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BESTNOTE FÜR DAS
ENERGIE-MANAGEMENT

Die Universität St. Gallen betreibt Lehre und Forschung auf höchstem Niveau. Abschreiben kommt aber nicht infrage – erst recht nicht bei der energetischen Betriebsoptimierung, denn: Die traditionsreichen Gebäude auf dem Rosenberg stehen unter Denkmalschutz. Herkömmliche Lösungen können deshalb meist nicht übernommen werden. In Zusammenarbeit mit der EnAW meistert die HSG seit 2014 aber auch diese Prüfung mit summa cum laude.

Die Umstellung auf LED stellte aufgrund der denkmalgeschützten Gebäude an der Universität St. Gallen eine Knacknuss der besonderen Art dar.

Donnerstag, 10 Uhr. Der Pausengong erklingt, Studierende strömen aus den Hörsälen und steuern den nächstgelegenen Kaffeeautomaten an. Es herrscht ein normaler Semesterbetrieb an der Universität St. Gallen. Was 1898 als Handelsakademie seinen Anfang gefunden hat, ist heute eine renommierte und international vernetzte Universität mit 8600 Studierenden und 3200 Angestellten. Was wohl die Wenigsten zur Kenntnis nehmen: Die Lampen im Foyer, die während der Unterrichtszeit gedimmt sind, werden pünktlich zur Pause – wenn das Licht am meisten gebraucht wird – heller. Eine technische Massnahme, die Energie spart und die Studierenden betreffend Nachhaltigkeit sensibilisiert – ein Meisterstreich in Sachen Effizienzsteigerung also. Der Meister hinter dem Streich? Markus Steiner, stellvertretender Sicherheitsverantwortlicher und Leiter Bau und Technik. Er ist für den Betrieb aller Gebäude, das Energie-Management und für die ganze Haustechnik zuständig und wird dabei tatkräftig von der EnAW unterstützt. Er weiss: «Das Energie – Management ist eine Wissenschaft für sich.»

WIE AUS DEM LEHRBUCH

«Wie es das Lehrbuch der Betriebsoptimierung so schön sagt, beginnt man bei der Primärenergie», erklärt Steiner und erwähnt die Energieverteilung, die Lüftung und die Heizungsregelung. Das sei grundsätzlich eine einfache Rechnung, so der EnAW-Berater Thomas Sommer. Denn mit der Optimierung von Erzeugern reduziere man automatisch auch den Energieverbrauch und CO2-Ausstoss. So wurde in Zusammenarbeit mit der EnAW alles bis ins kleinste Detail erfasst, sämtliches Einsparungspotenzial aufgeführt und diverse Massnahmen umgesetzt. Beispielhaft für die energetische Betriebsoptimierung ist die Wärmeerzeugung in der Sporthalle: Mittels Kaskadierung, dem optimalen Zusammenschalten zwischen Heizkessel und Wärmepumpe, konnte diese optimiert werden. «Hier haben wir mit relativ geringem Aufwand kostenmässig und energetisch sehr viel herausgeholt», konkretisiert der Energieverantwortliche. Das zeigen auch die Zahlen: Allein durch diese Optimierung spart die HSG in der Sporthalle zwei Drittel des Erdgasverbrauchs ein. Das entspricht jährlichen Einsparungen von 45 000 Kilowattstunden.

KEINE 0815-LÖSUNG

Aufwändiger gestaltete sich die ganzheitliche Umstellung auf LED, da das Gebäude, das seit 1963 auf dem Rosenberg oberhalb der Stadt thront, unter Denkmalschutz steht. «Es darf, überspitzt gesagt, kein Nagel in die Wand eingeschlagen werden, ohne dies mit den Denkmalschützern anzuschauen», so Steiner. Aus exakt diesem Grund können keine 0815-Lösungen realisiert werden. Das ruft nach Innovation und Fleissarbeit, denn ohne diverse Evaluationen und Testläufe vor der Umsetzung geht es nicht. In Nachteinsätzen hat das Team um Steiner während einiger Monate die rund 3500 Leuchten ausgetauscht, optimal eingestellt und so die gesamte Beleuchtung auf dem Campus auf LED umgerüstet, Spezialanfertigungen für die Bibliothek inklusive. Klingt einfacher, als es ist: Die Realisierung einer so grossen Massnahme unter erschwerten Bedingungen erfordere Know-how, Manpower, Zeit und Ressourcen. Und nicht nur das: «Ohne Begeisterung und Überzeugung kann man bei so grossen Projekten nicht mit Erfolg rechnen.» Gerechnet hat es sich aber allemal: Die Umstellung auf LED resultierte in einer Stromeinsparung von über 500 000 Kilowattstunden. Das entspricht über 20 Prozent des totalen Stromverbrauchs auf dem HSG-Campus und der durchschnittlichen Stromversorgung von 100 Einfamilienhäusern.

WISSENSQUELLE AUSTAUSCH

Nicht minder relevant für den Erfolg sind die Fördermittel von ProKilowatt, die den Austausch der Leuchtmittel erst wirtschaftlich machten. «Wir sind eine Wirtschaftsuniversität», so Steiner. Eine wirtschaftliche Betriebsoptimierung werde deshalb grossgeschrieben. Die beträchtlichen Einsparungen sind aber nicht zuletzt der Wirtschaftlichkeits-Kosten-Rechnung zuzuschreiben, welche Steiner bei jeder Massnahme durchführt. Dieses Engagement und die Kompetenz des Energieverantwortlichen weiss auch EnAW-Berater Sommer zu schätzen: Das Thema Energieeffizienz werde sehr kompetent und eigenverantwortlich gehandhabt. «Durch Betriebsoptimierungsmassnahmen, deren Wirkung durch Messungen plausibilisiert wurden, sowie durch das grossflächige Umstellen auf LED haben sie grosse Einsparungen erreicht», resümiert er. Die fruchtbare Zusammenarbeit wird auch vonseiten der Universität geschätzt. «Gerade wenn Formen der Betriebsblindheit auftreten, steht uns Herr Sommer mit Rat und Tat zur Seite», sagt Steiner. Er zeige auf, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen – eine Wissensquelle, die man auch in Zukunft nicht missen möchte.

Im Schweizer Biotech-Unternehmen Idorsia werden neuartige Arzneimittel erforscht. Innovationswille und Pioniergeist sind da selbstverständlich – auch wenn es ums hauseigene Energie-Management geht. Unterstützt und betreut wird Idorsia dabei von der EnAW.

Teamwork für mehr Effizienz: Henning Peters mit seinem Mitarbeitern Christian Huber und Peter Bösch (von rechts nach links).

Das Empfangsgebäude von Idorsia ist nicht zu übersehen: Das farbige Firmenlogo prangt meterhoch an der Fassade, nebenan ein imposant verschachtelter Glasbau der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Wir sind bei Basel, genauer gesagt in Allschwil. Das Forschungsunternehmen Idorsia ist noch jung: Entstanden ist es 2017, als sich der Forschungs- und Entwicklungszweig der Actelion eigenständig machte. Heute zählt die Firma 750 Mitarbeitende in drei Ländern, Tendenz steigend. Einer von ihnen ist Henning Peters. Als ausgebildeter Architekt mit einem zusätzlichen Managementabschluss ist der gebürtige Freiburger heute bei Idorsia für die Immobilienentwicklung, das Facility-Management sowie für Gesundheitsschutz-, Sicherheits- und Umweltfragen verantwortlich. «Die meisten unserer Mitarbeitenden sind allerdings in der Forschung angestellt», erklärt er. Idorsia ist auf die Entdeckung und Entwicklung von niedermolekularen Wirkstoffen spezialisiert: «In dem Bereich wollen wir eines der führenden Unternehmen in Europa werden», sagt Peters. Neuartige Arzneimittel sollen heute noch unbekannte Behandlungsmöglichkeiten eröffnen, zum Beispiel bei der Behandlung von Schlaflosigkeit.

EIN EINGESPIELTES TEAM

Zum Hauptsitz von Idorsia gehören einige ältere, vor allem aber auch topmoderne Gebäude. Eine Herausforderung für Peters: «Die Infrastruktur musste erst einmal zusammenwachsen.» Seit den Anfangsjahren gut zusammengewachsen ist auch sein Team: Zusammen mit seinen Mitarbeitern, dem Teamleiter Betrieb Christian Huber und Peter Bösch, dem Teamleiter der Infrastruktur, kümmert er sich auch ums Energie-Management bei Idorsia. Huber überwacht aus seinem Büro unter anderem die Datenvisualisierung, die sämtliche Energieflüsse des Geländes in Echtzeit darstellt. Das sind zum Beispiel Stromflüsse, Lufttemperaturen oder Maschineneinstellungen. Huber: «Sobald etwas nicht stimmt, sehen wir das in diesem System. Wir können die Energieflüsse detailliert messen und beobachten – auch die Wirksamkeit unserer Sparmassnahmen lässt sich hier sofort ablesen.» Dazu beigetragen habe vor allem die gründliche Analyse, welche anfangs durchgeführt wurde, meint Peters: «Wenn man einmal alles so genau vor Augen hat, kann man erst richtig damit anfangen, gezielt zu optimieren.» Dazu gehören beispielsweise Feineinstellungen der Lüftungs- oder Heizanlagen. Mithilfe dieser Technik kann der Einsatz von Energieressourcen wie Strom oder Gas geplant und im Endeffekt reduziert werden. Dass sich das auszahlt, zeigen die Daten: Einzig durch optimierte Heiz-, Kühl- und Lüftungseinstellungen konnten im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr rund 20 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden. Obwohl sie kein Produktionsbetrieb seien, haben Energiekosten in der Firma einen hohen Stellenwert, sagt Peters. «Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig, darauf sollen und wollen wir achten.»

MIT DABEI IM TEAM: DIE ENAW

Die passende Expertise holt sich das Idorsia-Team auch von aussen. Das Unternehmen hat sich zum Energie sparen verpflichtet und mit der Unterstützung der EnAW eine Universalzielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen. Damit ist das Unternehmen berechtigt, die jährlichen CO2-Abgaben zurückzufordern. Ein weiterer Vorteil: Im Kanton Basel-Landschaft wird gerade der Grossverbraucherartikel umgesetzt (siehe Infobox). Seit 2015 arbeitet Peters diesbezüglich mit EnAW-Berater Oliver Luder zusammen: «Mit der Zielvereinbarung in der Tasche ist die Idorsia optimal vorbereitet und erfüllt bereits sämtliche kantonale Detailvorschriften.» Den regelmässigen Austausch beschreibt Luder als eingespielt, zielgerichtet und kollegial. Auch Peters kann dem Prinzip der EnAW viel abgewinnen: Zuerst analysieren, dann visualisieren, entscheiden, umsetzen und überwachen – so arbeitet er selbst gerne. Die daraus resultierende Erfahrung findet er unersetzlich: «Mittlerweile wissen wir genau, in welche Richtung wir uns bewegen müssen.»

RESTE VERWERTEN

Eine definierte Massnahme war die Einführung des Energie-Monitorings. Eine weitere bezieht sich auf die Optimierung der hauseigenen Holzhackschnitzelheizung – das Herzstück der energieeffizienten Infrastruktur bei Idorsia. Die Verbrennung von Holzresten ist eine umweltfreundliche Alternative zu Ölheizungen. «Sobald diese Anlage optimal angepasst ist, kann die Idorsia in Allschwil hoffentlich bald ganz auf Heizöl verzichten», sagt EnAW-Berater Luder. Peters pflichtet bei: «Erstens wollen wir natürlich CO2 einsparen, das ist für uns ein toller Beitrag. Zweitens sparen wir mit der Umsetzung von wirtschaftlichen Massnahmen Ressourcen und damit auch Geld.» Zwei Fliegen mit einer Klappe oder wie Peters es formuliert: «Wenn unter dem Strich so viel dabei rauskommt, ist das für mich sehr befriedigend.»


UMSETZUNG DES GROSSVERBRAUCHERARTIKELS

Grossverbraucher sind Betriebsstätten mit einem jährlichen Wärmebedarf von mehr als 5 Gigawattstunden oder einem Elektrizitätsverbrauch von mehr als 0.5 Gigawattstunden. Gemäss kantonalem Energiegesetz können Grossverbraucher zu einer Verbrauchsanalyse und zur Realisierung von zumutbaren Massnahmen zur Verbrauchsoptimierung verpflichtet werden. Ist ein Unternehmen im Besitz einer mit der EnAW erarbeiteten Universalzielvereinbarung (UZV), werden die gesetzlichen Anforderungen für Grossverbraucher bereits erfüllt. Die UZV nimmt Rücksicht auf betriebliche Abläufe und ermöglicht es dem Unternehmen, die angestrebten Effizienzziele mit eigens für den Betrieb festgelegten Massnahmen zu erreichen.


Weitere Informationen

Seit 1999 baut er die Hotelgruppe Belvédère Hotels Scuol mit den Häusern Belvédère, Belvair und GuardaVal auf. 2018 wurde er zum Hotelier des Jahres gekürt. Kurt Baumgartner ist Gastgeber mit Herzblut. Neben ausgezeichnetem Service für den Gast glänzt der gelernte Koch vor allem mit Innovationskraft, Nachhaltigkeitsgedanken und einer grossen Portion Leidenschaft. Diese teilt er sich in Sachen Energie mit seinem Berater der EnAW, Daniel Schneiter – mit Erfolg.

Die Belvédère Hotels Scuol verbinden Tradition und Innovation. Drei Hotels, vier Restaurants und zwei Wellnessoasen laden zum Verweilen ein

«Allegra» hört man die Menschen am Bahnsteig von Scuol rufen. Verblüffend schön – begegnet man als Unterländer der ältesten Landessprache der Schweiz, Rätoromanisch, doch ungemein selten. Hinkt Scuol im malerischen Unterengadin deswegen hinterher? Mitnichten! Julia und Kurt Baumgartner beweisen mit ihrer Hotelgruppe das Gegenteil. Hier trifft Tradition auf Moderne: Vor genau 20 Jahren erwarben die Baumgartners das damals in die Jahre gekommene und sanierungsbedürftige Schmuckstück Belvédère. «Herausforderung angenommen», dachte sich das visionäre Gastgeber-Paar und verhalf dem prachtvollen Jugendstilhotel Schritt für Schritt zum Erfolg. Eine entscheidende Idee dahinter: das Hotel durch eine beheizte Passarelle ober- und unterirdisch mit dem «Bogn Engiadina», der Bäderlandschaft aus reinem Mineralwasser, zu verbinden. Auch die beiden weiteren Hotels, die 2004 mit dem Badehotel Belvair und 2009 mit dem Romantik- und Boutiquehotel GuardaVal zum Ensemble der Belvédère-Gruppe dazukamen, sind über Passarellen miteinander und mit dem Engadin Bad Scuol verbunden. Ein bequemer Vorteil: Gäste können im Bademantel zu Fuss von allen drei Hotels aus zum öffentlichen Gesundheitsbad und Wellnesszentrum spazieren. Im Gespräch mit Kurt Baumgartner wird klar, seine Hotelgruppe scheut keine Investitionen, um à jour zu bleiben. Auch in Sachen Energie.

ZU DEN BESTEN GEHÖREN

2012 holte sich Baumgartner Unterstützung bei der EnAW. Energiekosten sind in der Hotellerie ein grosses Thema. «Nur schon die Tatsache, dass um 17 Uhr 200 Gäste duschen gehen wollen, ist ein Kostenfaktor, den man spürt», erklärt der langjährige Hotelier. Aber auch die Wellnessanlage, das Beheizen der Räumlichkeiten oder die Beleuchtung sind energieintensiv. Baumgartner, für den Nachhaltigkeit nicht nur bei Investitionen, sondern auch im täglichen Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitenden eine Herzensangelegenheit ist, schloss daher in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund ab, um die Energieeffizienz seiner Hotels zu steigern und die CO2-Intensität zu senken. Und es funktioniert: EnAW-Berater Daniel Schneiter, der schweizweit rund 120 Hotels energetisch fit macht, schwärmt von den Leistungen der drei Hotels: «Seit sie bei der EnAW dabei ist, konnte die Hotelgruppe mit der Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen jährlich rund 114 000 Franken einsparen». Gesamthaft konnten die Baumgartners die Energieeffizienz ihrer Hotels in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erhöhen. Betrachtet man den Energiebedarf und den CO2-Ausstoss pro Übernachtung, gehören die Hotels von Baumgartner mit 5.8 kg CO2 pro Logiernacht zu den besten der Schweiz.

DER STROMVERSCHWENDUNG ENTGEGENWIRKEN

Bloss, an welchen Schrauben wurde hier eigentlich gedreht? «Strom- und Brennstoffverbrauch haben sich in allen drei Hotels seit Beginn der Zusammenarbeit stetig verbessert», erklärt der EnAW-Berater. In den vergangenen sechs Jahren sank der Stromverbrauch des traditionsreichen Belvédère im Herzen von Scuol von rund 950 000 auf knapp 680 000 Kilowattstunden pro Jahr. Dies ist vor allem auf die energetische Sanierung in der Beleuchtungstechnik zurückzuführen, die vollständig auf LED umgestellt wurde. Ausserdem sind die Hotelzimmer mit einem Anwesenheitssensor ausgerüstet. Nachdem ein Gast das Zimmer verlassen hat, wird das Zimmer nach ein paar Minuten stromlos geschaltet. Bei Gästen, die das Licht brennen lassen, kann so einer Stromverschwendung entgegengewirkt werden.

DANK ISOLATION ENERGIE EINSPAREN

Auch beim Heizölverbrauch zeigen sich Erfolge. Das charmante Drei-Sterne-Hotel Belvair der Baumgartners verbraucht gegenüber dem Jahr 2012 heute fast 15 000 Liter weniger Heizöl im Jahr. «Diese Einsparung konnte hauptsächlich durch die Sanierung der Fenster und die Erneuerung des Heizkessels mit Abgaskondensation erreicht werden», so Schneiter. Einen nicht unerheblichen Effekt in puncto Energieeffizienz leisten ausserdem Isolationsarbeiten beim Dach, an Fenstern und Türen. Auch die Lüftungen der drei Gebäudekomplexe spielen hier eine wichtige Rolle. Ungefähr 60 Prozent der Wärmeenergie werden für die Beheizung der Gebäude benötigt. Durch eine Verbesserung der Gebäudeisolation lässt sich dieser Anteil deutlich reduzieren.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

In Koordination mit der EnAW plant Hotelier Kurt Baumgartner in Zukunft, eine Gesamtlösung zur Beheizung der drei Hotels zu finden. «Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen», wie er sagt. «Die alten Häuser wurden eigentlich für den Sommer gebaut, deshalb müssen wir zuerst die Gebäudehüllen sanieren, bevor wir die Ölheizungen ersetzen können.» Solche und andere Projekte laufen in jeweils enger Absprache mit dem EnAW-Berater. Zwischen zwei- bis viermal im Jahr sprechen sich Baumgartner und Schneiter untereinander ab, um weitere Massnahmen anzustossen, die Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz unter einen Hut bringen. «Auf unsere Wünsche geht Herr Schneiter auf eine sympathische und fachlich hervorragende Weise ein», sagt der Hotelunternehmer. Letztlich seien Investitionen immer auch eine Geldfrage. «Und wenn man sieht, dass man mit Energieeffizienz auch Kosten sparen kann, hat das natürlich seinen Reiz.»

Spitalbetriebe sind energieintensiv. An welchen Schrauben gedreht werden muss, um die Energieeffizienz zu steigern, ist nicht immer ganz einfach zu durchschauen. Deshalb nehmen rund 50 Schweizer Spitäler am Energie-Management der EnAW teil und profitieren im Rahmen einer eigenen Energie-Modell-Gruppe vom wertvollen Erfahrungsaustausch. Nächster Halt: Inselspital Bern.

Effizientes Energie-Management dank regelmässigem Austausch zwischen EnAW-Berater Mark Schuppli (rechts) und dem Abteilungsleiter Benjamin Schwarz vom Inselspital Bern.

Mehrmals im Jahr moderieren die EnAW-Berater Mark Schuppli und Robert Vogt die Treffen der Energie-Modell-Gruppe der Spitäler. Unter ihrer Leitung diskutieren rund 50 Vertreter von Schweizer Spitälern über spezifische Energiethemen aus ihrer Branche. Das Format «World Café» hat sich dabei bewährt und motiviert die Teilnehmenden zum Austausch. An mehreren Tischen werden in wechselnder Zusammensetzung verschiedene Fragestellungen rund um ein aktuelles Thema diskutiert. «Man muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen», weiss Schuppli. Viele Spitäler sind Grossverbraucher und haben deshalb eine gesetzliche Auflage zu erfüllen. Aber die Branche kann sich die CO2-Abgabe nicht rückerstatten lassen. Somit braucht es eine Extraportion Motivation: Aus diesem Grund zeigen die beiden Berater ihren Gruppenmitgliedern stets den Zusatznutzen der Massnahmenorientierung auf und gestalten den Austausch spannend.

GROSS UND KLEIN

Dass auch grosse Krankenhäuser von der heterogenen Zusammensetzung der Gruppe profitieren, weiss Benjamin Schwarz, Leiter der Abteilung Heizung, Lüftung, Klima und Sanitär des Inselspitals in Bern. Schwarz nimmt regelmässig am Erfahrungsaustausch teil. «Auch als grosses und breit aufgestelltes Spital lernen wir von kleineren Mitstreitern. Wir können zum Beispiel mit den Ergebnissen von Massnahmen, die in kleineren Grössenordnungen zu schnelleren Resultaten führen, arbeiten und auf unsere Dimensionen adaptieren.» Denn die Rahmenbedingungen sind häufig die gleichen. Die grösste Herausforderung ist es, Massnahmen zur Energieeffizienzsteigerung mit dem laufenden Spitalbetrieb zu koordinieren. «Bei gewissen Projekten greift man in betriebliche Anlagen ein, bei denen Patientenprozesse ausgeführt werden», erklärt Schwarz. «Auch darüber, wie andere Spitäler mit dieser Aufgabe umgehen, wird in den Gruppensitzungen diskutiert.» Doch es geht nicht nur um Dialog und Lernen. Denn die Spitäler verfolgen über die Universalzielvereinbarung auch ein gemeinsames Energieeffizienz- und CO2-Reduktionsziel. Nicht zuletzt deshalb unterstütze man sich gegenseitig gerne.

ERFOLGREICH

Und das macht die Gruppe Spitäler richtig gut. «In Sachen Zielerreichung sind wir ganz klar auf dem richtigen Weg», freut sich Schuppli. Alleine von 2013 bis 2017 konnte die Gruppe knapp 5000 Tonnen CO2 pro Jahr reduzieren und liegt damit bereits 13 Prozent unter dem Anfangswert. Auch bei der Energieeffizienz kann sich die Leistung sehen lassen. Um jährlich rund 45 000 Megawattstunden Energie sind die Spitäler effizienter geworden. Und das in einem Umfeld, das in Sachen Energie nicht gerade simpler wird. Mehr Forschung, Technologie und Fortschritt führt zu einer Verlagerung von Wärme auf Strom. «Wenn man bei diesen Rahmenbedingungen nicht deutlich effizienter wird, würde der Stromverbrauch durch die Decke gehen», so Schwarz.

WANDEL

Benjamin Schwarz weiss, wovon er redet. Sein Arbeitsort, das Inselareal in Bern, steckt derweil inmitten einer riesigen Umbauphase. Das berühmte Bettenhochhaus soll neu errichtet werden und dabei den neusten Anforderungen der Gebäudetechnik entsprechen. Das klingt einfacher, als es ist: Da sich das Gesundheitswesen in einem stetigen Wandel befindet, ändern sich auch die Anforderungen an die Gebäudetechnik und die Betriebsweisen der Anlagen. «Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, nicht vom Wandel während einer langen Bauphase überholt zu werden», sagt Schwarz. Das grosse Bauprojekt auf dem Berner Inselareal soll dann auch den Minergie-P-ECO-Standard erreichen und erfüllt damit die Vorgaben für 2050 der Energiestrategie des Bundes bereits heute.

ZU GAST IM INSELSPITAL

Wie wird ein so riesiges Bauvorhaben eigentlich begleitet? Dieser Frage geht die Energie-Modell-Gruppe der Spitäler im April nach. Die Mitglieder werden beim nächsten Zusammentreffen die Möglichkeit haben, den Baubereich 12, also den Ersatz des Bettenhochhauses, zu besichtigen, verrät Schuppli. Dazu entsendet das für den Umbau zuständige Projektteam des Inselspitals ihren stellvertretenden Projektleiter, welcher der Gruppe aufzeigen wird, wie der Umbau mithilfe der modernsten Planungshilfsmittel wie BIM (Building Information Modeling) begleitet wird. BIM ist eine speziell für Bauvorhaben nützliche Computer-Software, die Prozesse für die Planung, den Entwurf, die Errichtung sowie den Betrieb eines Gebäudes visualisiert. Schwarz, der noch inmitten der Vorbereitungen für das kommende Treffen der Gruppe steckt, ist eigentlich alles andere als ein Fan von langwierigen Besichtigungen auf Baustellen. Doch «dieses Mal ist es anders», wägt der Berner ab. Er ist sicher: «Die Komplexität, die dieses Vorhaben auf dem Inselareal auch in Bezug auf Energieeffizienz mit sich bringt, birgt ein hohes Diskussionspotenzial. Ich freue mich deshalb sehr auf dieses Treffen und hoffe, dass es nicht nur viele Fragen, sondern auch ein paar Antworten geben wird.» Für genügend Stoff zum Ideenaustausch unter den Mitgliedern, so viel ist sicher, ist gesorgt.


ENERGIE SPAREN FÜR SPITÄLER

Abwärme
Hoch technisierte medizinische Geräte müssen gekühlt werden. Mit einem guten Energiekonzept wird die Abwärme der Geräte veredelt und zur Beheizung des restlichen Spitals eingesetzt. Der Energieverbrauch kann so gegenüber einem konventionellen Konzept halbiert werden.

Betriebsoptimierungen
Die Anforderungen an die Gebäudetechnik von Spitälern verändern sich stetig. Mit einer Betriebsoptimierung der Gebäudetechnikanlagen kann diesem Umstand Rechnung getragen werden. Das Potenzial beträgt je nach Ausgangslage zwischen 5 und 20 Prozent.

Beleuchtung
Durch den Einsatz von LED-Technologien kann der Energieverbrauch von Beleuchtungen in Spitälern mindestens halbiert werden.


Schulthess-Maschinen waschen nicht nur Wäsche richtig sauber – im Betrieb kümmert man sich auch um einen sauberen Energiehaushalt. Zusammen mit der EnAW verbessert die Firma aus Wolfhausen seit einigen Jahren erfolgreich ihre Energieeffizienz.

Alle Schulthess-Waschmaschinen und -Wäschetrockner werden in Wolfshausen im Zürich Oberland fabriziert

Das Traditionsunternehmen Schulthess Maschinen AG produziert Waschmaschinen und Wäschetrockner fürs Eigenheim, für Mehrfamilienhäuser und Gewerbebetriebe. Im Jahr 1845 gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute rund 400 Mitarbeitende, von denen ein Grossteil im Kundendienst tätig ist. Ein kundenorientierter, rund um die Uhr verfügbarer Service wird in der Firma grossgeschrieben. Daniel Zehnder leitet den Bereich Management Systeme, er ist Qualitäts- und Umweltbeauftragter und verantwortlich für die Arbeitssicherheit. Besonders in der Produktion stehen höchste Qualitätsansprüche an Waschmaschinen und Wäschetrocknern an oberster Stelle. «Heute bestellt, morgen geliefert», lautet der Grundsatz für massgeschneiderte Maschinenlösungen für jede Hausgrösse, alle Textilarten, unterschiedlichste Gewerbe und jedes Bedürfnis. Vor knapp 60 Jahren lancierte Schulthess den ersten Haushaltwaschautomaten Europas. «Diese Vorreiterrolle haben wir uns bewahrt», so Zehnder. «Unsere Maschinen gehören noch heute zu den innovativsten der Welt.» Die drei Grundpfeiler «Swissness», «Qualität» und «Nachhaltigkeit» prägen die Firmenphilosophie der Schulthess: Alle Geräte werden in Wolfhausen im Zürcher Oberland entwickelt und produziert. Die Verwendung hochwertiger Materialien, die präzise Verarbeitung und die Langlebigkeit zeichnen die Produkte aus. Und die Nachhaltigkeit? Neben dem minimalen Strom- und Wasserverbrauch der Maschinen setzt sich das Unternehmen auch dafür ein, diese so effizient wie möglich zu produzieren – in Zusammenarbeit mit der EnAW.

QUALITÄT LEBT LANGE

«Maschinelle Herstellung mit manuellen Ergänzungen», lautet das Erfolgsrezept für die Produktion der Waschmaschinen und Wärmepumpentrockner der Schulthess Maschinen AG. Hier treffen hochmoderne Stanzmaschinen und perfekt programmierte Roboter auf präzise Handarbeit, die hauptsächlich bei der Endmontage und den zahlreichen Qualitätskontrollen erfolgt. Wie liebevoll die ganze Herstellung sein kann, beweist der intern genutzte Begriff «Hochzeit», der das Zusammenfügen des Laugenbehälters mit dem Maschinengehäuse beschreibt. Die Laugenbehälter der Schulthess sind aus Chromstahl. Das macht das Unternehmen einzigartig, denn andere Marktbegleiter setzen bei dieser Komponente ausschliesslich auf Kunststoff. Aber genau dieses Material garantiert die Widerstandsfähigkeit und ein langes Leben der Schulthess-Maschinen.

ROBUST, HELL UND SPARSAM

Dass die Zusammenarbeit mit der EnAW erfolgreich ist, beweisen auch die aktuellen Zahlen: 19 600 Franken an Energiekosten spart die Schulthess Maschinen AG mittlerweile jährlich. Zu verdanken ist das verschiedenen Massnahmen. So wurde bereits ein Grossteil der Beleuchtung durch LED ersetzt, bis Ende dieses Jahres werden es 300 bis 400 neue Leuchtkörper sein. «Da haben wir einiges investiert», sagt Zehnder, aber es zahle sich aus. Die Lichter bräuchten über 20 Prozent weniger Energie und seien viel robuster. «Unsere Unterhaltsarbeiter sind heidenfroh, dass sie jetzt seltener Leuchtmittel auswechseln müssen.» Zusätzlich wurden Bewegungsmelder installiert und die Eingangstore der Produktionshallen erneuert. Die alten Tore waren störanfällig und liessen viel Wärme nach draussen abfliessen. Jetzt funktionieren sie schneller und sind automatisiert: Die Gabelstapelfahrer können sie nun einfach per Fernbedienung öffnen und schliessen.

NEUES ENERGIEKONZEPT

In den Fabrikhallen geht es emsig zu und her – und es ist warm. Eine Tatsache, die Zehnder schon immer ein Dorn im Auge war. «Wir haben extrem viel Abwärme, die wir aber nicht nutzen», erklärt er. Das soll mit dem neuen Energiekonzept, welches er zusammen mit den EnAW-Beratern erarbeitet hat, angegangen werden. «Wir wollen in einem nächsten Schritt unsere Ölheizung durch drei bis vier dezentrale Heizungen ersetzen», erklärt er. Diese sollen mit einem Abwärmesystem ausgestattet sein, um die hohen Temperaturen aus der Produktion effizient nutzen zu können. Mit diesen Massnahmen soll vor allem die CO2-Intensität des Betriebs verbessert werden. Läuft alles nach Plan, wird der Umbau im Frühling 2020 abgeschlossen sein.

EIN SAUBERERE AUSTAUSCH

Wer sich jahrelang um die Optimierung der Prozesse im eigenen Betrieb kümmert, kennt das: Mit der Zeit stellt sich eine gewisse Betriebsblindheit ein, die sich ohne regelmässige Inspirationen entwickeln kann. Um das zu verhindern, organisiert EnAW-Berater Hollenstein zusammen mit seinem Kollegen Mario Roost jährlich ein Gruppentreffen. Die Schulthess Maschinen AG ist Mitglied der Energie-Modellgruppe «2013plus», zu der unter anderem auch die Läckerli Huus AG oder die TBB Immobilien AG gehören. Man tauscht sich aus, spricht über aktuelle Themen und erhält Einblick in den jeweiligen Gastbetrieb. «Wir wollen den Teilnehmern der Gruppensitzungen einen Mehrwert bieten», erklärt Hollenstein. «Entweder bereiten wir Inhalte auf, die alle betreffen und interessieren, oder wir laden zu den gewünschten Themengebieten Spezialisten ein.

Die Schweizer Salinen versorgen die ganze Schweiz mit Salz: die Siedesalzproduktion ist energieintensiv. Deshalb zählt der Salzproduzent in Sachen Energie-Management auf die Zusammenarbeit mit der EnAW. Wie innovativ die Salinen in diesem Bereich unterwegs sind, zeigt ihr neustes Projekt: Überschüssige Abwärme aus der Produktionsstätte in Riburg versorgt eine Gourmetshrimps-Produktion mit Energie und Salz.

Sichern die Schweizer Salzversorgung: Dank der grossen Lagerkapazität in Riburg kommt die Schweiz auch im tiefsten Winter rutschfrei durch den Tag © Schweizer Salinen AG

Auftausalz, Speisesalz, Regeneriersalz, Viehsalz sowie Gewerbe- und Industriesalze – die Produktpalette der Schweizer Salinen AG ist breit gefächert. Das Unternehmen im Eigentum der Kantone und des Fürstentums Liechtenstein produziert an seinen drei Standorten Schweizerhalle, Riburg und Bex bis zu 600 000 Tonnen Salz pro Jahr und versorgt mit seinen 200 Mitarbeitenden die Schweiz zuverlässig mit Salz. Mit einem Anteil von rund 50 Prozent ist das Auftausalz dabei der grösste Produktionszweig – und zugleich eine Herausforderung: «Der Bedarf an Auftausalz schwankt je nach Winter sehr stark. Die Schwankungen können bis zu 300 000 Tonnen pro Jahr ausmachen», weiss der technische Leiter und Elektroingenieur François Sandoz. Dieser Problematik wirke man mit der grossen Lagerkapazität in Riburg entgegen. Ob die Produktion jeweils auch über Weihnachten laufen werde, hänge laut Sandoz vom Wintereinbruch ab: «Ist der Winter bis Ende Jahr noch nicht eingezogen und die Lagerhallen gut gefüllt, gönnen wir uns über die Festtage eine Auszeit.» Keine Auszeit gönnt sich der Salzproduzent in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, machen doch Energiekosten im Unternehmen über zehn Prozent der Bruttowertschöpfung aus. Gemeinsam mit der EnAW feilen die Salinen Riburg und Schweizerhalle an ihrem Energie-Management und fallen durch ihr Herzblut und ihren Innovationswillen auf.

DAS KERNSTÜCK DER SALZPRODUKTION

In den kuppelförmigen Lagerhallen in Riburg, den sogenannten Saldomes, rieselt das Salz durch eine Lücke im Dach auf einen gigantischen Salzberg. «Hier wurde sogar schon gesnowboardet», schmunzelt Sandoz, «aber nur für den Unternehmensfilm.» In der Produktion fällt das Salz hingegen nicht vom Himmel. Damit das Salz in den Regalen der Grossverteiler landet, muss dieses zunächst aus einer Steinsalzschicht gewonnen werden. Dazu werden die natürlichen Salzlager, welche in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft in Tiefen von 200 bis 500 Metern liegen, angebohrt und ausgelaugt. Durch das Zuführen von Frischwasser bildet sich im angebohrten Salzlager die sogenannte Sole, eine wässrige Kochsalzlösung. Diese gelangt über Pipelines zur Saline, wird enthärtet und gereinigt, bevor sie in den Verdampfer – das Kernstück der Salzproduktion – eingespeist wird. Was man früher in grossen Pfannen gemacht hat, geschieht in Riburg heute vollautomatisch: In dem 30 Meter hohen Verdampfer wird die Sole aufgekocht und der Kristallisationsprozess in Gang gesetzt. Dabei entsteht zweierlei: Während sich die Salzkristalle als sogenannter «Salzbrei» absetzen und entnommen werden, wird der im Prozess entstehende Wasserdampf aus dem Verdampfer abgezogen, gesäubert, komprimiert und gelangt als Heizdampf wieder in den Kreislauf. Heizöl wird in diesem Prozess nur für das Anfahren des Kreislaufes benötigt. Danach wird er durch den elektrisch angetriebenen Turbokompressor aufrechterhalten. In anderen Worten: Es wird Abwärme rückgewonnen. Dieser Prozess, so Sandoz, sei in Bezug auf den Energiebedarf bereits optimal ausgelegt: «Das Prinzip der Thermokompression ist alt bewährt. Dank neueren Technologien und Geräten besteht dennoch ein Optimierungspotenzial.» Genau dieses Potenzial versucht man in Riburg gemeinsam mit der EnAW bestmöglich auszuschöpfen.

NEUE HEIZKAMMERN

Seit 2013 zählt der Salzproduzent in Sachen Energie-Management auf das Know-how der EnAW und insbesondere auf die EnAW-Beraterin Margaux Giacalone. «Die Schweizer Salinen haben für Riburg und Schweizerhalle mithilfe der EnAW eine gemeinsame Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen und befinden sich auf sehr gutem Kurs», so Giacalone. Welch grossen Stellenwert das Energie-Management im Unternehmen geniesst, zeigt der Ersatz der beiden Heizkammern des Verdampfers in Riburg im Jahr 2015. Denn gerade der Hauptprozess der Salzproduktion, das Verdampfen von Wasser, verbrauche bei Weitem am meisten Energie. «Es war eine grosse Investition», meint Sandoz. «Da die Heizkammern aber schon über 40 Jahre alt waren, hat es sich für uns gelohnt. Allein durch die Umsetzung dieser Massnahme konnten wir hier in Riburg einiges an Energie einsparen.» So vergrösserte die Erneuerung der alten Heizkammern die Wärmetauscherfläche um fast die Hälfte. Dies wiederum verbessert den Energieverbrauch pro Tonne Salz um sieben Prozent.

ABWÄRME FÜR SCHWEIZER SHRIMPS

Neben der Optimierung des Dampfkreislaufes wird auch an der Isolierung der Anlagen und Gebäude geschraubt. Die unterschiedlichen Isolierungsmassnahmen sind für Sandoz Fluch und Segen zugleich: «Wer gut isoliert, verliert weniger Wärme. Allerdings produzieren wir bereits einen Überschuss an Abwärme.» Praktisch, dass der Salzproduzent in Riburg einen energiedurstigen Nachbarn bekommen hat. Die überschüssige Abwärme aus der Saline fliesst via Fernwärmenetz der AEW in die Shrimpfarm vom Schweizer Gourmetshrimps-Produzenten Swissshrimp. Damit schlägt man in Riburg zwei Shrimps mit einer Klappe: «Die Krevetten sollen möglichst ökologisch und nachhaltig produziert werden», erzählt Sandoz. «Und wir hier in der Saline sind froh über einen Abnehmer der überschüssigen Abwärme.» In der Riburger Produktionsstätte stehen aber auch konventionellere Massnahmen auf der Tagesordnung: «Das Dach isolieren, Fenster auswechseln, auf LED umstellen – Sachen, die weniger spannend klingen, aber betreffend Energieeffizienz einen sichtbaren Unterschied machen», so Sandoz.