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ENERGIE-MANAGEMENT NACH WALLISER ART

Mit einer Teilnahme bei der EnAW senken die Unternehmen im Kanton Wallis Ihre Energiekosten und sparen durch wirtschaftliche Massnahmen Geld. Die Unternehmen erfüllen mit ihrer Zielvereinbarung die Anforderungen von Bund und Kantonen unkompliziert und effizient und werden mit einem Rund-um-Service und modernen Tools verlässlich beraten.

Gezielte Datensammlung und ein Leitsystem für Pistenfahrzeugfahrer sorgen dafür, dass die Aletsch Bahnen AG weniger Strom, Diesel und Wasser benötigen.

Sparen Dank dem energetischen Fine-Tuning Energie und Kosten: Die Thermalquellen Brigerbad AG garantiert einen energieeffizienten Badespass.

DAS ZIEL? DER GIPFEL DER ENERGIEEFFIZIENZ – ALETSCH BAHNEN AG

36 Bergbahnanlagen führen in der Aletsch Arena zu Gipfeln, Aussichtspunkten und den Ferienorten Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp. Die Aletsch Bahnen AG unterhält Bergbahninfrastrukturen mit den zugehörigen Aktivitäten und Pisten. Ein ausgefeiltes Schneemanagementsystem hilft dabei, den Energieverbrauch im Winter zu reduzieren und Ressourcen zu sparen. Das zeigt Wirkung: Jährlich sparen die Bergbahnen so rund 136 000 Kilowattstunden für Strom und Diesel.

EIN ENERGIEEFFIZIENTES BADEERLEBNIS – THERMALQUELLEN BRIGERBAD AG

Die Thermalquellen Brigerbad AG ist eine Wohlfühloase sondergleichen. Die glücklichen Gesichter der Badegäste bestätigen: In Brigerbad hat man die Rezeptur für das einmalige Badeerlebnis perfektioniert – gemeinsam mit der EnAW auch in Sachen Energieeffizienz, denn: Das Thermalbad spart durch die Energieoptimierung nicht nur Kilowattstunden, sondern auch Schweizer Franken ein.

Aus der Verhaltensökonomie wissen wir: Die Motivation steigt, wenn wir die Wahl haben.

Bei der Umsetzung der Klimaziele schafft dieses Prinzip Spielraum. Unternehmen können wählen, wie sie ihr Ziel erreichen: Entweder verpflichten sie sich zur Steigerung der Energieeffizienz oder sie bezahlen die CO₂-Lenkungsabgabe und ändern nichts. Bis heute haben sich mehr als 4000 Unternehmen entschieden zu handeln. Sie haben über die EnAW eine verbindliche Zielvereinbarung mit dem Bund abgeschlossen, erreichen ihre Effizienzziele – immer unter der Bedingung «mit wirtschaftlichen Massnahmen» – und erhalten die Lenkungsabgabe zurück. Das aktuelle CO₂-Gesetz, das bis 2020 gilt, ermöglicht diese Wahl. Für die Zeit danach muss es revidiert werden – der parlamentarische Prozess läuft bereits intensiv.

Liebe Leserin, lieber Leser: Die Zeit drängt, um die Weichen für 2030 zu stellen. Heute wirkt die Kombination von Zielvereinbarung und Rückerstattung wie ein Energieschub – ein Kick, der die Effizienzsteigerung in den Unternehmen ins Rollen bringt. Wir von der EnAW, Umsetzungsorganisation der Wirtschaft, bleiben dran. Mit Energie und Zeit, mit Verlässlichkeit und Offenheit, mit Leidenschaft und Respekt stehen wir mit unseren 100 mandatierten Ingenieurinnen und Ingenieuren für eine bessere Ökobilanz und mehr Energieeffizienz ein – denn umweltfreundliches Wirtschaften zahlt sich aus, unabhängig von der Totalrevision des CO₂-Gesetzes.

Mit unserem Magazin «Fokus» möchten wir Ihnen Einblicke in unsere Arbeit geben, wie Klimaschutz ökologisch und ökonomisch zukunftsfähig ist. Unser Fokusthema in diesem Jahr ist Energie und Zeit. Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre!

Rudolf Minsch, Präsident EnAW
Jacqueline Jakob, Geschäftsführerin EnAW

«FOKUS KMU – Die Sendung für Wirtschaft & Gesellschaft» präsentiert wichtige Themen und spannende Geschichten aus der Schweizer KMU-Wirtschaft. In der Sendung vom 9. September wird der Schwerpunkt «Freiwilligkeit» anhand dem EnAW-Teilnehmer X-met AG behandelt.

Firmen möchten freiwillig und aus Überzeugung energieeffizienter werden und das auch umsetzen. Das zeigt das Beispiel der X-met AG eindrücklich. Sie profitieren dabei nicht nur von der gesteigerten Effizienz an sich, sondern gewinnen auch an Renommee. Und soviel bereits vorweg: Die X-met AG produziert heute CO₂-neutral.

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Die Hartchrom AG ist bekannt für innovative, hochwertige Oberflächenlösungen für Industriebetriebe mit höchsten Ansprüchen. Neben Know-how und einzigartigen Infrastrukturen braucht das vor allem eines: eine Menge Energie. Deshalb verpasst die zur STI Group gehörende Beschichtungsfirma gemeinsam mit der EnAW auch der Energiebilanz eine effiziente Politur.

Die Hartchrom AG setzt auch Massnahmen um, die auf den ersten Blick nicht wirtschaftlich sind: dank der finanziellen Unterstützung von EFFIZIENZ⁺

Auf einer Produktionsfläche von 26 000 Quadratmetern werden in Steinach am Bodensee seit 1957 Oberflächen in den verschiedensten Formen und Grössen nach neusten Technologiestandards beschichtet. Ob Pumpenwellen von Energiefirmen, Heizwalzen in der Kunststoffverarbeitung oder Antriebssysteme von grossen Schiffsmotoren – für die Produktionsstätte der Hartchrom AG ist kein Teil zu gross. Angesiedelt im High-End-Bereich und spezialisiert auf hochglanzpolierte Oberflächen, bedient das Unternehmen aber vor allem Kunden aus der Druckindustrie, beispielsweise mit funktionalen Beschichtungen. Doch in Steinach werden nicht nur Oberflächen zum Glänzen gebracht. Auch das Energie-Management wird auf Hochglanz poliert. Seit 2012 in Zusammenarbeit mit der EnAW. Denn gerade der Hauptprozess des galvanischen Verfahrens sei energieintensiv – rund die Hälfte des Gesamtstromverbrauchs falle darauf zurück. «Energie- und Nachhaltigkeitsfragen haben bei uns deshalb naturgemäss einen sehr hohen Stellenwert», weiss der Leiter Technik und Dienste Michael Kehl. Da auch die Gesamtenergie einen grossen Teil der finanziellen Aufwände ausmache, lohnen sich die Bemühungen des Grossverbrauchers gleich in zweierlei Hinsicht.

DER GROSSE WURF

Die Isolierung der Bäder, das Einbauen eines Eco-Schalters oder der Ersatz von Beleuchtungsmitteln: Der gemeinsam mit der EnAW erarbeitete Massnahmenkatalog beinhaltet an die 30 Massnahmen. Das schenkt ein – sowohl energietechnisch als auch finanziell. Der erste grosse Wurf war der Umstieg auf Fernwärme. Damit konnte die Hartchrom AG ihren Erdgas- und Heizölverbrauch komplett substituieren. So werden beispielsweise die galvanischen Bäder sowie das ganze Gebäude mit Fernwärme geheizt. «Das ist nicht nur eine energetische Optimierung, sondern wirkt sich auch positiv auf die Finanzen aus», sagt Kehl und spricht auch die Rückerstattung des Netzzuschlages an. Denn das sei gerade für Grossverbraucher ein wichtiger Anreiz. Aber – Energie und Kosten sparen werde mit der Zeit schwieriger. «Die grossen Massnahmen sind umgesetzt, die Potenziale werden von Mal zu Mal kleiner.» Deshalb nimmt man in Steinach nun auch Strommassnahmen in Angriff, die über die Zielvereinbarung hinaus ihren Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten.

EIN PLUS FÜR DIE BELEUCHTUNG

So wurden 2018 zwei grosse Massnahmen im Bereich der Beleuchtungsoptimierung umgesetzt. Denn auch hier seien die Energiekosten nicht zu unterschätzen – die Umsetzung dieser Optimierungsmassnahmen war zunächst nicht wirtschaftlich. Dank der Unterstützung der EnAW-Beraterin Stefanie Steiner und den Fördergeldern von EFFIZIENZ+ (siehe Box) konnte die komplette Beleuchtung zweier Hallen durch LED-Leuchten ersetzt werden. Das hat sich gelohnt: Mit dem Ersatz von insgesamt 170 Leuchtmitteln in den beiden Hallen erzielt die Hartchrom AG eine jährliche Energieeinsparung von 25.3 Megawattstunden. Neben der Effizienzsteigerung und den eingesparten Schweizer Franken nennt Kehl noch einen weiteren Pluspunkt: «Die neuen Leuchtmittel sind nicht nur effizienter und haben eine längere Lebensdauer, sondern erleichtern uns auch die Wartung.»

«DER AUSTAUSCH IST GOLD WERT»

Apropos Beleuchtung: In den Räumlichkeiten der Hartchrom AG erinnern Merkzettel die knapp 190 Mitarbeitenden stets daran, die Lichter zu löschen. «Man muss die Leute aktiv daran erinnern, sonst brennt das Licht die ganze Nacht», erklärt der Energieverantwortliche. Keine Erinnerung braucht der studierte Mechatroniker, wenn es um die regelmässigen Treffen der Energie-ModellGruppe Thurgau geht. Denn dieser Austausch sei für ihn Gold wert: Obwohl die Unternehmen völlig unterschiedlich sind, finden sich bei allen die gleichen energietechnischen Herausforderungen. Deshalb tauschen sich die Gruppenteilnehmer auch ausserhalb der Treffen regelmässig über Energiemassnahmen aus. Für Kehl sei das «wie in einer kleinen Familie.»

STEUERND OPTIMIEREN

Dass dieser Austausch wertschöpfend ist, zeigt eine Massnahme zur Optimierung der Druckluft: Diesen Tipp hat Kehl nämlich von einem anderen Gruppenteilnehmer erhalten. Dank der übergeordneten Kompressoren-Steuerung werden die fünf Kompressoren heute überwacht und optimal eingesetzt. «Die Steuerung schaltet jeweils den richtigen Kompressor, passend zur Betriebssituation, zu oder ab», erklärt er. Ein weiteres Plus sei die erhöhte Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit der gesamten Anlage. Ohne die finanzielle Unterstützung von EFFIZIENZ+ wäre die Massnahme aber nicht rentabel gewesen. Der Förderbeitrag hat sie wirtschaftlich gemacht und die Umsetzung somit ermöglicht. Und nicht nur das: Allein durch die Druckluftoptimierung spart die Verchromungsfirma jährlich fast 40 Megawattstunden Strom – so viel, wie für die Versorgung von acht Einfamilienhäusern. Das Thema Energieeffizienz, so viel sei sicher, ist für die Hartchrom AG aber noch lange nicht abgeschlossen. «Wir haben einen Grobfahrplan für die nächsten Projekte», so Kehl. «Schliesslich wollen wir auf dem Zielpfad bleiben.»

EFFIZIENZ⁺ – PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG ZUSÄTZLICHER STROMMASSNAHMEN

In vielen Unternehmen gibt es über die Zielvereinbarung hinaus Potenziale für Stromeinsparungen, die knapp unwirtschaftlich sind. Mit dem durch ProKilowatt finanzierten Programm EFFIZIENZ+ bieten wir Unternehmen finanzielle Unterstützung, um auch unwirtschaftliche Strommassnahmen anzugehen. Über das Check-up-Tool können EnAW-Teilnehmer Massnahmen einreichen und Fördergelder von 500 bis 45 000 Franken beantragen. Sie werden dabei von unseren erfahrenen EnAW-Beraterinnen und -Beratern begleitet.

Seit 1999 baut er die Hotelgruppe Belvédère Hotels Scuol mit den Häusern Belvédère, Belvair und GuardaVal auf. 2018 wurde er zum Hotelier des Jahres gekürt. Kurt Baumgartner ist Gastgeber mit Herzblut. Neben ausgezeichnetem Service für den Gast glänzt der gelernte Koch vor allem mit Innovationskraft, Nachhaltigkeitsgedanken und einer grossen Portion Leidenschaft. Diese teilt er sich in Sachen Energie mit seinem Berater der EnAW, Daniel Schneiter – mit Erfolg.

Die Belvédère Hotels Scuol verbinden Tradition und Innovation. Drei Hotels, vier Restaurants und zwei Wellnessoasen laden zum Verweilen ein

«Allegra» hört man die Menschen am Bahnsteig von Scuol rufen. Verblüffend schön – begegnet man als Unterländer der ältesten Landessprache der Schweiz, Rätoromanisch, doch ungemein selten. Hinkt Scuol im malerischen Unterengadin deswegen hinterher? Mitnichten! Julia und Kurt Baumgartner beweisen mit ihrer Hotelgruppe das Gegenteil. Hier trifft Tradition auf Moderne: Vor genau 20 Jahren erwarben die Baumgartners das damals in die Jahre gekommene und sanierungsbedürftige Schmuckstück Belvédère. «Herausforderung angenommen», dachte sich das visionäre Gastgeber-Paar und verhalf dem prachtvollen Jugendstilhotel Schritt für Schritt zum Erfolg. Eine entscheidende Idee dahinter: das Hotel durch eine beheizte Passarelle ober- und unterirdisch mit dem «Bogn Engiadina», der Bäderlandschaft aus reinem Mineralwasser, zu verbinden. Auch die beiden weiteren Hotels, die 2004 mit dem Badehotel Belvair und 2009 mit dem Romantik- und Boutiquehotel GuardaVal zum Ensemble der Belvédère-Gruppe dazukamen, sind über Passarellen miteinander und mit dem Engadin Bad Scuol verbunden. Ein bequemer Vorteil: Gäste können im Bademantel zu Fuss von allen drei Hotels aus zum öffentlichen Gesundheitsbad und Wellnesszentrum spazieren. Im Gespräch mit Kurt Baumgartner wird klar, seine Hotelgruppe scheut keine Investitionen, um à jour zu bleiben. Auch in Sachen Energie.

ZU DEN BESTEN GEHÖREN

2012 holte sich Baumgartner Unterstützung bei der EnAW. Energiekosten sind in der Hotellerie ein grosses Thema. «Nur schon die Tatsache, dass um 17 Uhr 200 Gäste duschen gehen wollen, ist ein Kostenfaktor, den man spürt», erklärt der langjährige Hotelier. Aber auch die Wellnessanlage, das Beheizen der Räumlichkeiten oder die Beleuchtung sind energieintensiv. Baumgartner, für den Nachhaltigkeit nicht nur bei Investitionen, sondern auch im täglichen Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitenden eine Herzensangelegenheit ist, schloss daher in Zusammenarbeit mit der EnAW eine Zielvereinbarung mit dem Bund ab, um die Energieeffizienz seiner Hotels zu steigern und die CO2-Intensität zu senken. Und es funktioniert: EnAW-Berater Daniel Schneiter, der schweizweit rund 120 Hotels energetisch fit macht, schwärmt von den Leistungen der drei Hotels: «Seit sie bei der EnAW dabei ist, konnte die Hotelgruppe mit der Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen jährlich rund 114 000 Franken einsparen». Gesamthaft konnten die Baumgartners die Energieeffizienz ihrer Hotels in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erhöhen. Betrachtet man den Energiebedarf und den CO2-Ausstoss pro Übernachtung, gehören die Hotels von Baumgartner mit 5.8 kg CO2 pro Logiernacht zu den besten der Schweiz.

DER STROMVERSCHWENDUNG ENTGEGENWIRKEN

Bloss, an welchen Schrauben wurde hier eigentlich gedreht? «Strom- und Brennstoffverbrauch haben sich in allen drei Hotels seit Beginn der Zusammenarbeit stetig verbessert», erklärt der EnAW-Berater. In den vergangenen sechs Jahren sank der Stromverbrauch des traditionsreichen Belvédère im Herzen von Scuol von rund 950 000 auf knapp 680 000 Kilowattstunden pro Jahr. Dies ist vor allem auf die energetische Sanierung in der Beleuchtungstechnik zurückzuführen, die vollständig auf LED umgestellt wurde. Ausserdem sind die Hotelzimmer mit einem Anwesenheitssensor ausgerüstet. Nachdem ein Gast das Zimmer verlassen hat, wird das Zimmer nach ein paar Minuten stromlos geschaltet. Bei Gästen, die das Licht brennen lassen, kann so einer Stromverschwendung entgegengewirkt werden.

DANK ISOLATION ENERGIE EINSPAREN

Auch beim Heizölverbrauch zeigen sich Erfolge. Das charmante Drei-Sterne-Hotel Belvair der Baumgartners verbraucht gegenüber dem Jahr 2012 heute fast 15 000 Liter weniger Heizöl im Jahr. «Diese Einsparung konnte hauptsächlich durch die Sanierung der Fenster und die Erneuerung des Heizkessels mit Abgaskondensation erreicht werden», so Schneiter. Einen nicht unerheblichen Effekt in puncto Energieeffizienz leisten ausserdem Isolationsarbeiten beim Dach, an Fenstern und Türen. Auch die Lüftungen der drei Gebäudekomplexe spielen hier eine wichtige Rolle. Ungefähr 60 Prozent der Wärmeenergie werden für die Beheizung der Gebäude benötigt. Durch eine Verbesserung der Gebäudeisolation lässt sich dieser Anteil deutlich reduzieren.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

In Koordination mit der EnAW plant Hotelier Kurt Baumgartner in Zukunft, eine Gesamtlösung zur Beheizung der drei Hotels zu finden. «Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen», wie er sagt. «Die alten Häuser wurden eigentlich für den Sommer gebaut, deshalb müssen wir zuerst die Gebäudehüllen sanieren, bevor wir die Ölheizungen ersetzen können.» Solche und andere Projekte laufen in jeweils enger Absprache mit dem EnAW-Berater. Zwischen zwei- bis viermal im Jahr sprechen sich Baumgartner und Schneiter untereinander ab, um weitere Massnahmen anzustossen, die Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz unter einen Hut bringen. «Auf unsere Wünsche geht Herr Schneiter auf eine sympathische und fachlich hervorragende Weise ein», sagt der Hotelunternehmer. Letztlich seien Investitionen immer auch eine Geldfrage. «Und wenn man sieht, dass man mit Energieeffizienz auch Kosten sparen kann, hat das natürlich seinen Reiz.»

Was Energieeffizienz und Forschung gemeinsam haben? Innovatives Denken. Genau das liegt in der DNA der AO Foundation: Vor 60 Jahren begründete das Davoser Forschungsinstitut die Behandlung von Knochenbrüchen mit Schrauben, Platten und Marknägel. Nicht minder innovativ wird im Landwassertal am Energie-Management geschraubt. Seit 2014 ist die Stiftung Teilnehmerin der EnAW und versetzt mit ihren Einsparungen sogar den EnAW-Berater in Staunen.

Innovation liegt in der DNA: Die AO Foundation heilt Knochenbrüche und spart mit innovativem Energie-Management Kosten und Energie.

Inmitten der verschneiten Berglandschaft von Davos und direkt neben der Langlaufloipe steht die AO Foundation – unter Einheimischen aufgrund des speziellen Grundrisses auch als «Davoser Toblerone» bekannt. Das medizinische Forschungsinstitut legte vor 60 Jahren den Grundstein für eine neue, weltweit tätige Branche. Entgegen der medizinischen Praxis führte eine Gruppe von Schweizer Chirurgen 1958 ein wegweisendes Standardverfahren für die Heilung von Knochenbrüchen ein – mit Schrauben, Platten und Marknägeln. Praktisch, dass die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) direkt neben der Skipiste angesiedelt ist. In der Wintersportmetropole wird aber nicht nur an kaputten Knochen geschraubt, sondern auch an der Energiebilanz – seit 2014 in Zusammenarbeit mit der EnAW. Bereits der Eingangsbereich verrät: Hier wird Nachhaltigkeit gelebt, kommen doch viele der 215 Mitarbeitenden mit den Langlaufskiern zur Arbeit.

«DAS HABEN SICH WENIGE GETRAUT»

Ausdauer beweist auch der Leiter des Facility Management und Energieverantwortlicher Alex Fierz. Seit 2007 feilt der gelernte Elektromonteur an der Energiebilanz der AO Foundation und zeigt, wie innovatives Energie-Management geht. Doch wie schon die Gründerväter der Stiftung stiess auch Fierz mit seinen Ideen zuerst auf Widerstand: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Davos? Das funktioniere nicht, so das Echo. «In der Höhe, auf der Davos liegt und mit den tiefen Temperaturen und den langen Wintern macht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe auf den ersten Blick wenig Sinn», weiss der EnAW-Berater Hans Hatt. «Hier steckt man wenig Strom rein und holt einen grossen Teil der Wärme aus der Umgebungsluft. Das funktioniert bei ganz tiefen Temperaturen nicht mehr effizient», erklärt er weiter. Die Wärmepumpe der AO Foundation sei für den Standort Davos in dieser Grösse deshalb eine Innovation: «Das haben sich bis jetzt nur wenige getraut», erinnert sich Hatt.

KEINE BETRIEBSBLINDHEIT DANK DER ENAW

Heute deckt die spezialangefertigte Luft-Wasser-Wärmepumpe den Heizbedarf für über acht Monate fast gänzlich ab. Das ist nicht nur dem Innovationswillen von Herrn Fierz zu verdanken, sondern auch der Zusammenarbeit mit der EnAW. Denn mit dem Inkrafttreten des Grossverbraucherartikels im Kanton Graubünden im Jahr 2014 war für Fierz klar: Alleine geht es nicht mehr. «Wir haben gemeinsam geschaut, was die AO Foundation bereits gemacht hat und wo noch Potenzial besteht», erzählt Hatt. Auch bei der bereits vorhandenen Wärmepumpe konnte gemeinsam noch einiges optimiert werden: Mit dem Ersatz der Heizkessel kann durch Kondensation aus den ohnehin entstehenden Abgasen zusätzlich Wärme rückgewonnen werden. Allein durch die Optimierung der Wärmepumpe kann die Stiftung jährlich rund 38 000 Kilowattstunden Strom einsparen. «Es ist ein stetiges Weitermachen », sagt Fierz. «Irgendwo gibt es immer ein Optimierungspotenzial. Herr Hatt hilft mir, dieses zu erkennen und verhindert so das Aufkommen einer Betriebsblindheit.»

STROM FÜR KNAPP 20 EINFAMILIENHÄUSER EINGESPART

Die Optimierung der Lüftung, das Ersetzen der Tiefkühler für die Laborproben, die Umstellung auf LED bei der Aussenbeleuchtung und im Treppenhaus oder der neue Serverraum – die erreichten Energieeinsparungen des Davoser Forschungsinstituts können sich sehen lassen. So erstaunt es wenig, dass die in der Zielvereinbarung mit dem Bund festgehaltenen Ziele gleich doppelt übertroffen wurden. Auch der EnAW-Berater zeigt sich begeistert: «Obwohl der Betrieb stetig wächst, ist der Gesamtenergieverbrauch rückläufig», so Hatt. «Eine bemerkenswerte Leistung.» Seit 2014 konnte das medizinische Forschungsinstitut im Landwassertal rund 210 000 Kilowattstunden Energie, davon 80 000 Kilowattstunden Strom, einsparen. Als Vergleich: Mit derselben Menge Strom lassen sich knapp 20 Einfamilienhäuser versorgen.

NACHHALTIG IN JEDEM BEREICH

Mit seinem besonderen Gespür für Energiefragen und seiner Begeisterung für das Thema verbreitet Fierz den Nachhaltigkeitsgedanken im ganzen Haus. So schulte er die Mitarbeitenden im letzten Jahr zum Thema «Richtiges Heizen» und geht damit mit gutem Beispiel voran. Auch begibt sich jeden Abend ein Mitarbeiter des Facility Managements auf einen Rundgang, um Lichter zu löschen und Fenster zu schliessen. «Das sind simple Massnahmen, die sich direkt auf den Verbrauch auswirken», so Fierz. «Jeder lebt den Nachhaltigkeitsgedanken nach seinen Möglichkeiten. Das ist das Schöne bei uns.» Sein Antrieb? «Für mich ist das einfach eine Herzensangelegenheit.»

ATTRAKTIVE FÖRDERMITTEL

Doch so sehr Fierz Nachhaltigkeit am Herzen liege – am Ende gehe es auch ums Geld. «Es ist das Paket von Energie und Kosten sparen, was das Angebot der EnAW so interessant macht», konkretisiert er. Nicht minder interessant sei die Unterstützung der EnAW in Sachen Fördermittel. Weshalb? «Für mich selbst ist es fast unmöglich, beim Kanton direkt Fördergelder anzufordern», so Fierz. «Dazu fehlen mir schlicht die Zeit und die Ressourcen.» Durch ihren EnAW-Berater wird die Stiftung über attraktive Fördermittel auf dem Laufenden gehalten. Auch die «professionelle Vertretung gegenüber dem Kanton» möchte Fierz nicht missen. Eine Teilfinanzierung für die Beleuchtungserneuerung durch den Kanton Graubünden sowie finanzielle Unterstützung beim Motorenersatz der Abluftventilatoren durch das Programm EFFIZIENZ+ sind die Früchte einer innovativen Zusammenarbeit.