formulieren unterschiedliche Wünsche.

Rudolf Minsch

Wie gut ist die Schweiz im internationalen Vergleich aufgestellt?

Benoît Revaz: Die Schweizer Forschung hat im internationalen Umfeld einen hervorragenden Ruf. So haben beispielsweise Projektanträge mit Schweizer Partnern im Rahmen der Forschungsrahmenprogramme der EU eine höhere Erfolgsquote. Die Schweizer Universitäten – und im Speziellen die ETH – belegen in den internationalen Rankings jeweils Topplätze.

Rudolf Minsch: Der ETH-Bereich ist in den Energie- und Umweltthemen führend. Die ETH Zürich, die Empa in Dübendorf, das PSI im Aargau und die EPFL in Lausanne sind internationale Topadressen. Auch in der Privatwirtschaft ist die Forschung sehr ausgeprägt. Grosse und mittlere Unternehmen leisten im Energiebereich einen beachtlichen Beitrag. Die Schweiz ist sehr gut aufgestellt.

Weil der Bund viel in Forschung investiert?

Rudolf Minsch: Das ist eine notwendige, aber keine ausreichende Voraussetzung.

Wie stark investiert der Bund in die Energie-Grundlagenforschung?

Benoît Revaz: Der Schwerpunkt der Forschungsförderung des BFE liegt bei der anwendungsorientierten Forschung. Projekte im Bereich der Grundlagenforschung werden nur gezielt und in Einzelfällen gefördert. Für Grundlagenforschung stehen prinzipiell die Förderprogramme des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung.

Gelingt es den Firmen, an die Grundlagenforschung anzuknüpfen?

Rudolf Minsch: Auf jeden Fall. Der überwiegende Teil der Forschung und Entwicklung ist privat finanziert. Das Verhältnis liegt bei rund 70 Prozent Wirtschaft und 30 Prozent öffentliche Hand. Dieses Zusammenspiel ist für den Forschungsplatz Schweiz essenziell. Der Bund tut gut daran, Vertrauen in die Innovationskraft der Unternehmen zu haben.

Benoît Revaz: In der Regel ist die Wirtschaft an Forschungsvorhaben interessiert, die bereits eine gewisse Reife erlangt haben und bei denen daher das Risiko überschaubar ist. Unsere Forschungsprogramme versuchen, Erkenntnisse aus Grundlagenprojekten aufzunehmen und zusammen mit Wirtschaftspartnern in anwendungsorientierten Forschungsprojekten weiterzuentwickeln. Um in dieser kritischen Phase der Technologieentwicklung die Erfolgschancen zu steigern, steht der Bund auch hier mit spezifischen Instrumenten den Akteuren zur Seite. Zum Beispiel mit dem Programm für Pilot und Demonstrationsanlagen oder mit dem Technologiefonds.

Wie arbeiten Wirtschaft und öffentliche Forschung zusammen?

Rudolf Minsch: Entscheidend ist der Transfer über die Köpfe – dass gut ausgebildete Leute direkt den Weg von der Hochschule in die Wirtschaft finden. Ausserdem arbeiten die Projektpartner auf Augenhöhe zusammen. Wenn Forschende aus der Privatwirtschaft mit Forschenden aus der Hochschullandschaft kooperieren, profitieren beide. Letztlich läuft der Wissenstransfer auch über Spin-offs: Aus der Hochschullandschaft heraus werden Unternehmen gegründet, die auf dem Markt alleine weiterwachsen oder von bestehenden Playern gekauft werden. Die Themen in der Wissenschaft, sind ja vielfach hoch spezialisiert. Deshalb ist die Zusammenarbeit über die institutionellen Grenzen hinweg so wichtig

Welche Projekte sind vielversprechend?

Benoît Revaz: Wir besprechen die Forschungsvorhaben intensiv mit den Antragstellern. Dies um sicherzustellen, dass am Ende verwertbare Resultate vorliegen, die die Ziele der Energiestrategie unterstützen. Die Projekte, die wir fördern, sind daher mehrheitlich vielversprechend. Aktuelle Beispiele im Bereich der Fotovoltaik sind die Bifacial-Module. Diese Module könnten mittelfristig dazu führen, dass auch im hochalpinen Raum die Fotovoltaik Fuss fasst und einen Beitrag an die wichtige Winterproduktion leistet. Weitere vielversprechende Projekte werden in den Bereichen Elektrifizierung der Mobilität, der synthetischen Treibstoffe und der Wasserstofftechnologien vorangetrieben. Die Forschung ist auch in den Bereichen Negative Emissionstechnologien und SmartGrid gefordert. Die Digitalisierung ist zudem heute bei fast allen Projekten ein relevanter Aspekt.

Was wünscht sich Ihr Bundesamt von der Wirtschaft?

Benoît Revaz: Das BFE fördert Forschungsprojekte, die am Ende etwas bewirken und umgesetzt werden sollen. Hier wünschen wir uns natürlich, dass Industrie und KMU die Resultate aufgreifen und in effizientere Prozesse, Geräte oder Anlagen umsetzen. Oder dass sie mit den Resultaten die Ausbeute bei der erneuerbaren Energieproduktion erhöhen. Über unser Pilot- und Demonstrationsprogramm können wir die Wirtschaft unterstützen, die Erkenntnisse im grossen Massstab auf ihre Machbarkeit zu testen.

Was wünscht sich die Wirtschaft generell von der Verwaltung?

Rudolf Minsch: Dass sie das Reduktionsziel der Wirtschaft definiert und es der Wirtschaft überlässt, wie sie es erreicht. Wir wollen nicht, dass uns Politik und Verwaltung den Weg minutiös vorschreiben. Die Unternehmen wollen und brauchen Spielraum in der Umsetzung. Die ökologischen Massnahmen müssen für die Unternehmen betriebswirtschaftlich möglich und sinnvoll sein. Die Ergebnisse unserer Arbeit in den vergangenen 20 Jahren geben uns recht, dass diese Arbeitsteilung zielführend ist.

Manchmal macht es die Politik der Wirtschaft nicht einfach. Wie bei der Revision des CO2-Gesetzes, die sich endlos in die Länge zog – was manchen Unternehmer über die Planungsunsicherheit verzweifeln liess. Denn die zweite Verpflichtungsperiode läuft Ende 2020 aus.

Rudolf Minsch

Welches Fazit ziehen Sie aus den ersten beiden Perioden?

Benoît Revaz: Die CO2-Abgabe ist eine Lenkungsabgabe. Die Umsetzung ist sehr einfach. Die Rückerstattung der CO2-Abgabe als flankierende Massnahme verursacht hingegen einen relativ grossen Aufwand. Positiv dabei ist, dass die Unternehmen für die Optimierung des Energieverbrauchs durch Energieberater begleitet und sensibilisiert werden.

Rudolf Minsch: Wirtschaft und Industrie haben viel geleistet. Wir haben geliefert. Verlässlich und mehr, als wir mussten. Der Erfolg beruht auf dem Zusammenspiel von freiwilliger Zielvereinbarung in Kombination mit Lenkungsabgabe, mit der Umsetzung von wirtschaftlichen Massnahmen und Zusammenarbeit von Unternehmen in langfristigen Effizienznetzwerken. Dies hat eine positive Dynamik ausgelöst und bewirkt, dass Unternehmen motivierte Energiesparer werden. Die gute Stimmung sollten wir unbedingt mitnehmen. Die Firmen wollen, aber sie wollen auch die Freiwilligkeit beibehalten. Ein Unternehmer kann und soll entscheiden, eine Zielvereinbarung abzuschliessen, er darf aber nicht dazu gezwungen werden.

Tut er es nicht, bringt er sich um die Möglichkeit, die CO2-Abgabe rückerstattet zu bekommen.

Rudolf Minsch: Es bleibt aber seine freiwillige Entscheidung. Das macht sehr viel aus und ermöglicht ein ganz anderes Commitment. Mit der Zeit sehen die Unternehmen, dass die Massnahmenumsetzung auch dort etwas bringt, wo sie gar nicht daran gedacht haben. Das löst die Dynamik aus.

Was dazu führt, dass die Gesetzten Ziele übererfüllt werden – ist das Ihr grösstes Learning aus den ersten beiden Perioden?

Rudolf Minsch: Ja, das ist das Wichtigste. Dieser Mechanismus wird in der Verwaltung teilweise missverstanden. Sie denken, es ginge nur um die Rückerstattung der Abgabe, um deren Lenkungseffekt. Aber nach unserer Erfahrung ist es nicht so. Klar, eine Verteuerung von Energie bewirkt etwas. Viel wichtiger ist aber, mitarbeiten zu können, um die Steuer zurückzubekommen, und dann noch mehr zu machen. Beim Mitmachen kommt der Plausch an den multiplen Benefits.

Welches ist für das BFE das grösste Learning?

Benoît Revaz: Die Regelungen müssen so einfach wie möglich ausgestaltet werden. Über die Jahre haben sich die Anforderungen aus der CO2– und Energiegesetzgebung etwas auseinanderentwickelt. Damit der Vollzug einfacher wird, müssen die Regelungen wieder vereinheitlicht werden.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Behörden in der dritten Verpflichtungsperiode aus?

Benoît Revaz: Die bisherige Aufgabenteilung zwischen den Behörden und der Wirtschaft soll weitergeführt werden. Die Wirtschaft spielt unter der Aufsicht der Behörden eine nach wie vor wichtige Rolle. Wegen der voraussichtlich grösseren Anzahl Zielvereinbarungen und Verminderungsverpflichtungen wird es sogar so sein, dass der Wirtschaft bezüglich der Qualitätssicherung eine viel grössere Rolle als bisher zukommt. Die Wirtschaft muss selbst dafür sorgen, dass die Zielvereinbarungen eine gute Qualität aufweisen. Nur so kann auch die Glaubwürdigkeit der Zielvereinbarungen erhalten bleiben oder sogar gesteigert werden.

Rudolf Minsch: Wir spüren, dass vergessen gegangen ist, wie das Zielvereinbarungssystem entstanden ist: als private Initiative von der Wirtschaft für die Wirtschaft, in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Bund – es war eine gelebte Public Private Partnership (PPP). Wir haben Instrumente vorgeschlagen und dann haben wir uns verständigt. Die Behörden haben die Bedürfnisse der Wirtschaft berücksichtigt und den Unternehmen den nötigen Spielraum für die Zielerreichung zugestanden. Dieses Verständnis hat etwas abgenommen. Um effektiv am Netto-Null-Ziel zu arbeiten, sollten wir dahin zurückfinden.

Welche Rolle spielen die Umsetzungsorganisationen?

Benoît Revaz: Es wird nach wie vor Leistungserbringer aus der Privatwirtschaft geben, die einen Grossteil der Arbeiten übernehmen werden. Wer welche Aufträge erhalten wird, ergibt sich aus den Beschaffungsverfahren. Das BFE ist als zentraler Teil der Bundesverwaltung dem Beschaffungsrecht unterstellt und muss die Beschaffungen entsprechend vornehmen.

Rudolf Minsch: Ich kann nur für die EnAW sprechen. Wir sind die Ansprechpartnerin für die Unternehmen und moderieren zwischen Wirtschaft und Staat. Wir erarbeiten mit den Unternehmen die Zielvereinbarung und zeigen auf, mit welchen Massnahmen dieses Ziel zu erreichen ist. Auch nach Abschluss der Zielvereinbarung sind wir für die Unternehmen da und begleiten sie. Mit unseren Tools monitoren wir, ob die Zielvereinbarung eingehalten wird, oder ob zusätzliche Massnahmen nötig sind. Für die Unternehmen sind wir eine Vertrauensinstitution. Wir behandeln die Daten über ihre Energiesituation vertraulich und liefern der Behörde die Zielvereinbarungsdaten – korrekt und plausibilisiert. Wir sind überzeugt, dass viele Unternehmen extrem zurückhaltend wären, ihre Datenflüsse offenzulegen, wenn der Staat das direkt machen würde.

Wie geht es weiter, wenn das CO2-Gesetz scheitern sollte?

Rudolf Minsch: Kommt das Referendum zustande und sagt die Bevölkerung Nein, muss sofort gehandelt werden, um die Rechtssicherheit wiederherzustellen. Was gilt jetzt? Wird das alte Gesetz verlängert? Da besteht rascher Klärungsbedarf.

Wie rasch kann die Rechtssicherheit wiederhergestellt werden?

Benoît Revaz: Zurzeit gibt es Rechtssicherheit. Das revidierte CO2-Gesetz soll nach dem Zwischenjahr mit der Übergangsregelung Anfang 2022 in Kraft treten. Falls das CO2-Gesetz an der Urne scheitern sollte, ist es im Wesentlichen Sache des Gesetzgebers, Lösungen zu finden. Die Wirtschaft müsste ein grosses Interesse haben, dass das revidierte CO2-Gesetz rechtzeitig in Kraft tritt. Damit lässt sich die Rechtssicherheit am besten aufrechterhalten.

Der dominierende Verwendungszweck von Brennstoffen in der Industrie, die Prozesswärme, spielt bei der Dekarbonisierung bisher nur eine Nebenrolle. Fünf Schritte, wie der Prozessenergieverbrauch markant reduziert und auf CO2-freie Energieträger umgestellt werden kann.

In den nächsten 30 bis 50 Jahren sollen Wirtschaft und Gesellschaft unter dem Strich keine Klimagase mehr emittieren, so das Ziel der Schweizer Netto-Null-Klimapolitik. In vielen Szenarien und Instrumenten, die sich auf die Realisation der Dekarbonisierung in diesem Zeitfenster beziehen, wird die industrielle und gewerbliche Prozesswärme am Rande oder gar nicht erwähnt. Dies, obwohl Prozesswärme der dominierende Verwendungszweck von Brennstoffen in der Industrie ist. So beträgt der Anteil an Prozesswärme bei den Unternehmen der EnAW deutlich mehr als zehn Terrawattstunden pro Jahr und dürfte um die 70 Prozent des industriellen Brennstoffverbrauchs aller EnAW-Teilnehmer ausmachen. Wird die Prozesswärme also vernachlässigt? Die Dekarbonisierung von Prozessen und der Prozesswärme ist für einen Grossteil der Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten eine Herausforderung. Aber wenn die Bereitstellung und Anwendung von «zukunftstauglicher» Prozesswärme clever, differenziert, systematisch und vorausschauend angegangen wird, ist die Dekarbonisierung realistisch. Weil aber die Massnahmenumsetzung teilweise Jahrzehnte dauert, sollte die Planung nicht auf die lange Bank geschoben werden.

FÜNF-SCHRITTE-PLAN

Die langfristig CO2-freie Produktion erfordert Massnahmen und Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen. Der Prozessenergieverbrauch kann durch Effizienzsteigerungen, Wärmerückgewinnung in und zwischen den Prozessen, Prozessoptimierungen, Prozessumstellungen, Produktanpassungen und Mehrfachverwendung der Rohstoffe (Kreislaufwirtschaft) und Abwärmenutzung zwischen Betrieben minimiert werden. Die erforderlichen Temperaturen für die Produktion können durch Prozess- und Produktanpassungen gesenkt werden. Der verbleibende Wärmebedarf kann durch CO2-freie oder CO2-arme Energieträger gedeckt werden. Fünf Schritte sind bei der Umsetzung einer CO2-freien Produktion Erfolg versprechend:

1. Effizienzsteigerungen
Insbesondere bei der Umsetzung von Massnahmen in den Prozessen ist das Potenzial für die Reduktion des CO2-Ausstosses durch Effizienzverbesserungen immer noch hoch. Durch Betriebsoptimierungen, den Einsatz verbesserter Technologien und Innovationen, prozessinterne Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung mit PinCH-Design können die Emissionen heruntergefahren werden. Die Effizienzsteigerungsmassnahmen für den klimaschonenden Einsatz von Prozesswärme und Prozessen sind für viele Betriebe häufig auch die kosteneffizientesten Massnahmen.

2. Übergreifende Nutzungen und Netze
Durch die Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung über einzelne Produktionsstandorte hinaus kann weiteres Potenzial zur Emissionsreduktion erschlossen werden. Durch Nah- und Fernwärmenetze können Wärme und Kälte zwischen verschiedenen Prozessen und Industrien genutzt werden. Die Herausforderungen bei der Umsetzung stellen sich bei der räumlichen Planung der übergreifenden Nutzungen und Netze bzw. der geografischen Distanz der potenziell angeschlossenen Unternehmen. Wärmenetze setzen ausserdem eine langfristige Planung voraus und bedingen hohe Investitionen, welche die Unternehmen der angeschlossenen Standorte teilweise finanziell nicht tragen können. Zudem schaffen übergreifende Nutzungen und Netze Abhängigkeiten zwischen den Betrieben, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. So kann zum Beispiel ein Pfannenhersteller eine Gemeindeverwaltung, ein Altersheim, Teile der Schulanlagen und private Liegenschaften mit Wärme versorgen. Da nicht nur Partnerunternehmen vorhanden sein müssen, sondern häufig auch eine öffentliche Infrastruktur Voraussetzung ist, sind zudem Rechts- und Planungssicherheit sowie ein gutes Einvernehmen mit den Behörden unabdinglich.

3. Prozessumstellungen
In vielen Fällen können Prozesse auf weniger hohe Temperaturanforderungen, oft verbunden mit einem geringeren Energiebedarf, umgestellt werden. Solche Prozessumstellungen können sich lohnen, aber auch teuer und risikobehaftet sein. Entsprechend ist hier eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Begründungen wie: «wir lassen es so – so hat es immer funktioniert» oder «lass die Finger von den Einstellungen, das habe ich von meinem Vorgänger so übernommen» sind häufige und nachvollziehbare Reaktionen. In die Black-Boxen der Prozesse hineinschauen und dafür das nötige interne oder externe Fachwissen einsetzen, gewisse Risikobereitschaft und -fähigkeit, viel Innovation, Forschung und Entwicklung spielen für emissionsreduzierende Prozessumstellungen eine wichtige Rolle. Möglicherweise braucht es darüber hinaus Instrumente zur Absicherung von Risiken, um die Umsetzung von emissionsreduzierenden Prozessumstellungen anzustossen. Dies könnten Risikogarantien für grosse Technologiesprünge sein.

4. Produktumstellungen
Produkte können durch andere Produkte ersetzt werden, welche gleiche oder ähnliche Funktionen erfüllen, aber weniger Prozesswärme oder tiefere Temperaturen in der Produktion erfordern. Produktumstellungen werden auch umgesetzt, um die Materialien ressourcenschonender einzusetzen oder um die Materialien am Lebensende der Produkte besser zu trennen und zu rezyklieren.

5. Substitution Energieversorgung durch erneuerbare Energien
Selbst wenn die bisher beschriebenen vier Ansätze zur Reduktion von Emissionen ausgereizt sind, wird noch ein grosser Bedarf an Prozesswärme auf verschiedenen Temperaturniveaus bestehen bleiben. Dieser Bedarf sollte möglichst mit CO2-freien Energieträgern gedeckt werden können. Die wesentlichen Herausforderungen bei den erneuerbaren Energien sind die Verfügbarkeit, die Gleichzeitigkeit, das Temperaturniveau, die Preisentwicklung sowie die nachhaltige Produktion von Biogas sowie synthetischen Gasen und Flüssigbrennstoffen aus erneuerbaren Quellen. Diese Reihenfolge obiger Massnahmenschritte ist, ähnlich wie im Gebäudebereich, theoretisch zu verstehen: Zuerst die Gebäudehülle optimieren und dann die neue Heizung mit erneuerbaren Energien betreiben. In der Praxis ist es oft anders, nicht zuletzt wegen der verschiedenen Lebenszyklen der Bauteile. Setzen die Unternehmen bei den Prozessen und der Prozesswärme an, sollte in jedem Fall mit den Effizienzsteigerungen begonnen werden. Weitere Massnahmenschritte können dann situationsbedingt eine unterschiedliche Reihenfolge einnehmen.

EINFACH ODER SCHWIERIG? ES KOMMT DARAUF AN.

Die Dekarbonisierung der Prozesswärme ist nicht immer ganz einfach. Das lässt sich anhand von drei Beispielen gut aufzeigen. Eine genossenschaftlich organisierte Käserei in einer ländlichen Gegend am Rande einer Gewerbezone kann recht unkompliziert auf eine Schnitzelfeuerung mit Holz aus dem lokalen Forst umstellen. Allenfalls ist auch bereits eine Fernwärmeversorgung oder ein lokaler Wärmeverbund in der Nähe. Grund- und Spitzenlast würde wohl mit dem gleichen Kessel oder den Verbund abgedeckt werden. Holzkessel können ihre Leistung heute zwischen 100 bis 30 Prozent dem Bedarf anpassen. Die Käserei ist auf einen Schlag CO2-frei – so einfach kann es gehen. Rund 150 Käsereien, die von der EnAW bei der Umsetzung ihrer Dekarbonisierungsziele begleitet werden, haben das so gemacht, darunter auch grosse Unternehmen.

Die Dekarbonisierung von Prozessen und der Prozesswärme ist eine Herausforderung.

Etwas schwieriger könnte es in einer Gärtnerei werden. Nachts isolieren Energieschirme das Gewächshaus. Frühmorgens, wenn bei Sonneneinstrahlung die Energieschirme über den Kulturen eingezogen wird, entsteht kurzfristig eine grosse Spitzenlast. Mit einer Abwärmenutzung oder einer Erdsonden- bzw. Grundwasser-Wärmepumpe könnte dieser kurzfristige Energiebedarf nur über grosse Speicher bewerkstelligt werden. Ohne Speicher müsste zusätzlich ein Spitzenkessel zum Beispiel mit Biogas zum Einsatz kommen. Zudem muss die oben genannte Energiequelle überhaupt vorhanden und nutzbar sein. Allenfalls drängt sich gar eine Kulturumstellung auf oder die Gärtnerei fängt später im Jahr mit der Produktion an. Derartige Umstellungen können für einzelne Unternehmen einschneidend sein, sodass die Dekarbonisierung bei der Prozesswärme schon nicht mehr ganz so einfach ist.

Für einen Chemiebetrieb in urbaner Umgebung mit einer Vielzahl von kontinuierlichen und nichtkontinuierlichen Prozessen und sehr verschiedenen Temperaturanforderungen in den Prozessen wird es nochmals deutlich schwieriger. Grundsätzlich sollte nicht die höchste Temperaturanforderung auf dem Gelände dazu führen, dass das ganze Areal auf diesem hohen Temperarturniveau versorgt wird. Denn das verhindert nicht selten die Wärmerückgewinnung innerhalb der Prozesse, die Abwärmenutzung, ein mögliches Anergienetz, die Nutzung von Umweltenergie mittels Wärmepumpen oder die Verwendung von Solarthermie zur Vorwärmung oder Vollversorgung. Oftmals wird das Areal zentral durch eine einzige Heizzentrale mit einem Dampf- oder Heisswassernetz versorgt. Die hochtemperaturigen Wärmetauscher bei den Verbrauchern werden folglich klein dimensioniert. Dadurch können solche Netze später nicht ohne grössere Umrüstungen auf tiefere Temperaturen umgestellt werden, weil bei niedrigen Temperaturen die Wärmetauscherflächen grösser sein müssen.

Es bleiben Prozesse, die nur schwer dekarbonisiert werden können.

WAS IST ZU TUN?

Eine Aufteilung in Versorgungs-Cluster nach Temperaturniveaus und Betriebszeiten mit unterschiedlichen Wärmeerzeugern wäre für viele Unternehmen sinnvoll. Die Erzeugung von Raumwärme sollte möglichst von der Prozesswärme getrennt werden. Ein gut saniertes Gebäude kann heute mit einer Vorlauftemperatur von 35 Grad Celsius bedient werden. Da braucht es keine Ölfeuerung, keine Gasheizung und auch keine Holzfeuerung. «Hochtemperatur-Energieträger» sollten Hochtemperaturanwendungen vorbehalten sein (keine Raumwärme, kein Warmwasser). Störend ist auch, wenn Grossanlagen zur Verstromung von Holz die entstehende Wärme nicht vollständig nutzen. Die Ressource Holz als Energieträger wird knapp werden.

Etwas Licht am Ende des Tunnels bringt die hoffentlich zunehmende Verfügbarkeit von Biogas sowie synthetischen Gasen und Flüssigbrennstoffen aus erneuerbaren Energien. Mit ihnen können hohe Temperaturen erzeugt werden. Sie sind deshalb gezielt dort einzusetzen, wo es hohe Temperaturen braucht und sie sind nachhaltig zu produzieren. Auch Fortschritte bei der Hochtemperatur-Wärmepumpe sind wichtig. Letztlich bleiben aber Prozesse, die nur schwer dekarbonisiert werden können. Dazu gehören Prozesse in der Petrochemie und solche, die geogene Emissionen freisetzen wie das Kalkbrennen.

HEUTE FÜR MORGEN PLANEN

Basierend auf dem oben beschriebenen 5-Schritte-Plan zeigen die Beraterinnen und Berater der EnAW den interessierten Unternehmen zugeschnitten auf die Situation des Betriebs auf, welche Massnahmen über die nächsten 30 Jahre freiwillig ergriffen werden können, um Prozesse und Prozesswärme so weit wie möglich emissionsfrei zu gestalten. PinCH-Analysen, wie sie auch vom Bund finanziell unterstützt werden, werden ein Schlüssel bei der Identifikation von Wärmerückgewinnung und Prozessumstellung sein. Die Massnahmen- und Kostenplanung sollte zwingend mit Life Cycle Cost-Betrachtungen (LCC) gemacht werden. Bei der entsprechenden Massnahmenplanung sollten auch die möglichen «non energy benefits» aufgezeigt werden, weil Teile der Massnahmen nach heutigen Gesichtspunkten und Rahmenbedingungen sonst nicht wirtschaftlich sein dürften. Mit «non-energy benefits» sind Effekte gemeint, die zusätzlich zu den Energiekosteneinsparungen wirken. Anstoss, diese Planungsdienstleistung der EnAW in Anspruch zu nehmen, könnten anstehende grosse Investitionen in Produktionslinien oder Produktionsstandorte sein oder das Interesse, Handlungsoptionen zu erkennen. Die Zukunft planen, eben! Mehr als 200 Unternehmen, die von der EnAW begleitet werden, haben die Dekarbonisierung in der Prozesswärme in Angriff genommen und eine umfassende Planung erstellen lassen oder setzen entsprechende Massnahmen bereits um. Andere haben das noch vor sich. «Geht nicht» geht gar nicht, würde Jacqueline Jakob sagen. Die vielen Praxisbeispiele in diesem Magazin zeigen, was möglich ist und wo die Herausforderungen liegen

«Erfahrungsgemäss übersteigt der Ertrag aus den Effizienzmassnahmen die Kosten für die Teilnahme am KMU-Modell um ein Vielfaches.» – Thomas Weisskopf, Co-Geschäftsführer, Energie-Agentur der Wirtschaft

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Thomas Weisskopf

Co-Geschäftsführer

«Kennen Sie schon? – Probieren Sie mal!»

Hin und wieder passiert es, dass ich im Warenhaus mit der Frage «Kennen Sie schon?» gestoppt werde. Normalerweise ziehe ich mit Wichtigerem im Kopf weiter. Manchmal bleibe ich aber stehen, nehme mir die Zeit, höre zu und gehe informiert und begleitet von einem aufmunternden «Probieren Sie mal!» mit einem «Crememüsterli» in der Tasche nach Hause. Einige Tage später stelle ich fest: Das Produkt hat multiple Benefits. Es tut gut, riecht gut, steigert Wohlbefinden und Lebensfreude. Ja, ich gebe es zu: Hin und wieder kehre ich zurück und leiste mir die grosse Tube. Mein Fazit: Die professionelle und sympathische Beratung und ein starkes Produkt haben bei mir Wirkung ausgelöst!

EnAW-Beraterinnen und -Berater lösen eine ähnliche Wirkung aus. Durch die auf die Umsetzung von Massnahmen fokussierte Begleitung realisieren die Unternehmen, dass Effizienzmassnahmen für die Umsetzung der Zielvereinbarung multiple Benefits bringen. Das löst den Wunsch nach mehr aus.

Die Zielvereinbarung ist die Initialzündung für diesen Prozess. Der Erfolg beruht auf dem Zusammenspiel von Freiwilligkeit in Kombination mit Lenkungsabgabe, Umsetzung von wirtschaftlichen Massnahmen und der Zusammenarbeit der Unternehmen in langfristigen Effizienznetzwerken. Das hat eine positive Dynamik für die Dekarbonisierung ausgelöst, so der EnAW-Präsident Rudolf Minsch im Gespräch mit dem Direktor des Bundesamts für Energie, Benoît Revaz. Die multiplen Benefits und der persönliche Wissenstransfer in den Gruppensitzungen bewirken, dass Unternehmen motivierte Energiesparer werden.

Diese positive Stimmung mitnehmen und die qualitativ hochstehende und unkomplizierte Beratung sowie die Multiplikatoreffekte der Gruppendynamik zu garantieren, das ist unser Ziel. Sagt der eine CEO zum anderen: «Kennen Sie die Vorteile der Effizienzmassnahme XY schon? – Probieren Sie mal. Wir haben allerbeste Erfahrungen gemacht.»

Jacqueline Jakob, Geschäftsführerin EnAW

Die Tage werden kürzer, die ersten Weihnachtsguetzli stehen in den Läden und die Winterjacken finden wieder Einzug in die Garderoben. Der Winter und damit auch die Heizsaison stehen vor der Tür. Für viele Betriebe ist diese Jahreszeit teuer, denn die Heizkosten beanspruchen die Ressourcen der Unternehmen. Wie Sie in der kalten Saison mit wenig Aufwand Energie und damit Kosten einsparen können, verraten wir Ihnen mit den folgenden 10 Tipps

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  1. Optimale Betriebszeiten
    Legen Sie die Betriebszeiten der Heizung richtig fest, indem Sie am Heizungsregler kontrollieren, ob die Nachtabsenkung gemäss Gebäudetyp, Heizungsart und Arbeitszeiten bedarfsgerecht eingestellt ist. Durch exakte Anpassung der Nachtabsenkung auf die Nutzungszeiten des Gebäudes kann der Brennstoffverbrauch um bis zu 5 Prozent gesenkt werden.
  2. Richtige Heizkurve
    Stellen Sie die Heizkurve richtig ein. Überprüfen Sie, ob sie während des Sommers verstellt wurde. Die letzte Einstellung sollte in Ihrem Anlage-Ordner notiert sein. Wie Sie die Einstellung der Heizkurve an Ihrem Regler korrigieren, steht in der Betriebsanleitung.
  3. Brennerservice
    Prüfen Sie, ob der Brennerservice während der Sommermonate durchgeführt wurde, ob der Rapport vorhanden ist und ob der Service im Anlageordner-Kontrollheft eingetragen wurde. Falls der Service nicht durchgeführt wurde, lassen Sie ihn möglichst umgehend nachholen.
  4. Druck kontrollieren und entlüften
    Kontrollieren Sie den Druck im Heizsystem und ob die Heizkörper entlüftet sind. Sehen Sie dafür nach, ob der Zeiger des Druckmeters im Soll-Bereich liegt. Bei zu niedrigem Druck müssen Wasser nachgefüllt und die Heizkörper entlüftet werden.
  5. Nicht genutzte Räume
    Stellen Sie Heizkörper in nicht genutzten Räumen aus. Stellen Sie die Heizung in diesen Räumen auf die Position «* / Frostschutz». Auf diese Weise verhindern Sie Frostschäden.
  6. Gegenstände entfernen
    Entfernen Sie Gegenstände, die die Wärmeabgabe behindern. Beispielsweise Möbel, die vor den Heizkörpern platziert sind, Vorhänge, die über den Heizkörper hängen oder Abdeckungen vor den Heizkörpern.
  7. Thermostatventile richtig einstellen
    Stellen Sie die Thermostatventile an den Heizkörpern auf die gewünschten Sollwerte ein und blockieren Sie die Einstellung. Als Richtgrösse können die Einstellungen auf dem Thermostatventil der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
  8. Datenerfassung
    Erfassen Sie die Brenner-Betriebsstunden periodisch. Anhand der jährlichen Brennerlaufzeit und der Anzahl Startimpulse kann abgeschätzt werden, ob die Brennerleistung richtig eingestellt und ob der Heizkessel richtig dimensioniert ist.
  9. Wärmezähler
    Sofern Wärmezähler installiert sind, notieren Sie diese Daten in regelmässigen Abständen, bspw. monatlich. So können Sie den Verlauf des Wärmeverbrauchs kontrollieren und Unregelmässigkeiten frühzeitig erkennen.
  10. Wir helfen Ihnen
    Stimmen Sie Ihr Gebäude und Ihre Prozesse optimal auf den Betrieb ab. Bei einer systematischen Betriebsoptimierung in Ihrem Betrieb hilft Ihnen Ihr EnAW-Berater gerne weiter.

Kommen Sie gut durch den Winter!

Mozzarella, Mascarpone, Quark und… Energieeffizienz? FOKUS KMU – Die Sendung für Wirtschaft & Gesellschaft widmet sich wichtigen Themen und spannenden Geschichten rund um Schweizer KMU. So auch in der Sendung vom 5. Oktober. Im Fokus steht ein wahrer Exportchampion und dessen Energieeffizienz.

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«Als Familienunternehmen wollen wir stets nachhaltig wirtschaften und langfristige Entscheidungen treffen», erklärt Markus Züger von der Züger Frischkäse AG. Die Entscheidung, über die EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund abzuschliessen, sei eine davon gewesen. Die effiziente Nutzung von Abwärme, das Investieren in eine Holzschnitzelfeuerung oder das Umsetzen von Massnahmen, die sogar über die Zielvereinbarung hinausgehen – die Zügers sind im Energiebereich fleissig und profitieren bei Letzterem vom Programm Effizienz+ der EnAW. Tom Pesenti, EnAW-Berater des Unternehmens erklärt: «Es gibt in vielen Firmen Einsparpotenzial im Bereich der Elektrizität, das wirtschaftlich knapp nicht realisierbar ist.» Dafür hat die EnAW das Programm Effizienz+ geschaffen. Ganze zehn zusätzliche Strommassnahmen konnte die Züger Frischkäse AG dank diesem Programm bereits umsetzen.

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