Vom Klimawandel, neuen Technologien und Lösungsansätzen: Ein Gespräch mit dem Ingenieur und ETH-Professor Lino Guzzella.
Auf Ihre Frage gibt es leider keine einfache Antwort. Eine Vielzahl von Handlungen und Veränderungen werden nötig sein, um den Ausstoss von Treibhausgasen spürbar zu reduzieren. Zudem wird sich die Menschheit auch an den Klimawandel anpassen müssen. Wenn es aber ein Leitprinzip gibt, so ist das meiner Meinung nach das Streben nach dem wirtschaftlichen Optimum, denn nur ökonomisch sinnvolle Ansätze werden einen spürbaren Effekt auf das Klima haben.
Am Anfang jedes Fortschritts steht die von der Neugier der Menschen getriebene Grundlagenforschung. Diese ist auch hier wichtig, allerdings sind deren Zeitskalen eher ungeeignet, um rasche Lösungen zu finden. Daher sind angewandte Projekte, die das bereits vorhandene Grundlagenwissen nutzen, wichtiger für die Klimafrage. Das Skalieren einer Laboridee zu einem Pilotprojekt und schliesslich zu einer Grossanlage ist eine spannende Ingenieuraufgabe. Hier gibt es zwar Förderinstrumente, aber diese könnten ausgebaut werden. Zentral dabei ist, dass der Ausstoss an Treibhausgasen einen Preis bekommt und dass ein Teil dieser Mittel für die Entwicklung klimaschonender Anlagen eingesetzt wird. Zudem müssen auch die Rahmenbedingungen wie Bewilligungsverfahren, Auflagen, Steuergesetze usw. stimmen.
Die Aufgabe ist gewaltig, aber die Menschheit hat die Fähigkeiten, diese Probleme anzugehen.
Lino Guzzella, Ingenieur und ordentlicher Professor für Thermotronik an der ETH Zürich
Meiner Meinung nach war und ist die Schweiz eine Vorreiterin und ein Kreativitätshort in Sachen umweltschonender Systeme. Das war bereits in den frühen Phasen der Industrialisierung der Fall, wo Schweizer Ingenieure und Unternehmer grosse Beiträge leisteten. Und das ist auch heute noch der Fall. Wenn ich zwei konkrete Beispiele von Spinoffs der ETH nennen darf, dann wären das Climeworks mit deren «direct air capture»-Technologie und die Synhelion mit deren Technologie zur Herstellung von CO2-neutralen Treibstoffen, basierend auf Solarwärme bei sehr hoher Temperatur.
Man kann nie zu viel Forschen und Entwickeln. In diesem Sinne plädiere ich dafür, dass sich von der ETH bis hin zur Berufsschule Menschen dieser faszinierenden Thematik widmen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich Mittel in Lösungsansätze investieren, die es erlauben, grosse Mengen an Energie – mehrere Terawattstunden – über längere Zeit – mehrere Monate bis Jahre – zu speichern. Besonders der Ausbau der Fotovoltaik wird bei uns dazu führen, dass im Sommer zu viel und im Winter zu wenig elektrische Energie vorhanden ist. Dies auszugleichen und eine stabile Grundlastversorgung sicherzustellen, ist wohl die wichtigste offene Frage in diesem Zusammenhang.
Auch hierzu habe ich einen recht positiven Eindruck. Die Hochschulen haben sich in den letzten 20 Jahren stark gegenüber der Industrie geöffnet; mit den Fachhochschulen wurden ausgezeichnete Strukturen genau an dieser Schnittstelle geschaffen und auch der Bund hat massive Mittel investiert – denken Sie an die Spezialprogramme des Nationalfonds und vor allem an die Innosuisse. Wichtig wird es in Zukunft sein, auch die Start-up-Szene verstärkt für Umweltthemen zu gewinnen. Das ist nicht ganz einfach, weil die in diesem Bereich nötigen Investitionen in der Regel sehr viel grösser sind als beispielsweise bei einem digitalen Produkt.
Ich hoffe sehr, dass bereits jetzt ein Austausch zwischen der EnAW, der Industrie und der Akademie stattfindet. Wenn das noch nicht genügend der Fall ist, dann wäre dies ein sinnvolles Anliegen, das es zu fördern gilt.
Die Frage ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Frage, ob die Welt dieses Ziel erreichen wird. Die Klimaveränderung ist ein globales Problem und nur wenn die gesamten 55 Gigatonnen an Treibhausgasen, die pro Jahr ausgestossen werden, reduziert werden, können wir die negativen Folgen des Klimawandels mildern. Dabei gilt es, wohlüberlegt und sowohl technisch als auch ökonomisch bestmöglich vorzugehen. Die Aufgabe ist gewaltig, aber die Menschheit hat die Fähigkeiten, diese Probleme anzugehen.
Lino Guzzella ist Ingenieur und ordentlicher Professor für Thermotronik an der ETH Zürich. Der ehemalige Rektor und Präsident der ETH Zürich konzentriert sich in seiner Forschung auf neue Ansätze in der Systemdynamik und in der Regelung von Energiewandlungssystemen.
Die natürli zürioberland ag strebt eine langfristig CO2-neutrale Produktion an. Gemeinsam mit der EnAW erarbeitet die Käseproduzentin und -vertreiberin deshalb eine Roadmap zur Dekarbonisierung.
Nicht nur der Käse braucht seine Zeit, bis er reif ist: Für die Dekarbonisierung auf Netto-Null braucht es eine gute Begleitung und eine langfristige Herangehensweise.
Im Käsekeller lagert und pflegt die natürli zürioberland ag verschiedene Käsespezialitäten aus der Region.
Ein hoher Wärmebedarf besteht beim Pasteurisieren, Thermisieren und Reinigen.
Intensiver Austausch: Bei der Bestandesaufnahme arbeiten der EnAW-Berater, der Roadmap-Experte und die natürli eng zusammen.
Die Produktequalität hat stets oberste Priorität.
Die Weichen richtig stellen: Für eine vollständige Dekarbonisierung müssen auch Prozess- und Technologieveränderungen in Betracht gezogen werden.
Die alte, umfunktionierte Militärhalle direkt neben dem Bahnhof Saland im Zürcher Tösstal wirkt von aussen unscheinbar. Doch was sich drinnen verbirgt, lässt «Käseherzen» höherschlagen: Rund 200 Tonnen Käse reifen im Tonsteingewölbekeller der natürli zürioberland ag, die hauptsächlich als Vertriebsnetz ausgewählter Käsespezialitäten und Milchprodukte agiert. Damit sichert natürli seit 26 Jahren die Existenz der Kleinkäsereien im Zürcher Oberland und pflegt die vielseitige regionale Käsekultur. Seit 2014 produziert natürli am Hauptsitz in Saland auch selbst Milchprodukte. 2018 kam die Produktion von Hüttenkäse dazu. Damit einhergegangen ist ein erhöhter Energiebedarf, denn die Produktion. von Hüttenkäse und Milchprodukten ist energieintensiv.
«Insbesondere beim Pasteurisieren, Thermisieren und Reinigen haben wir einen hohen Wärmebedarf, unter anderem, um die Hygienevorschriften in der Produktionskette einzuhalten», weiss Michael Ates. Er ist seit diesem Jahr als Leiter Facility-Management tätig und für das Gebäude und sämtliche technischen Anlagen zuständig. Bei der Herstellung diverser Milchprodukte wird die Milch kurzzeitig erwärmt, keimfrei und damit haltbar gemacht – also pasteurisiert. «Dafür brauchen wir Temperaturen von 73 bis 105 Grad Celsius», konkretisiert Ates. In der Hüttenkäseproduktion werden ungefähr 60 Grad Celsius benötigt, um den Magermilchbruch zu temperieren, damit er dick wird. Zudem müssen die Maschinen nach jedem Gebrauch sterilisiert und das Gebäude beheizt werden. Für das Sterilisieren wird Dampf benötigt. Auch das Wärmenetz ist derzeit auf Dampf ausgelegt. Erzeugt wird die Prozesswärme heute deshalb über einen mit Heizöl betriebenen Dampfkessel.
Auch wenn die meisten Temperaturen mit rund 70 Grad Celsius nicht sonderlich hoch seien, «haben wir einen monatlichen Heizölverbrauch von rund 4000 Litern», weiss Ates. Diese Zahl ist der natürli zürioberland ag ein Dorn im Auge: «Als Lebensmittelunternehmen mit regionaler Verankerung gehört Nachhaltigkeit zu unserer Firmen-DNA», sagt er. «Es ist für uns selbstverständlich, dass wir auch energetisch nachhaltig sein wollen.» Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat sich natürli das Ziel einer langfristig CO2-neutralen Produktion gesetzt.
«Damit wir den Weg zu Netto-Null klug angehen können, sind wir angewiesen auf Expertise und eine sorgsame Planung», sagt Ates. Der Leiter Technik, Gino Barille, stimmt seinem Arbeitskollegen zu: «Eine gute Begleitung ist für uns zentral. Mit der EnAW haben wir einen verlässlichen Partner, um einen machbaren und bezahlbaren Plan zu erarbeiten», so Barille. Am Beginn der Zusammenarbeit mit der EnAW stand die Frage nach einem Wärmeverbund mit der Holzheizzentrale beim benachbarten Holzbauunternehmen, erinnert sich der EnAW-Berater Stefan Eggimann. «Das ist eigentlich eine sinnvolle Massnahme», sagt er. Allerdings stellte man bei natürli rasch fest, dass die technischen Voraussetzungen für eine Integration der Prozesswärme noch nicht gegeben sind. Mit einem Fernwärmeanschluss hätte natürli somit lediglich die Büroarbeitsplätze erneuerbar beheizen können, nicht aber die Produktionsprozesse.
Das Ziel einer CO2-neutralen Produktion muss in Saland also anders angegangen werden. Dafür erarbeitet die Firma im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit ihrem EnAW-Berater Stefan Eggimann und dem Roadmap-Experten Roman Bader eine Roadmap zur Dekarbonisierung.
Nachhaltigkeit gehört zu unserer Firmen-DNA.
Michael Ates, Leiter Facility-Management
Eine Roadmap ist eine langfristige Planung, die dem Unternehmen Wege zu Netto-Null bis 2050 unter Berücksichtigung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeiten aufzeigen soll. «Als Berater müssen wir die Bedürfnisse des Unternehmens verstehen und auf sie eingehen können», sind sich Eggimann und Bader einig. Potenziale und Risiken müssen richtig eingeschätzt werden. «Die Herausforderung liegt darin, alle relevanten technischen, wirtschaftlichen und weiteren Aspekte zu erfassen und zu einer Gesamtlösung zu entwickeln, die das Unter nehmen umsetzen kann», so Bader. Der Prozess zur Erstellung einer Roadmap folgt dabei einem typischen Ablauf (vgl. Grafik unter «Weitere Informationen»). Dabei sei das Bekenntnis zum Fernziel Netto-Null der erste wichtige Schritt, so Eggimann: «Es muss die Bereitschaft da sein, den Weg der Dekarbonisierung konsequent zu verfolgen.» Denn eine Roadmap zur Dekarbonisierung führt weiter als eine Zielvereinbarung, sowohl was den Zeithorizont an geht als auch was die Absenkung der Treibhausgasemissionen betrifft.
In einem ersten Schritt wird bei der Roadmap eine Bestandesaufnahme gemacht. Was sich nach einer simplen Momentaufnahme anhört, ist in Tat und Wahrheit eine umfangreiche Abklärung. «Wir müssen ganz genau verstehen, wie die Produktionsprozesse zusammenhängen», so Eggimann. Eine einzelne Begehung reiche dabei nicht aus, vielmehr bedinge es einen intensiven Austausch. Der EnAW-Berater und der Roadmap-Experte stehen deshalb in engem Kontakt mit natürli. «Wir mussten sogar ehemalige Mitarbeitende einbeziehen», sagt Bader. Und obwohl der Prozess noch in Gang ist, kann bereits eine erste Zwischenbilanz gezogen werden: «Da die Prozesswärme bislang über den Dampfkessel produziert wird, müssen wir gemeinsam mit natürli nach Lösungen suchen, wie diese künftig ohne den bestehenden fossilen Dampferzeuger bereitgestellt werden kann», sagt Eggimann. «Dabei stellte sich rasch heraus, dass ein hohes Abwärmepotenzial vorhanden ist, das mit Wärmepumpen nutzbar gemacht werden könnte», ergänzt Bader. Das sei in Betrieben wie Molkereien typisch, da einerseits Prozesswärme für die Produktion gebraucht wird und andererseits die Produkte gekühlt werden müssen. Letzteres geschieht bei natürli im Tonsteingewölbekeller, der nach dem Raum-im-Raum-Prinzip funktioniert und von Ates auch liebevoll «Käsetresor» genannt wird. «Lagert der Käse im Keller, braucht er vor allem Zeit und Liebe», schmunzelt Ates.
Was ebenfalls Zeit braucht, ist die Dekarbonisierung auf Netto-Null. Für die Erstellung einer Roadmap zur Dekarbonisierung hat die EnAW eigens eine Methodik und darauf zugeschnittene Arbeitsmittel entwickelt. Denn eine Dekarbonisierung auf Netto-Null erfordert eine langfristige Herangehensweise: «Wir müssen uns überlegen, wie wir in 10, 20 und 30 Jahren in einer zunehmend fossilfreien Welt unsere Prozesse effizient und kostengünstig mit Energie versorgen werden», so Bader. Um Wege zu Netto-Null aufzuzeigen, werden alle der möglichen Massnahmenbereiche zur Dekarbonisierung in Betracht gezogen (vgl. Grafik unter «Weitere Informationen»). Dabei wird auch nach möglichen Prozess- und Technologieveränderungen Ausschau gehalten. Selbst die einzelnen Produkte werden unter die Lupe genommen. «Produktionsanlagen haben oft Lebenszyklen von 20 Jahren und mehr», erklärt Bader. «Um bis Mitte dieses Jahrhunderts vollständig zu dekarbonisieren, müssen bei Ersatzbeschaffungen bereits heute die Weichen richtig gestellt werden.»
Aber auch einfachere, kurz- bis mittelfristig umsetzbare Effizienzmassnahmen wie die Isolierung von Zuleitungen oder die Optimierung des Wärmeverteilnetzes werden berücksichtigt. Das zeigt: Eine Roadmap besteht aus einer Kombination von aufeinander abgestimmten Massnahmen, welche in der Summe kosteneffizient zu Netto-Null führen.
Gerade bei längerfristigen Massnahmen spielt die technische und wirtschaftliche Machbarkeit eine grosse Rolle – so auch bei natürli. Denn auch wenn für die Käseproduzentin und -vertreiberin klar ist, dass am Netto-Null-Ziel kein Weg vorbeiführt, ist die Firma auf Planungssicherheit angewiesen: «Wir müssen unsere Produktequalität garantieren und die finanziellen Investitionen planen können», hält Ates fest. Deshalb ist es wichtig, die technische Komplexität und die Risiken einer Massnahme realistisch einzuschätzen. Bei Veränderungen an den Prozessen hat die Wahrung der Prozess- und Produktequalität sowie die Störungsfreiheit im Betrieb stets oberste Priorität. Bei neuen Energietechnologien muss gewährleistet werden, dass deren Potenzial auch langfristig Bestand hat. Zudem müssen die erforderlichen Temperaturen im Sommer wie im Winter erzeugt werden können. «Der technologische Fortschritt hat somit einen wichtigen Einfluss auf die Roadmap. Wir beobachten und evaluieren die Trends laufend», versichert Eggimann. Auch die wirtschaftliche Machbarkeitsanalyse gehört zum Roadmap-Prozess dazu. «Anhand von Schätzungen zu Kosten und Wirkung können wir die üblichen Wirtschaftlichkeitsparameter berechnen. Daneben können die Massnahmen auch anhand ihrer Treibhausgas-Vermeidungskosten beurteilt werden», sagt Bader. Für natürli ist das ein zentrales Anliegen: «Wir sind froh, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt und wir sichere Investitionen tätigen », so Ates.
Die Bereitschaft muss da sein, den Weg der Dekarbonisierung konsequent zu verfolgen.
Stefan Eggimann, EnAW-Berater
So viel ist klar: Bei der Erarbeitung einer Roadmap gibt es oft verschiedene Wege, die zum Ziel führen können. «Es ist daher sinnvoll, mehrere Varianten zu erstellen und diese einander gegenüberzustellen», so Bader. Konkret werden Kosten, Wirkung, Wirtschaftlichkeit sowie Risiken und Chancen und nicht energetische Effekte durch Massnahmen – sogenannte «Multiple Benefits» – verglichen und dadurch die bestmögliche Lösung für jedes Unternehmen individuell eruiert. «Wir entwickeln momentan eine Web-Applikation, mit der wir während der Bestandesaufnahme die relevanten Daten erfassen, visualisieren und Massnahmenlisten erstellen können. Das Tool ist auch eine Berechnungshilfe zur Massnahmenbeurteilung: Es hilft bei der Erstellung und Visualisierung von Roadmap-Pfaden», sagt Bader. Das erlaube, Varianten mit unterschiedlichen Ambitionslevels aufzuzeigen und zu vergleichen.
Sobald der Entscheid für eine Umsetzungsvariante gefallen ist, steht der Umsetzung der Roadmap nichts mehr im Weg. Und auch dabei bleiben die EnAW-Berater gerne involviert: «Bei der Umsetzung stehen wir beratend zur Seite», sagt Eggimann. Er lässt durchblicken, dass weitere EnAW-Dienstleistungen geplant sind, die die Umsetzungsphase optimal ergänzen werden. Bis es bei natürli so weit ist, stehen noch einige Arbeitsschritte an – Fortsetzung garantiert.
Wir wollen das Original, das Herkömmliche bewahren und den kleinen Käsereien und deren Handwerk Perspektiven bieten. Dabei setzen wir stark auf Regionalität und streben möglichst kurze Wege an: Wir kennen unsere Milchlieferanten. Wir wissen, wo unsere Produkte herkommen. Unser Credo ist, alles so natürlich zu belassen wie es nur geht. Gleichzeitig fördern wir Innovation.
Indem wir mit traditionellen Verfahren und Rezepturen neue Produkte auf den Markt bringen. Ein Beispiel ist der Cheebab, der erste vegetarische Kebab auf Käsebasis. Unsere Käsehäuser in Lebensmittelläden, die sogenannten Humidore, sind ein weiteres Beispiel. So können wir den Käsekeller, der eine Hygienezone sein muss, für unsere Kunden öffnen. Näher an der Kundschaft reift kein Käse. Selbst in der Stadt schaffen wir so ein möglichst authentisches Käseerlebnis. Die Resonanz ist grossartig.
Es passt zur Unternehmensphilosophie, die wir seit der Gründung durch Fredy Bieri vor über 26 Jahren leben. Wir setzen auf eine nachhaltige Tierhaltung, einen nachhaltigen Umgang mit unseren Partnern und mit der Umwelt. Diese Überzeugung ist bei allen Mitarbeitenden spürbar.
Am liebsten würden wir das Ziel ja kurzfristig erreichen! Aber bei uns spielt die wirtschaftliche Machbarkeit eine zentrale Rolle. Zudem müssen wir die Qualität unserer Produkte sicherstellen. Die Umsetzung der Dekarbonisierung ist für uns deshalb eine Frage der Priorisierung. Und hier verlassen wir uns voll und ganz auf die Expertise von Stefan Eggimann und Roman Bader, damit wir gemeinsam eine machbare Roadmap zur Dekarbonisierung planen und umsetzen können.
Im Gespräch mit Max Zürcher, Geschäftsführer der EnAW bis 2009, über die Anfänge einer erfolgreichen Public-Private-Partnership für den Klimaschutz.
Es war eine interessante, auch beglückende Zeit. Insbesondere, weil wir Neuland begehen mussten und durften. Die Zeit war aber auch, wie immer im Zwischenfeld von Wirtschaft und Politik, etwas aufreibend.
Das war Mitte 1999. Genauer gesagt am 1. Juli, ein heisser Sommertag. Ich sass allein in einer Dachkammer an der Zürcher Hegibachstrasse, bestückt nur mit einem Arbeitstisch, einem Telefon und einem PC.
Ja, ausser dem Auftrag lag fast alles noch im Nebel. Der lautete schlicht: Leitung der zu gründenden Energie-Agentur der Wirtschaft. Die Aufgabe der EnAW sollte es sein, dem Kooperations- und Subsidiaritätsprinzip folgend, das Energie- und das CO2-Gesetz in der Wirtschaft umzusetzen.
Ich habe die wesentlichen Branchenorganisationen der Wirtschaft kontaktiert, um deren Anliegen und Ansichten zu erfahren. Es gelang, fast alle ins Boot zu holen. Gemeinsam waren Arbeitskonzepte zu erstellen, die Erwartungen der zuständigen Bundesämter zu erkunden und vieles mehr. Am 25. November 1999 haben wir die EnAW mit den Trägerorganisationen dann aus der Taufe gehoben. 2001 starteten wir mit der operativen Tätigkeit.
Eine Organisation der Wirtschaft, die hilft, die energiepolitischen Hausaufgaben der Wirtschaft in eigener Regie zu lösen – durch die Steigerung der Energieeffizienz, auf freiwilliger Basis und im Rahmen des üblichen unternehmerischen Investitionsprozesses. Das Konzept fand auch in Bern Anklang und damit Eingang ins neue CO2-Gesetz.
Ich glaube, das ist gelungen – zu meiner Zeit auch dank der damaligen sachlichen und politischen Gegebenheiten sowie der am Entwicklungsprozess beteiligten Handlungsträger. Damals war eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren.
Zentral war es, eine generelle Leistungsvereinbarung mit dem Bund auszuhandeln. Das genügte jedoch nicht. Wir wollten eine Eigendynamik ins System bringen. Es war wohl Zufall, dass etwa gleichzeitig das neu geschaffene CO2-Gesetz ohne Referendum in Kraft trat: Es ermöglichte die Einführung einer CO2-Abgabe. Das Kunststück bestand darin, die Elemente entsprechend zusammenzubringen. Die Grundidee war: Wer CO2-Emissionen reduziert, sollte nicht noch durch eine CO2-Lenkungsabgabe bestraft werden – den Lenkungseffekt hat er ja vorweg umgesetzt. Eine solche Abgabenbefreiung kreierte einen finanziellen Anreiz. Und: CO2-Reduktion bedeutete immer auch die Analyse aller Energieflüsse und damit den angestrebten Energiespareffekt gemäss Energiegesetz.
«Wir wollten eine Eigendynamik ins System der CO2-Reduktion bringen.»
Max Zürcher, ehemaliger Geschäftsführer der EnAW
Ja, da war in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und dem Bund Neuland zu gestalten. Bald war klar: Es mussten möglichst viele Unternehmen oder Produktionsstätten in einen Zielsetzungsprozess – von unten her – eingebunden werden. Jeder sollte entsprechend seinen Möglichkeiten zur CO2-Reduktion beitragen. Der EnAW oblag die Gestaltung dieses Zielsetzungsprozesses. Dem Staat die Beurteilung und rechtliche Fixierung der entwickelten Ziele, die Prüfung der Zielerreichung aufgrund des EnAW-Monitoring-Systems und dann die Befreiung von der CO2-Lenkungsabgabe. Ende 2003 hatten gegen 1000 Unternehmen eine Zielvereinbarung, oder standen kurz vor deren Abschluss.
Der Zielsetzungsprozess ist strukturell bedingt eine Knacknuss. Es galt gemeinsam einvernehmliche Regeln zu entwickeln, damit die Ziele hüben wie drüben als ausreichend ambitiös akzeptierbar sind. Überrissene Ziele hätten den Ausstieg der Unternehmen bedeutet, zu lasche die Glaubwürdigkeit des gesamten Vorhabens untergraben. Beides wäre fatal gewesen – für beide Seiten. Obrigkeitsstaatliches Verordnungsdenken einerseits, Unverständnis für die staatlichen Handlungspflichten anderseits mussten überwunden werden. Entscheidend für den Erfolg war, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden und die Verhandlungen stets auf Augenhöhe erfolgten. Konsens war, umfassender Klimaschutz würde wohl nur mit einem marktwirtschaftlich-anreizorientierten Vorgehen ausreichend erfolgreich sein.
Energiedaten von Unternehmen sind sensible Informationen, weil sie auch Produktionsgeheimnisse bergen, welche die Konkurrenzfähigkeit im Markt mitbegründen. Solche Daten will grundsätzlich niemand im Detail weitergeben. Hier setzt das Konzept der EnAW an, eine Organisation von der Wirtschaft für die Wirtschaft zu sein. Die EnAW hat, strukturell bedingt, eine Intermediärposition, die aufseiten der Wirtschaft und der Behörden von ganz oben gewollt war. So konnte und kann eine erfolgreiche Public-Private-Partnership für den Klimaschutz in der Schweiz wachsen.
Primär Partner, die die strukturellen Voraussetzungen der EnAW verstehen. Mithin Eigendynamik, um gerade noch rechtzeitig die Folgen des Klimawandels in den Griff zu bekommen.
Mit über 430 Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz haben wir an der 20. EnAW-Fachtagung die letzten 20 Jahre Revue passieren lassen, uns von spannenden Referaten rund um das Thema Dekarbonisierung inspirieren lassen und den Blick in die Zukunft gewagt.
Der Geruch nach Kaffee lag bereits in der Luft, als sich am Vormittag vom 10. November 2021 nach und nach die über 430 Teilnehmenden zur grossen Jubiläumsfachtagung im Kursaal in Bern einfanden. Von altbekannten über neue Gesichter: Nach einer langen, veranstaltungstechnischen Dürreperiode war die Stimmung bereits zur frühen Stunde heiter.
Kurz nach neun Uhr startete der offizielle Teil der Jubiläumsfachtagung. Ab diesem Zeitpunkt jagte ein Highlight das nächste. Deshalb packen wir auch das Resümee der Fachtagung – anlässlich des 20. Geburtstags – in 20 kurze und knackige Highlights. Viel Spass!
Rochus Burtscher erinnerte in seiner Rede an die Worte von Bruno Oberle, dem damaligen BAFU-Direktor: «Die EnAW hat die Kastanien aus dem Feuer geholt.» Im Deutschen bedeutet der Ausdruck einen Dienst erweisen, jemandem eine unangenehme Aufgabe abnehmen. Im Französischen bedeutet «tirer les marrons du feu», eine Situation zum eigenen Vorteil zu wenden. Die korrekte Bedeutung des Kompliments ist den französischen Rednern auf dem Forum wohl entgangen.
20 Jahre EnAW – Glückwünsche aus der ganzen Schweiz

Armin Eberle
Leiter Institut für Nachhaltige Entwicklung, ZHAW, Geschäftsführer der EnAW von 2009 bis 2018
Seit 20 Jahren setzt die EnAW Energieeffizienz und Klimaschutz erfolgreich in der Schweizer Wirtschaft um und wird international kopiert. Verhaltensökonomen erklären, weshalb Zielvereinbarungen, Massnahmenberatung und Anreize wirken und die Zahlen bestätigen es. Ich bin glücklich, Teil dieses Modells gewesen zu sein und wünsche der EnAW auch in Zukunft viel Erfolg.

Andreas Mörikofer
ehem. Bereichsleiter Industrie und Dienstleistungen Bundesamt für Energie
Wer hätte im April 2001 bei der Unterzeichnung der Leistungsvereinbarung zwischen der EnAW und dem UVEK daran gedacht, dass das innert wenigen Monaten modellierte Zielvereinbarungssystem 20 Jahre später einen festen Platz in der schweizerischen Energie- und Klimapolitik hätte und heute über 4000 Unternehmen einbindet! Ich freue mich am Erfolg und bin stolz, dass ich die ersten Jahre der bis heute erfolgreichen Public-Private-Partnership mitgestalten durfte.

Hansruedi Kunz
ehem. Leiter Abteilung Energie im kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), Kanton Zürich
Ende der 80er-Jahre haben sich die grössten Zürcher Stromverbraucher Energieeffizienzziele gesetzt – und eingehalten. Auslöser war die Angst vor einem drohenden Stromversorgungsengpass. Das Energie-Modell Zürich fand Beachtung, seit 1995 können Grossverbraucher mit dem Kanton Ziele vereinbaren und bei Einhaltung von Detailvorschriften befreit werden. Diese Idee hat sich dann dank der EnAW zu einem schweizweiten Erfolgsmodell entwickelt. Weiter so.

Mario Cavigelli
Regierungspräsident, Vorsteher Departement für Infrastruktur, Energie und Mobilität Kanton Graubünden DIEM
Liebe EnAW, ich wünsche dir für deine Zukunft weiterhin viel Erfolg, den du bis heute auch bereits hattest. Dank dir arbeiten heute in Graubünden viele Grossverbraucher wie Hotels und sogar eine Fleischtrocknerei energie- und kosteneffizient. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erweist sich dies als Vorteil. Ich freue mich auch für die Zukunft auf die vielen Projekte, in denen die EnAW ihre Kompetenz zum Wohle der Unternehmen einbringt. Weiter so!

Pascal Gentinetta
Managing Director, Head Public Policy Bank Julius Bär, Präsident der EnAW von 2007 bis 2013
Seit 20 Jahren leistet die EnAW echte Pionierarbeit im Klima- und Energiebereich. Nicht nur weil es klimaschonend ist, sondern auch weil es sich wirtschaftlich lohnt. Die eindrücklichen Ergebnisse bei den CO2-Einsparungen und der Stromeffizienz beweisen eines: Wenn die Wirtschaft will und die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen, dann erreicht man beste Ergebnisse für Umwelt und Wohlstand. Lang lebe diese erfolgreiche Private-Public-Partnership!

Cédric Petitjean
Directeur général de l’Office cantonal de l’énergie (OCEN) de l’État de Genève
Je tiens à mettre en avant les excellentes relations de collaboration et de confiance que l’OCEN entretient avec l’AENEC depuis de nombreuses années, avec en particulier la mise en oeuvre d’un projet au service des entreprises comprenant la création d’un conteneur de données commun pour l’ensemble des grands consommateurs. Il est combiné avec l’informatisation du suivi des prestations et dossiers traités par l’OCEN. De cette manière, une entreprise pourra suivre l’avancement de l’ensemble de ses dossiers et mettre à jour ses données.

Jacqueline de Quattro
Conseillère nationale PLR, Cheffe du département du territoire et de l’environnement du canton de Vaud de 2007 à 2019
Après le non à la loi sur le CO2, la Suisse doit privilégier une politique d’incitations plutôt qu’une écologie punitive. C’est la stratégie que j’ai suivie durant mes treize années au Conseil d’État vaudois en tant que ministre de l’énergie. Je poursuis cette voie à Berne. Notre pays a besoin de solutions équilibrées qui renforcent notre économie. L’AEnEC contribue à donner les impulsions nécessaires pour relever les enjeux énergétiques de demain.

Laurent Favre
Président du Conseil d’État de Neuchâtel, Chef du Département du développement territorial et de l’environnement
Les outils de l’AEnEC, visionnaires à l’époque de ses débuts, permettent de rendre les mesures d’efficacité énergétique concrètes et attractives pour les entreprises. Convaincu très tôt, le canton de Neuchâtel, en tant que précurseur en Suisse romande, reconnait ce modèle depuis 15 ans pour satisfaire à sa législation sur les gros consommateurs d’énergie. Pour l’avenir, l’AEnEC continuera de jouer un rôle important dans l’effort de réduction des émissions de CO2 des entreprises suisses.

Philippe Gumy
Directeur adjoint de la Chambre de commerce et d’industrie du canton de Fribourg (CCIF)
En fêtant déjà deux décennies, l’AEnEC démontre que les entreprises savent anticiper et apporter des solutions, en s’engageant activement pour réduire leur empreinte carbone. Faisabilité et retours sur investissements dans un délai raisonnable servent de boussoles depuis 20 ans, avec la garantie d’opter pour les technologies les plus efficaces et les plus efficientes en matière de consommation d’énergie. Résultat : un succès incontestable !

Luca Albertoni
Direttore della Camera di commercio del Cantone Ticino, Presidente della Camera di commercio svizzera dal 2009 al 2021
Non è ovvio poter festeggiare un ventesimo anniversario. Il fatto che l’AEnEC sia riuscita a raggiungere questo traguardo mostra che un lavoro di consulenza competente e gli incentivi giusti permettono di gestire l’energia in modo efficiente. Ho potuto vivere in prima persona l’approccio adottato dall’AEnEC che ha permesso di creare soluzioni individuali su misura per le aziende. È il miglior modo possibile per garantire l’economicità delle aziende e al tempo stesso tener conto dell’interesse collettivo per le attività ecologicamente sostenibili.
Über Geschmack lässt sich streiten, über Notwendigkeiten nicht: Eine heisse Tasse Kaffee ist wie eine Tankstelle für den Geist. Bloss – wer röstet, mahlt, brüht und dampft, braucht viel Hitze und benötigt Energie. Die UCC Coffee Switzerland macht sich die im Röstprozess entstehende Abwärme clever zunutze. Das Resultat überzeugt.
Sechs bis sieben Millionen Beutel Kaffee werden von zwölf Mitarbeitenden pro Jahr im bernischen Zollikofen geröstet, vermahlt, verpackt und an den Detailhandel, die Gastronomie, Heime sowie Spitäler geliefert.
Für viele ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil des allmorgendlichen Rituals – erst nach einer guten Tasse Kaffee kommen die Gedanken in Schwung und der Tag geht wirklich los. Für die Mitarbeitenden der Rösterei UCC Coffee ist Kaffee mehr als das. Ihr Credo: Jede Tasse Kaffee zählt.
Ihren Anfang nahm die Rösterei im bernischen Zollikofen als Schweizerische Kaffeerösterei AG bereits im Jahre 1918. Nicht wenigen dürfte die langjährige Traditionsmarke noch bekannt sein: Merkur Kaffee. Das bestätigt auch Andreas Schwab, Produktionsleiter von UCC Coffee Switzerland: «Merkur Kaffee – das war früher ein Name!» 2012 folgte die Eingliederung der Schweizer Rösterei in das japanische Familienunternehmen Ueshima Coffee Company – kurz UCC. Japan und Kaffee? Ganz richtig. Tadao Ueshima – der Urvater des Kaffees in Japan – gründete UCC bereits 1933 und verhalf dem ostasiatischen Inselstaat damit zu einer Spitzenreiterposition im Kaffeegeschäft. Den Rohstoff erhält UCC Switzerland im bernischen Zollikofen wiederum aus Lateinamerika, Afrika und Asien. Die Früchte des Kaffeebaumes, der Grünkaffee, also die rohen Kaffeebohnen, zählen zu den wichtigsten Agrargütern im globalen Nord-Süd-Handel.
Gegenwärtig zählt UCC in der Schweiz rund 100 Mitarbeitende und bedient eine namhafte Kundschaft aus Gastronomie und Detailhandel. Teil der UCC-Produktpalette ist neben Kaffee auch konsumfreundliches Zubehör wie Zucker, Kaffeerahm und Tassen. «Wir bieten alles, was der Wirt möchte», so Schwab.
Einiges an Veränderung hat Schwab in seiner 32-jährigen Geschichte bei UCC miterlebt. «Als ich hier angefangen habe, gab es einen Computer und vermutlich gut das Doppelte an Personal.» Heute geschieht bei UCC vieles über Automatisierung, besonders die Verpackungsprozesse und Abläufe in der Logistik. Der Kernprozess aber, die Röstung, hat sich seit 100 Jahren kaum verändert. «Es wird geröstet, geröstet», schmunzelt Schwab. Wo allerdings früher Röstschalen verwendet wurden, stehen heute zwei Trommelröster. Sie verwandeln Grünkaffee sanfter und schonender in zehn bis 15 Minuten zu aromatischen Bohnen. Geschmacklich sei das ein bedeutender Unterschied zum früheren, schnelleren Prozess mit den Röstschalen. Denn obwohl aussen dunkelbraun, war der Kaffee damals bei der sechsminütigen Röstung innen noch grün.
Für den guten Geschmack braucht es viel Hitze. Wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Luftreinhaltungsmassnahmen entstehen heisse Rauchgase, die über das Dach abgeleitet werden – viel Wärme, die bisher ungenutzt verpuffte. Hier kommt die W.rmerückgewinnung zum Zuge und Josef Jenni ins Spiel: Der Unternehmer und langjährige Energiespezialist kennt in Sachen Energienutzung jeden Trick und Kniff. Bei UCC installiert er einen Wärmetauscher und verknüpft zwei massive Chromstahlwärmespeicher mit einem der beiden Trommelröster, um die Energiekreisläufe beim Röstprozess zu schliessen. Die Heissgase werden nun durch Rohre nach oben in einen der Wärmetauscher abgeleitet und erhitzen das darin enthaltene Wasser. Die gewonnene Energie wird anschliessend in den zwei im Keller stehenden Wärmespeichern mit einem Fassungsvermögen von 2830 Litern zwischengelagert und nach Bedarf für Heizung und Warmwasser verwendet.
Das zeigt Wirkung: Die Abgaswärmerückgewinnung trägt zusammen mit weiteren Massnahmen massgeblich zur Energieeffizienz der Rösterei bei – bis heute hat UCC die Energiekosten um 40 000 Franken gesenkt und den CO2-Ausstoss um 500 Tonnen reduziert. Damit hat UCC die gesetzten Ziele, wie die CO2-Reduktion um 240 Tonnen CO2 bis 2021, bereits übertroffen. Und dies, obwohl die Anlage erst seit Anfang Jahr im Einsatz ist. Das soll Schule machen. Denn wo geröstet wird, entsteht Abwärme – egal ob in Zollikofen oder anderswo auf der Welt. Auch EnAW-Berater Thomas Pesenti ist zufrieden: «Es ist toll, dass nun die erste der vielen Kaffeeröstereien in der Schweiz die bisher ungenutzte Abwärme im Umfang von 30 bis 50 Prozent des Gesamtverbrauchs des Brennstoffs nutzen kann. Hoffentlich findet die Methode Nachahmer.»
Das Engagement von UCC erschöpft sich nicht mit dem Einbau der Wärmespeicher. Auch beim Material wird gespart: PET-Flaschen werden rezykliert, Folien werden dünner und auf Aluminium und Plastik wird, wo möglich, gänzlich verzichtet. Weniger ist eben manchmal wirklich mehr. Auch der Röstprozess bietet zusätzliche Energiequellen: Beim Rösten des Grünkaffees entsteht ein Abfallprodukt, ein kleines Kaffeehäutchen. Dieses löst sich beim Rösten und muss wegen Brandgefahr abgesogen werden. Anstatt das vormalige Abfallprodukt gebührenpflichtig entsorgen zu lassen, wird es nun pelletiert und an eine Biogasanlage zur neuen Energiegewinnung geliefert. So ist auch hier der Kreislauf geschlossen und «wir tun etwas Gutes für die Umwelt», folgert Schwab.

17.04.2026
Das Wichtigste in Kürze
UCC Coffee Switzerland gehört zum Urgestein der Schweizer Kaffeeindustrie. Seit 1918 wird im bernischen Zollikofen geröstet, gemahlen und verpackt.
Wo geröstet wird, entsteht Hitze. Beim Röstprozess der UCC handelt sich dementsprechend um einen überaus energieintensiven Bereich.
UCC installierte einen Wärmetauscher und zwei Wärmespeicher. Diese ermöglichen eine effiziente Nutzung der Abwärme.
Der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser kann seither zu einem beträchtlichen Teil durch die Abwärme des Röstprozesses gedeckt werden.
Sie müssen den Inhalt von hCaptcha laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von Turnstile laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen