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Interview mit Christoph Juen: «Der Energieverbrauch ist ein relevanter Kostenfaktor»

Dr. Christoph Juen ist seit 2000 CEO von hotelleriesuisse, dem Branchenverband der Schweizer Hotellerie. Zuvor war er zwölf Jahre Mitglied der Geschäftsleitung des Vororts, heute economiesuisse und arbeitete während vier Jahren im Bundesamt für Aussenwirtschaft, heute seco.

hotelleriesuisse ist Mit-Unterzeichner der Nachhaltigkeits-Charta des Schweizer Tourismus. Welche Ziele verfolgen die Unterzeichner der Charta?

Die Gründe, warum unsere Gäste die Schweiz bereisen, sind die einzigartige Natur und Landschaft sowie eine hochstehende Servicequalität. Für den Schweizer Tourismus sind daher der Einklang zwischen Umwelt und Wirtschaft und damit ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen von essentieller Bedeutung. Als Unterzeichner der Charta verpflichten und bekennen wir uns zur Nachhaltigkeit im Schweizer Tourismus. Das schlägt sich auch in unserer Verbandsstrategie nieder. Wir wollen das Thema in unserer Branche verankern. Deshalb unterstützen und begleiten wir unsere Mitglieder bei der Umsetzung ihres Engagements zur Nachhaltigkeit.

 

Die Hotellerie befindet sich in einem kostensensitiven Marktumfeld. Welche Rolle spielen die Energiekosten bei Ihren Mitgliedern?

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Energieverbrauch im Hotel bei durchschnittlich 3 Prozent des Umsatzes liegt. Berücksichtigt man zusätzlich die Kosten für Unterhalt und Betrieb, verdoppelt sich dieser Anteil. Damit wird der Energieverbrauch zu einem relevanten Kostenfaktor in der Hotellerie. Mit Blick auf tendenziell steigende CO2-Abgaben zahlt sich ein effizientes Energiemanagement zur Steigerung der Energieeffizienz und Senkung der CO2-Emissionen doppelt aus. Hier ist es wichtig, dass wir bei unseren Mitgliedern Anreize zur Einführung von Nachhaltigkeits-Managementsystemen schaffen.

 

Das Projekt «Leuchtturm – energieeffiziente Hotels Graubünden» unter der Leitung von Hotelier Gustav Lorenz vereint 98 Bündner Hotels, die bis 2020 68 Gigawattstunden fossile Energie, 26 Gigawattstunden Strom, 18100 Tonnen CO2 und 22 Millionen Franken an Energiekosten einsparen wollen. Ein Vorzeigeprojekt der Branche?

Das Projekt zeigt auf, wie durch gezielte Kooperation der Energieverbrauch und dadurch die betrieblichen Kosten deutlich gesenkt werden können. Gleichzeitig werden die Umwelt und die Natur geschont. Davon profitieren die Einheimischen und die Gäste, die in die Schweiz unter anderem wegen ihrer einzigartigen Landschaft reisen. Gerade in der aktuell herausfordernden Lage sind solche innovativen Projekte wegweisend für die Branche. So wurde dieses Projekt 2014 verdient mit dem MILESTONE Tourismuspreis Schweiz und 2015 mit dem Schweizer Energiepreis Watt d’Or ausgezeichnet.

 

Werden bereits ähnliche Projekte in anderen Kantonen anvisiert?

Das Leuchtturm-Projekt der Bündner Hotellerie ist in seiner Form bis jetzt einzigartig. Nichtsdestotrotz ist unsere Branche in Sachen Nachhaltigkeit aktiv. Beispielsweise entstand mit der Umsetzung des Grossverbraucherartikels im Kanton Bern und des Interesses zur CO2-Abgabebefreiung die Gruppe «Hotellerie Bern» unter der Leitung der EnAW. Des Weiteren formieren sich Energie-Modell-Gruppen der EnAW in den Kantonen Genf, Wallis und Zürich sowie in der Zentralschweiz. Die Tessiner Hoteliers haben sich der Gruppe Südbünden angeschlossen. In diesen Gruppen können sich die Hoteliers regelmässig zum Thema Energie und zu ihren Erfahrungen bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsprojekte austauschen.

 

Bereits seit 2003 arbeiten hotelleriesuisse und die EnAW im Rahmen des Projekts «hotelpower.ch» zusammen. Was bietet das Projekt?

«hotelpower.ch» ist eine Online-Plattform für Hoteliers und Brancheninteressierte zum Thema Energieeffizienz. Hier kann der Hotelier Sparpotenziale in seinem Betrieb berechnen. Die Plattform zeigt ihm Massnahmen auf, mit denen er seine Energieeffizienz steigern kann. Bereits einfache Betriebsoptimierungen senken bei geringem Aufwand die laufenden Energiekosten. Zudem findet der Hotelier hier Partner, mit denen er zusammenarbeiten kann und die ihm bei der Umsetzung die notwendige Hilfe sowie Informationen zu Förderprogrammen für die finanzielle Unterstützung bieten. Für hotelleriesuisse ist es sehr wertvoll, bei der Unterstützung seiner Mitglieder auf die Branchenerfahrungen und das Know-how der EnAW zählen zu können.

 

Mit der Universalzielvereinbarung (UZV) der EnAW können Hotels sich von der CO2-Abgabe befreien lassen und zugleich die Anforderungen des Grossverbraucherartikels der Kantone erfüllen. Eine Entlastung für Ihre Mitglieder?

Für Hotelbetriebe, die aufgrund ihres jährlichen Energieverbrauchs als Grossverbraucher eingestuft werden, ist es eine Entlastung. Mit der UZV wird der Grossverbraucherartikel erfüllt. Die Betriebe können mit der Zielvereinbarung die Rückerstattung der CO2-Abgabe einfordern. Gleichzeitig ist es ein Weg, um den Energieverbrauch zu senken. Die UZV ist somit von doppeltem Nutzen. Für den Hotelier ist es wichtig, dass die Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wirtschaftlich sind und dass er selbst darüber entscheiden kann, wann er welche Massnahmen umsetzt. Somit sind die in der UZV vereinbarten Ziele und das Massnahmenpaket auf seinen Betrieb abgestimmt. Betriebe, die aufgrund ihrer Grösse kein Grossverbraucher sind, die Befreiungsbedingungen von der CO2-Abgabe jedoch erfüllen, können sich freiwillig von der CO2-Abgabe befreien lassen. Damit Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis bleiben, wurde die Untergrenze auf Unternehmen mit einem Treibhausgasausstoss von 100 Tonnen pro Jahr festgelegt. Dies entspricht circa 38000 Liter Heizöl. Auch für kleine Betriebe, welche diese Grenze nicht erreichen, lohnt sich ein Energiemanagement. Auch ihnen stehen verschiedene Partner und Quellen, die Förderbeiträge offerieren, zur Verfügung. So beispielsweise das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen, die Klimastiftung Schweiz, das Programm ProKilowatt des Bundesamts für Energie sowie Förderbeiträge von Städten und Gemeinden.

 

Die EnAW schlägt auf Basis eines Energie-Check-ups ihren Teilnehmern wirtschaftliche Effizienzmassnahmen vor. Die Hotels verfügen über Spielraum bei der Umsetzung der Massnahmen. Ein erfolgsversprechender Ansatz?

Der Ansatz ist auf alle Fälle erfolgsversprechend. Wichtig ist dabei, praktikable Lösungen zu verfolgen, die für den Hotelier einen Mehrwert bringen, wirtschaftlich vertretbar und zudem unkompliziert umsetzbar sind. Das CO2-Gesetz formuliert die klimapolitischen Ziele des Bundes. Bis 2020 soll die Schweiz ihren CO2-Ausstoss um 20 Prozent senken. Ist die Hotellerie auf Kurs? Mit der kantonalen Umsetzung des Grossverbraucherartikels sind die betroffenen Betriebe gesetzlich zu mehr Energieeffizienz angehalten. Die Befreiung von der CO2-Abgabe fördert die Energieeffizienz der Betriebe und bringt ihnen damit einen wirtschaftlichen Nutzen. Die Impulse zum Handeln sind gesetzt und wir in der Hotellerie sind für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. Leuchtturmprojekte wie das der Bündner Hotels zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind – es bleibt aber auch noch einiges zu tun.

Christoph Juen

Christoph Juen, Dr. oec. HSG, ist seit 2000 CEO von hotelleriesuisse, dem Branchenverband der Schweizer Hotellerie. Zuvor war er zwölf Jahre Mitglied der Geschäftsleitung des Vororts, heute economiesuisse und arbeitete während vier Jahren im Bundesamt für Aussenwirtschaft, heute seco.