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20181106090711 Dominique Schaad Freigestellt

REVERSE Engineering

Die Welt von 2050 aus gedacht.

Im Ersten Punischen Krieg zwischen Karthago und Rom von 264 bis 241 v. Chr. war die Seekriegsführung entscheidend. Im Vergleich zu den wendigen Quinqueremen (ein von fünf Mann gerudertes Kriegsschiff) der Karthager waren die Römer machtlos. Bis die römischen Schiffsbauer eine gestrandete karthagische Quinquereme fanden. Sie analysierten das Boot, bauten es auseinander, setzten es wieder zusammen und kreierten 100 eigene Schiffe nach diesem Vorbild. Dann fragten sie sich, was dem Schiff noch fehlt? Und erweiterten es mit einer Enterbrücke. In der Seeschlacht von Mylae im Jahr 260 v. Chr. besiegten die mit der neuartigen Enterbrücke ausgestatteten römischen Quinqueremen ihre karthagischen Gegner.

Es ist eines der ersten historisch verbrieften Beispiele für reverse engineering, zu deutsch Rückwärtsentwicklung: Wir sehen etwas, das wir nicht verstehen und schrauben es auseinander, um das Innenleben zu begreifen. Dann setzen wir es wieder zusammen – um zu überprüfen, ob wir die Mechanik begriffen haben. Dann optimieren wir es.

Wir gehen also bei der Produktentwicklung nicht von einem Bedürfnis aus und entwickeln Schritt für Schritt vorwärts, sondern wir denken vom Endprodukt her rückwärts. Damit kann man nicht nur meisterhaft Bestehendes kopieren, auch in der Innovation ist es hilfreich, sich erstmal ein Endprodukt, ein Ziel, eine Vision auszumalen und dann rückwärts zu fragen: Wie sind wir hierhergekommen? Also: Was müssen wir jetzt ändern, damit es in Zukunft so kommt, wie wir es uns wünschen?

Das Grossartige am reverse engineering ist die Vielseitigkeit seiner Anwendbarkeit.

Das Grossartige am reverse engineering ist die Vielseitigkeit seiner Anwendbarkeit. Nehmen wir ein schwieriges Beispiel: die Ehe. Anstatt uns, wenn der Haussegen schief steht, in der Paartherapie zu fragen, welches Verhalten zu korrigieren ist, könnte sich das Paar fragen: Welche Art von Beziehung wollen wir überhaupt? Und: Mit welchen Schritten kommen wir dahin?

Zu schwierig? Nehmen wir ein einfacheres Beispiel, die Rettung der Welt. Anstatt sich, wie die Römer vor dem Ersten Punischen Krieg, zu grämen, dass man keine so guten Schiffe wie die Karthager hat, könnte man umgekehrt denken: Angenommen wir hätten eines, wie wären wir vorgegangen, um es zu bauen?

Übersetzt: Angenommen, wir haben 2050 tatsächlich die Netto-Null-Emission, wie sind wir vorgegangen, um diese zu erreichen? Wie sähe 2021 aus; von 2050 aus gedacht? Was wären die einzelnen Schritte? Wie sind wir vorgegangen? Haben wir nur darüber gesprochen, wie wir CO2-Emission vermindern können, oder auch darüber, wie wir eigentlich leben wollen – wie wir unsere Mobilität, unser Arbeiten, unser Zusammenleben organisieren?

Ob unsere Strategie gut ist, kann man im Vorfeld anhand dieses kleinen Gedankenspiels überprüfen: Ein Zeitreisender aus dem Jahr 2050 taucht auf und sagt Ihnen, dass Ihre Strategie falsch war. Welcher Teil Ihres Planes, glauben Sie, hat versagt? Korrigieren Sie diesen Teil.


Über die Autoren

Mikael Krogerus (links) ist Reporter und Roman Tschäppeler (rechts) Kreativproduzent.

Die beiden sind Autoren des internationalen Bestsellers «50 Erfolgsmodelle – kleines Handbuch für strategische Entscheidungen» und weiteren Büchern. Die komplexe Welt der Entscheidungsfindung erklären sie geistreich mit wenigen Strichen – an einer Kreidetafel. Sie sind zudem Kolumnisten im «Das Magazin» und erklären wöchentlich, wie man besser fragt, besser denkt und besser macht.

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