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20181106094644 Jacqueline Jakob Freigestellt

«Schweiz ist im Bereich Energieeffizienz ein Weltmeister»

Anlässlich der 14. EnAW-Fachtagung gewährte Dr. Christoph Frei, Generalsekretär des World Energy Council (WEC), Einblick in den gleichentags publizierten Energy Trilemma Index. Im Gespräch führt Frei aus, wie Politik und Wirtschaft auf die Faktoren Energiesicherheit, Bezahlbarkeit von Energie und Nachhaltigkeit Einfluss nehmen können.

Präsentierte an der Fachtagung den Energy Trilemma Index 2015: Dr. Christoph Frei

Triple A: Die Schweiz ist Energieeffizienzweltmeister 2015

In Deutschland drückt der Schuh bei der Bezahlbarkeit

Die diesjährige Generalversammlung des WEC fand Ende Oktober in Äthiopien statt. Ist Energieeffizienz in Äthiopien ein Thema?

Wir nutzen für jedes Land eine Issue Map mit rund 30 Themen, in welcher wir die grössten Unsicherheiten im Land bewerten. Weltweit gesehen sind Energieeffizienz und erneuerbare Energien die dringlichsten Themen. Die Themen werden aber in jedem Land anders diskutiert. Äthiopien ist beispielsweise nicht typisch afrikanisch und bezieht wie Brasilien 80 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft. Zugleich besteht bei der Wasserkraft in Äthiopien ein Potenzial von 45 Gigawatt, von welchem aktuell nur zehn Prozent genutzt wird. Klar ist in Äthiopien auch Energieeffizienz ein Thema. Die Angebotsseite ist jedoch viel wichtiger, da viele Menschen hier keinen Zugang zu Strom haben. In Subsahara-Afrika sind es zwei von drei Menschen, insgesamt also 620 Millionen.

 

Der WEC ist mit Mitgliedsausschüssen in 90 Ländern aktiv. Wie funktionieren die einzelnen WEC-Ländergesellschaften?

Wir wollen, dass in jedem Land ein nationaler WEC mit Mitgliedern aus der Energiewirtschaft, der Verwaltung, dem Finanzwesen sowie dem Transport aktiv ist. Ziel ist es, einen Energiedialog zu initiieren, der durch den WEC mit einem Issue Monitoring für das Agenda Setting sowie mit unserem Energy Trilemma Index für den internationalen Vergleich unterstützt wird. Die Zusammensetzung eines Länder-WEC sieht natürlich in Saudi-Arabien oder China anders aus als in Deutschland oder der Schweiz. In England haben wir beispielsweise lange darum gekämpft, unseren Platz neben all den etablierten Clubs zu erhalten. Heute nehmen 15 der wichtigsten CEO aus der Energiewirtschaft im englischen WEC Einsitz. Die Zusammensetzung wurde in enger Absprache mit der englischen Regierung festgelegt, damit am Schluss die richtigen Leute am Tisch sitzen.

 

Der neueste Energy Trilemma Index wurde am 10. November 2015 in Zürich präsentiert. Worum handelt es sich und was sind die Ergebnisse?

Wir vergleichen in unserem Energy Trilemma Index die Faktoren Energiesicherheit, die Bezahlbarkeit von Energie sowie die Nachhaltigkeit für 130 Länder. Jährlich machen wir ein Ranking zu diesen drei Elementen mit 23 Indikatoren. In Deutschland sehen Sie beispielsweise, dass der Bereich Energiesicherheit sehr stabil ist. Es gibt jedoch einen klaren Abfall beim Element Bezahlbarkeit. Beim Punkt Nachhaltigkeit wiederum sind die Werte stabil. Sie sehen also, dass die Energiewende in Deutschland dazu führt, dass die Bezahlbarkeit leidet, da Energie in Deutschland teurer geworden ist. Gleichzeitig hat die Nachhaltigkeit davon nicht wirklich profitiert, da mehr Braunkohle dazu gekommen ist.

Für wen ist dieser Index relevant?

Eine der grossen Herausforderungen eines Landes ist es, Investitionen anzuziehen. Investoren kommen aber nicht in Länder mit einem hohen Policy Risk, das heisst mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass sich das politische Umfeld von einem auf den anderen Tag ändert. Deutschland hat beispielsweise ein Triple B, was ein tiefes Policy Risk bedeutet. In Ländern, die bei einem der drei Kriterien einen sehr tiefen Wert haben, ist die Gefahr gross, dass eine Regierung plötzlich alles neu macht. Eine Verstaatlichung wäre ein mögliches Beispiel, welches ein grosses Investorenrisiko bedeutet. Ein gutes Trilemma-Gleichgewicht der Staaten, welches aus unserem Ranking hervorgeht, ist daher für die Investorensicherheit und somit das Anziehen von Investitionen von grosser Bedeutung.

 

In Deutschland drückt der Schuh bei der Bezahlbarkeit. Wie sieht es in BRIC-Staaten wie beispielsweise China aus?

In China gibt es einen grossen Handlungsbedarf im Bereich Umwelt. Die Chinesen haben uns klar gesagt: Nach einer Dekade mit grossen Fortschritten im Bereich der Bezahlbarkeit steht heute die Umwelt im Fokus. Rund eine Milliarde Chinesen wurden innerhalb von zehn Jahren ans Netz angeschlossen. Die Luft ist verschmutzt. Ebenso die Böden, das Wasser und das Essen. Dies löst einen gewaltigen Vertrauensverlust gegenüber den Regierungsstellen aus. Die direkten gesundheitlichen Folgen haben auch Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt. Die chinesischen Entscheidungsträger sind sich dessen bewusst, müssen handeln und tun dies auch, wie man dem soeben veröffentlichten 13. Fünfjahresplan entnehmen kann.

 

Und wie schneidet die Schweiz in Ihrem Ranking ab?

Die Schweiz hat in unserem Ranking als eines von ganz wenigen Ländern ein Triple A. Es gibt 2015 mit der Schweiz und Schweden nur noch zwei Länder, die dies von sich behaupten können. So ist die Schweiz beispielsweise im Bereich der Energieeffizienz ein Weltmeister. Die Schweiz hat aber sicher noch weiteres Potenzial und muss sich auch mit aufkommenden Gewitterwolken, Stichworte EU, Bilaterale, Energie und Marktdesign, beschäftigen. Als Exportland will man natürlich in einem schwierigen Umfeld nichts machen, was das Exportieren zusätzlich erschwert. Davor haben alle Angst. Auf der anderen Seite will man die Ressourcen ja so optimieren, dass die zentralen Standortfaktoren noch stärker zur Geltung kommen. In der Schweiz sind dies ganz klar die erstklassige Infrastruktur und die Ausbildung. Entscheidend ist, dass die Schweiz als innovatives Land diese sehr gute Ausgangslage auch zu nutzen weiss.

 

Was erwarten Sie von der kommenden Klimakonferenz in Paris?

Wir stellen nach wie vor fest, dass ein Ambitionsdefizit besteht. Wir sehen, dass wir mit den gegebenen Technologie- und Politikambitionen das Zwei-Grad-Celsius-Ziel nicht erreichen. Wir gehen davon aus, dass die Absenz von heutigen Massnahmen zu dramatischen Massnahmen morgen oder übermorgen führen wird. Wenn man mit grosser Politikunsicherheit konfrontiert ist, investiert man nur kurzfristig. Das ist suboptimal. Daher fordern wir ganz klar einen transparent gestalteten und effektiven, globalen CO2-Preis.

 

Welche Rolle spielen die nationalen Regierungen beim Erreichen der Ziele?

Die Staaten spielen die zentrale Rolle. Der Staat kann Top-Down, sozusagen symphonisch, agieren oder einen Grundrhythmus in Form eines leichten Regelwerkes zur Verfügung stellen, welches Technologien aufblühen lässt. Das Spiel zwischen Top Down und Bottom Up ist daher entscheidend. Wenn sich die Wirtschaft nicht selbst organisiert, muss der Staat sozusagen eine symphonische Drohung an ein Jazzorchester aussenden. Der Staat nimmt dann sozusagen den Dirigentenstab hervor, den man bei einem Jazzorchester weniger gerne sieht.  Aus WEC-Sicht ist dieses Zusammenspiel spannend. Wie kann man Innovationen auslösen, ohne zu stark in einen Prozess eingreifen zu müssen?

 

Zur Person

Seit 2009 ist Dr. Christoph Frei Generalsekretär des WEC. Der Elektroingenieur machte nach seinem Studium an der ETH Zürich einen Abschluss an der Uni Genf in Ökonometrie. Er spezialisierte sich auf Energiesysteme und angewandte Ethik und doktorierte schliesslich an der ETH Lausanne.

World Energy Council (WEC)

Der WEC ist eine weltweite Organisation mit Mitgliedsausschüssen in über 90 Ländern. Seine Mitglieder sind Energieproduzenten und -händler, Regierungsstellen sowie Forschungs- und Energieverbraucherorganisationen.