Am Mittwoch, 21. Juni 2023, lud die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) zum gemeinsamen Wirtschaftslunch im Verkehrshaus in Luzern ein.
Die befürchtete Strommangellage ist im vergangenen Winter nicht eingetroffen. Doch was erwartet uns im nächsten Winter und in den kommenden Jahren? Wie können sich die Unternehmen vorbereiten, um ihren Energiehaushalt zu verbessern? Wie können sie die Energieeffizienz weiter steigern, den CO2-Ausstoss reduzieren und gleichzeitig Kosten einsparen? Um die anspruchsvollen Klimaziele zu erreichen, müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft am gleichen Strick ziehen und sich mit den Themen Energieeffizienz, Dekarbonisierung sowie Material- und Ressourcenverbrauch beschäftigen.
An diesem Wirtschaftslunch informierten Vertreter der Energie-Agentur der Wirtschaft über die Möglichkeiten, Energie und Kosten zu sparen. Ein Praxisbeispiel sowie die politische Sicht rundeten den Anlass ab. Passend zum Thema konnte im Vorfeld des Anlasses das neue House of Energy im Verkehrshaus der Schweiz besichtigt werden.
Zum Anlass
Zeit: Mittwoch, 21. Juni 2023, 11.30 – 14.00 Uhr
Ort: House of Energy im Verkehrshaus der Schweiz, Lidostrasse 5, Luzern
Programmpunkte
10.15 – 11.15 Uhr: Besichtigung House of Energy (fakultativ)
ab 11.15 Uhr: Registrierung
11.30 Begrüssung Adrian Derungs, Direktor IHZ
11.35 Uhr: Energie und Kosten sparen: Die Wirtschaft macht es vor
Rochus Burtscher, Mitglied der Geschäftsleitung
Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)
11.45 Uhr: Klug dekarbonisieren mit der EnAW
Roman Bader, Berater Energie-Agentur der
Wirtschaft (EnAW)
12.00 Uhr: Schützen und Verbessern von Gesundheit und Umwelt
Andres Huwyler, Projektleiter Ramp-up
B. Braun Medical AG
12.20 Uhr: Energiepolitik im Wandel
Fabian Peter, Regierungsrat, Vorsteher Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern
12.30 Uhr: Diskussion
12.45 Uhr: Stehlunch und Netzwerkpflege
Thomas Weisskopf, Co-Geschäftsführer der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW), hat in der neuesten Ausgabe von «Technik und Wissen – Das Fachmagazin für die Industrie» die EnAW-Massnahmen erläutert.
Thomas Weisskopf.
Welche Hebel sind am effizientesten, wenn Unternehmen Energie sparen wollen? Solche und weitere Fragen rund um Energieeffizienz beantwortet EnAW-Co-Geschäftsführer Thomas Weisskopf in der aktuellen Ausgabe von «Technik und Wissen – Das Fachmagazin für die Industrie». So führt er beispielsweise aus, dass mit der Umstellung auf LED-Leuchtmittel nicht nur der energetische Effekt gross sein kann, sondern auch der personelle Aufwand reduziert werden kann, da die LED-Leuchten deutlich weniger schnell ausgetauscht werden müssen als herkömmliche Leuchtmittel.
Ebenso legt Weisskopf dar, wie die Unternehmen die EnAW-Massnahmen umsetzen. «Wir begleiten und beraten die Unternehmen in allen Belangen», wird er zitiert. Die Beratung reicht vom Energie-Ckeck-up bis zur periodischen Überprüfung der Zielvereinbarung.
Schliesslich empfiehlt er den Unternehmen, auf Energieeffizienz zu setzen. «Damit das Unternehmen auch in Zukunft ein Anbieter und Dienstleister bleibt, dessen Produkte gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig sind und dementsprechend nachgefragt werden», erklärt der EnAW-Co-Geschäftsführer.
Das BEATUS Wellness- & Spa-Hotel in Merligen hat mit Unterstützung der EnAW Seewasserwärmepumpen in Betrieb. Dadurch spart das Fünf-Sterne-Haus viel Öl ein.
Das BEATUS Wellness- & Spa-Hotel liegt direkt am Thunersee. (Bild: zvg)
Ein kleines Paradies: Das ist der erste Gedanke, der vom Kursschiff aus durch den Kopf schiesst, wenn dieses auf dem Thunersee am BEATUS Wellness- & Spa-Hotel vorbeifährt. Die Parkanlage des Hotels mit seinen Schatten spendenden Bäumen und den Liegestühlen lässt die Sehnsucht aufkommen, im Hotel einen Kurzaufenthalt zu buchen. Das Solbad im Freien verstärkt diese noch.
Das Solbad im Hotelpark hat allerdings einen Nachteil: Viel Energie ist notwendig, um die Wassertemperatur konstant bei 35 Grad zu halten. Bis zum Frühling dieses Jahres stammte die Energie fürs ganze Haus (Warmwasser und Heizung) dazu aus Erdöl. «Wir haben pro Jahr 270 000 Liter Erdöl verbraucht», so Sebastian Moser, Direktor des BEATUS, das zur LUVITA Hotels & Spa AG gehört. Der CO2-Ausstoss belief sich auf 720 Tonnen pro Jahr.
Damals in den 1960er-Jahren, als das Traditionshaus gebaut wurde, waren Ölheizungen üblich. Doch in den vergangenen Jahren sei der Druck, vom Öl wegzukommen, immer grösser geworden, sagt Moser. Im Jahr 2016 hat die Hotelleitung erstmals eine Analyse durch EnAW-Berater Andreas Santschi durchführen lassen. Zwei Jahre später ist sie auf Seewärme als Alternative fürs Erdöl gestossen. «Da wir massive Betonwände haben, hätte zum Beispiel eine Wärmedämmung wenig Sinn ergeben», erklärt Moser. Und Fernwärme, wie sie im Schwesterhotel ERMITAGE Wellness- und Spa Hotel in Gstaad-Schönried zum Einsatz kommt, ist in Merligen nicht vorgesehen. Auch Erdwärme sei zur Debatte gestanden. «Aber wir hätten bis zu 20 Löcher bohren müssen», argumentiert Moser. «Und das hätte wegen des lockeren Gesteins und der unmittelbaren Seenähe heikel werden können.»
Was also tun? «Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon direkt am See gelegen sind, warum ihn nicht nutzen?», so Moser. Im September 2021 hat die Hotelleitung die konkrete Umsetzung an die Hand genommen, im März 2022 wurden die ersten Leitungen verlegt. Gegenwärtig sind die beiden Seewasserwärmepumpen in Betrieb. Sie leisten 550 Kilowatt. Zusätzliche 20 Prozent Leistung sind Reserve. «Die Seewasserwärmepumpe könnte wohl auch an ganz kalten Tagen ihren Dienst verrichten», sagt Moser. Dennoch hat er zur Sicherheit die alte Ölheizung durch eine neue ersetzt. Diese soll aber nur im Notfall zum Einsatz kommen. Die Seewasserwärmepumpen kühlen zusätzlich kostenlos (als Abfallprodukt) unter anderem den Restaurationsbetrieb und die Küche.
Die Investitionen für die Seewasserwärmepumpe belaufen sich auf 2.4 Millionen Franken, wobei 430 000 Franken davon aus der CO2-Rückerstattung stammen. «Wir haben aber alles selber bezahlt und bekamen keine Subventionen», sagt Moser. Er empfand aber nicht nur die hohe Investition als Herausforderung. «Auch die Bewilligungsverfahren sind nicht ganz einfach gewesen, da es sich um ein einzigartiges Projekt handelt», so Moser. Dafür sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sigriswil sehr gut gewesen. «Sie war sehr proaktiv.»
Eine weitere Herausforderung: der Strom. «Wir hatten plötzlich zu wenig Strom», erzählt Moser. «Daher mussten wir eine Trafostation einbauen.» Kostenpunkt: nochmals 350 000 Franken. «Das ist dann halt einfach so, da kann man nichts machen», so Moser.
Als zusätzliche Massnahme wäre die Installation einer Photovoltaikanlage denkbar. «Das BEATUS Wellness- & Spa-Hotel ist mit seiner Südwestlage für PV prädestiniert», sagt Moser. Die PV-Module will er auf dem Dach anbringen oder an der Fassade. «Bei diesen Strompreisen würde sich das lohnen», argumentiert Moser. Eine Anlage wie im BEATUS im ERMITAGE ist für Moser schwierig umzusetzen. «Wir haben im ERMITAGE kein Dach in Richtung Süden», sagt er. «Zudem sind die Auflagen im Saanenland sehr streng.»
Trotz Auflagen: Moser ist pragmatisch. «Die Frage ist ja, ob man nur die Probleme oder auch die Möglichkeiten sieht», sagt er. «Was kann man mit einer Massnahme herausholen? Das ist die Herausforderung.»
Die Druckerei Vögeli AG aus Langnau im Kanton Bern hat seit Juni 2015 rund 800 000 Kilowattstunden Energie eingespart – mit Unterstützung der EnAW. Doch das reicht den ehrgeizigen Geschäftsführern nicht. Sie stehen vor der Umsetzung weiterer Sparmassnahmen.
Die Vögeli AG hat schon 2009 damit begonnen, auf Ökostrom umzustellen.
Wieder einmal steht bei der Druckerei Vögeli in Langnau eine Energiesparmassnahme an. Diesmal betrifft sie die Druckluft-Kompressoren, die Anfang des Jahres ersetzt wurden, weil sie an ihr Lebensende gelangt waren. Auf den neuen Kompressoren lässt das Unternehmen eine Wärmerückgewinnung installieren, was eine zusätzliche Energieeinsparung bringt. «Wir mussten mit dem Umsetzen dieser Massnahme warten, da die alten Kompressoren noch funktionierten», sagt Markus Vögeli, der die Vögeli AG zusammen mit seinem Bruder in vierter Generation führt. «Aber jetzt können wir sie angehen.»
Der Ersatz der Kompressoren ist eine von insgesamt neun EnAW-Massnahmen, welche die Vögeli AG mit ihren 50 Mitarbeitenden entweder geplant oder schon realisiert hat. Läuft alles nach Plan, dürfte der neue Kompressor dem Unternehmen rund 19 000 Kilowattstunden einsparen. Die bisher wichtigste Massnahme bleibt jedoch der Umstieg auf Ökostrom, den die Druckerei bereits 2009 in Angriff genommen hat. «Die Massnahme war einfach umzusetzen», so Markus Vögeli und fügt hinzu, dass die seit dem Ukraine-Konflikt gestiegenen Strompreise keinen Einfluss auf eine allfällige künftige Weiterführung der Massnahme hätten. «Wir haben langfristige Verträge mit unserer Energieversorgerin, der BKW», sagt Vögeli. Der Bezug von Ökostrom sei angesichts der geopolitischen Lage sogar ein Vorteil: «Wir brauchen zum Glück keine Energie aus Russland, bei der die Preisschwankungen noch viel stärker sind.»
Einige Massnahmen liegen noch weiter zurück, etwa der Verschluss eines alten Lüftungsrohrs, durch den sich der Wärmeverlust reduziert, oder der Einbau einer Thermostatventilsperrung bei der Kühlung. Schon vor Längerem hat die Vögeli AG zudem eine Klimaanlage für ihr ganzes Gebäude einbauen lassen. Dieses wird nun mit Grundwasser gekühlt und spart im Vergleich zu einer herkömmlichen Anlage 96 Prozent Strom ein. Darüber hinaus sorgt sie dafür, dass bei einem grossen Teil der Maschinen die Wärme zurückgeholt wird. Beim Rest wird die Wärme abgeführt und gespeichert. «Damit sind wir von einem Tag auf den anderen fossilfrei geworden», so Vögeli. Auch eine Photovoltaikanlage haben die Verantwortlichen auf dem Dach des Gebäudes installiert.
Doch nicht nur beim Energieverbrauch zeigt sich die Vögeli AG nachhaltig. Auch bei den Produktionsprozessen achtet das Unternehmen darauf, Im Einklang mit der Natur zu produzieren. Dazu hat es 2016 das Cradle-to-Cradle-Verfahren eingeführt. Dieses verwendet beim Drucken nur Substanzen, die wieder in den biologischen Kreislauf gelangen können. Der grosse Unterschied zu herkömmlichen Druckverfahren: Auch die Reststoffe, die nicht für Recyclingpapier genutzt werden, können als Ressource zurück in die Natur fliessen. Zudem ist Recyclingpapier aus Cradle to Cradle Druckprodukten nicht kontaminiert mit schädlichen Stoffen, wie das bei herkömmlichen hergestellten Produkten der Fall ist.Insgesamt ist das Engagement der Vögeli AG im vergangenen Jahr auf kantonaler Ebene gewürdigt worden. Die aeebern hat das Unternehmen mit dem Berner Unternehmenspreis Klima + Energie ausgezeichnet. Dieser wird Firmen verliehen, die sich durch besondere Bemühungen betreffend Nachhaltigkeit und Energieeffizienz hervorheben.
Künftig will die Vögeli AG, die im vergangenen Jahr sein 111-jähriges Jubiläum gefeiert hat, weiterhin in die Nachhaltigkeit investieren. Ein weiteres Ziel: das Unternehmen fit zu halten. «Mein Bruder und ich führen unsere Firma nicht primär, um Geld zu verdienen. Wir investieren das Geld vor allem wieder in die Firma», sagt Vögeli. «Für uns beide stimmt es so. Und es soll auch für die nächste Generation stimmen.» Nachhaltigkeit also auch auf menschlicher Ebene.
Der Sektor Industrie stiess in der Schweiz im Jahr 2021 rund 10.7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus und damit fast 21 Prozent weniger als im Basisjahr 1990 (13.6 Mio.).
Das geht aus dem Treibhausgasinventar des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) hervor. Seit 2006 nimmt der Treibhausgasausstoss des Industriesektors tendenziell leicht ab.
Die Treibhausgasemissionen in der Industrie bestehen mehrheitlich aus CO2-Emissionen, die bei der energetischen Nutzung fossiler Energieträger, der Verbrennung von Abfällen (Kehricht- und Sondermüllverbrennungsanlagen, alternativer Brennstoff in industriellen Feuerungen) und prozessbedingt bei der Herstellung von Zement, Ziegeleien und Kalkherstellung entstehen. Weitere Gase, die einberechnet werden, sind Methan (CH4), Lachgas (N2O), Schwefelhexafluorid (SF6), Stickstofftrifluorid (NF3) und weiteren klimarelevanten synthetischen Gasen (HFC und PFC).
Was die Unternehmen betrifft, die der EnAW angeschlossen sind, wird die aktuelle Bilanz 2022 in Bezug auf den Treibhausgasausstoss voraussichtlich im Juni veröffentlicht.
Energiesparen ist in aller Munde. Aber wie soll die Umsetzung davon aussehen? Am Mittwoch, 30. August 2023 findet in der Hülsenfabrik Lenzhard AG der Energieanlass von der Wirtschaft, für die Wirtschaft statt. Reservieren Sie sich das Datum schon heute.
Wie steigern Sie die Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen auf wirtschaftliche Art und Weise? Und wie dekarbonisieren Sie klug? Am Energieanlass am 30. August 2023 erfahren Sie praxisorientierte Tipps und Tricks, wie Energiesparen leicht gemacht wird. Veranstalter sind die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK), der Aargauische Gewerbeverband und die Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW). Sie werden Ihnen konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wo und wie Sie in Ihrem Unternehmen ansetzen können.
Datum: Mittwoch, 30. August 2023
Zeit: 17.30 bis 18.40 Uhr, mit anschliessender Möglichkeit zur Betriebsbegehung und Apéro
Ort: Hülsenfabrik Lenzhard, Industriestrasse 5, 5702 Niederlenz
Die energiepolitische Agenda – Beitrag Kanton Aargau
Dr. Maurus Büsser, Generalsekretär des Departements Bau, Verkehr und Umwelt
Energie und Kosten sparen: Die Wirtschaft macht es vor!
Rochus Burtscher, Mitglied der EnAW-Geschäftsleitung
Klug dekarbonisieren mit der EnAW
Stefan Eggimann, EnAW-Berater und Projektleiter Roadmap zur Dekarbonisierung
Energiesparen in der Praxis:
Einblicke aus der Hülsenfabrik Lenzhard mit anschliessender Möglichkeit zur Betriebsbegehung
Apéro und Networking
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