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«Unternehmern muss bewusst werden, was der Wasserverbrauch wirklich kostet.»

René Gälli, Geschäftsleitungsmitglied der EnAW, entdeckt in Betrieben häufig grosse Wassereinsparpotenziale. Er erklärt im Interview, wie Wasserkosten zustande kommen und wo Betriebe mit kleinem Aufwand grosse Einsparungen erzielen können.

Wird die Relevanz von Wassereffizienzmassnahmen in Betrieben heute unterschätzt?

Wasser war immer ein Thema. Im Vergleich zu Strom- und CO2-Einsparungen, die durch das Energiegesetz und das CO2-Gesetz forciert wurden, ist es aber weiter unten auf der Prioritätenliste. Wir haben die Gewässerschutzverordnung, die die Abwasserentsorgung regelt. Es gibt Konzessionen, die zum Beispiel den Verbrauch von Grundwasser rationieren. Zu warmes Kühlwasser darf nicht in Gewässer eingeleitet werden. Aber einen behördlichen Anspruch an die Effizienz der Wassernutzung gibt es in der Schweiz im Unterschied zur EU nicht. Eine Ausnahme bildet der Kanton Genf. Er auferlegt im Rahmen der Umsetzung des Grossverbraucherartikels seinen Unternehmen auch Wassereffizienzziele.

 

Wie berechnen sich die Wasserkosten für ein Unternehmen?

Wir unterscheiden zwischen Wasserversorgung und -entsorgung. Auch wenn Flusswasser kostenlos genutzt werden kann, kostet dieses zehn Rappen pro Kubikmeter, da das Wasser gepumpt und aufbereitet wird. Wenn das Wasser nach der Kühlung unverschmutzt an den Vorfluter abgegeben wird, kostet es 15 Rappen pro Kubikmeter. Verschmutztes Abwasser muss als Sanitärabwasser mit Kosten von zwei Franken oder als Industrieabwasser mit Kosten von fünf bis 15 Franken pro Kubikmeter entsorgt werden. Sie sehen: Es ist wichtig, das sich Unternehmer bewusst werden, was ihr Wasserverbrauch wirklich kostet.

 

Nutzen Unternehmen teilweise das falsche Wasser?

Wenn man zum Beispiel vollentsalztes Wasser zur Kühlung nutzen möchte, funktioniert das zwar problemlos. Aus betrieblicher Sicht macht dies aber keinen Sinn, weil die Kosten sehr hoch sind und für die Wasseraufbereitung die entsprechende Anlagenkapazität vorgehalten werden muss. Flusswasser hingegen ist günstig und erfüllt die Anforderungen vieler Kühlsysteme. Hier gibt es in vielen Firmen Potenzial, da häufig für die Kühlung Trinkwasser eingesetzt wird, obwohl Brauchwasser zur Verfügung stehen würde. Auch Meteowasser beispielsweise aus der Dachentwässerung kann für viele Kühlzwecke verwendet werden.

 

Wo sehen Sie zusätzliche Einsparpotenziale?

In vielen Produktionsprozessen der Industrie wird Wasser als Hilfsmittel verwendet. Ein gutes Beispiel sind Spül- und Reinigungsprozesse. So müssen zum Beispiel in der Pharmaproduktion bei einem Produktwechsel die Anlagen gründlich gereinigt werden. Früher wurde hierzu viel Wasser eingesetzt. Heute wird in einem ersten Schritt trocken gereinigt: Man saugt die Rückstände ab und verbrennt sie. Erst im zweiten Schritt wird mit Chemikalien und Wasser gereinigt. Dies führt zu einer kleineren Abwasserbelastung und zugleich spart man viel Wasser.

 

Sind Innovationen massgeblich für tiefere Wasserverbräuche verantwortlich?

Innovationen und Anreize sind ein Thema. Vergleichen wir Apparate wie WC-Spülungen, Waschmaschinen oder Reinstwasseraufbereitungsanlagen mit unterschiedlichem Baujahr, so haben diese stark unterschiedliche Wasserverbräuche, obwohl das Resultat bei den jeweiligen Anlagen das Gleiche ist. Hier hat eine Effizienzsteigerung stattgefunden. Das Problem mit alten Geräten ist: So lange das Gerät einwandfrei läuft, geht niemand dem Wasserverbrauch auf den Grund. Darum ist es wichtig, den Wasserverbrauch anhand der Kosten zu visualisieren. Wir müssen den Verantwortlichen zeigen, wie der Wasserverbrauch die Produktionskosten beeinflusst.

Expertentipps

Hauptkostenverursacher identifizieren
Um herauszufinden, was Wasser wirklich kostet, reicht es nicht, die Trinkwasserkosten und die Abwassergebühren zu addieren. Die gesamten mit dem Wasserverbrauch anfallenden Kosten müssen anhand einer Wasserbilanz visualisiert werden: Wo kommt das Wasser in den Prozess rein und wo verlässt es ihn und mit welcher Qualität? Sind die Hauptverursacher identifiziert, müssen diese bezüglich Einsparmassnahmen analysiert werden. Hier bewirken Messungen oft Wunder.
Kurzfristige Lösungen vermeiden
Häufig wird Wasser genutzt, das eine zu hohe Qualität aufweist. Der Grund: Das Wasser wurde beispielsweise kurzfristig «angezapft», da die Leitung in der Nähe war. Oder aus einer provisorischen Lösung wird ein Dauerzustand. Was mit tiefen Investitionen verbunden ist, verursacht ungemein höhere Betriebskosten. Hier hilft eine Gesamtkostenbetrachtung, um die richtige Entscheidung zu fällen.
Einsparen statt investieren
Wassereinsparprojekte reduzieren in der Regel die Kosten für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung. Zusätzlich zur Reduktion der variablen Wasserkosten erhöht sich die Betriebssicherheit und Kapazitätsengpässe können vermindert werden. Der Vorratstank hält länger und auch für Wartungen sind grössere Zeitfenster vorhanden. Investieren Sie, wo möglich, in Wassereffizienz statt in zusätzliche Anlagenkapazität. Sie sparen Wasser und zugleich Investitionskosten.

René Gälli

Der promovierte Chemiker und Mikrobiologe ist seit dem Frühjahr 2014 Geschäftsleitungsmitglied der EnAW. Er ist als Berater für Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie im Bereich Effizienzsteigerung tätig.